Darum gehts
- Céline Dion kehrt 2026 nach sechs Jahren auf die Bühne zurück
- Stiff-Person-Syndrom: Dion ist eine Kämpferin trotz schwerer Krankheit und persönlichen Rückschlägen
- Die Sängerin hat zehn Konzerte in Paris angekündigt – der Start ist im Herbst 2026
Die Meldung verbreitete sich auf der Welt wie ein Lauffeuer: Céline Dion (58) kehrt nach über sechs Jahren auf die grosse Showbühne zurück. Im Herbst gibt sie zehn Konzerte in der Pariser La Défense Arena. Die Meldung gleicht einer Sensation. Lange schien es undenkbar, dass Céline Dion noch einmal auf die Bühne zurückkehrt. 2022 hatte sie ihre Erkrankung am Stiff-Person-Syndrom publik gemacht. Eine seltene Krankheit, mit der Krämpfe und Muskelsteifheit einhergehen. Dions Ankündigung unterstreicht vor allem eines: Sie ist eine Kämpferin.
Das zeigte sich schon in ihrer Kindheit. Dion wuchs als jüngstes von 14 Kindern unter ärmlichen Verhältnissen im kanadischen Québec auf. Als Zwölfjährige wurde sie von ihrem späteren Manager und Ehemann René Angélil (1942–2016) entdeckt und erlangte in den Jahren darauf Bekanntheit in Frankreich und Kanada. 1988 vertrat sie die Schweiz beim Eurovision Song Contest (ESC) in Dublin – und triumphierte mit dem Titel «Ne partez pas sans moi». «Sie war schon beim Vorentscheid der Schweiz fantastisch und sang alle an die Wand», erinnert sich Chansonnier Michael von der Heide (54). «Beim ESC selbst hat sie schliesslich um ihr Leben gesungen. Sie war wahnsinnig gut, aber man merkte auch die Anspannung in ihren Augen. Und dass sie das wirklich will.»
Von der Heide stellte Dion im Blick eine Frage
Herzig: Von der Heide, damals 16-jährig, war von Dion so angetan, dass er nicht nur sofort die Noten des von Nella Martinetti (1946–2011) und Atilla Sereftug (76) komponierten Stücks kaufte, er stellte Céline Dion im damaligen Blick-Telefon kurz nach ihrem ESC-Sieg die Frage nach ihrer Autogrammadresse. «Der Schweiz verdanke ich alles», lautete der Titel des Artikels vom 13. Mai 1988, rund zwei Wochen nach ihrem ESC-Sieg. «Ich träume von einer internationalen Karriere, von Filmen, Musicals, vom Bekanntsein. Für die Verwirklichung dieses Traums lasse ich mir Zeit», sagte sie auf eine andere Frage.
Ihr Traum wurde wenige Jahre später Wirklichkeit. 1992 sang sie mit Peabo Bryson (74) den später mit dem Oscar, mit dem Golden Globe und mit zwei Grammys ausgezeichneten Titelsong von Disneys «Die Schöne und das Biest» und landete damit ihren ersten grossen Hit ausserhalb der frankofonen Welt. 1996 folgte ihr Überhit «My Heart Will Go On» aus dem Film «Titanic», der ebenfalls einen Oscar, einen Golden Globe und sogar mehrere Grammys erhielt. 2003 startete sie in Las Vegas ihre erste Show und läutete damit eine neue Ära in der Wüstenstadt ein: Sie galt fortan nicht mehr als Endstation für ältere Stars, sondern wurde zur Entertainmentmetropole. Bis 2019 spielte Céline Dion dort regelmässig.
Private Rückschläge
Während es in ihrer Karriere immer bergauf ging, gab es privat Rückschläge. 1999 wurde bei René Angélil, Dions Manager und seit 1994 auch ihr Ehemann, Speiseröhrenkrebs diagnostiziert. 2013 kehrte die Krankheit am Kehlkopf wieder zurück, drei Jahre später starb er daran. «René hat so viel für mich getan, ich habe meinen Manager, meinen besten Freund, meinen Geliebten, meinen Ehemann, den Vater meiner drei Kinder verloren – das war ein unbeschreiblicher Verlust», sagte Céline Dion später in einem Interview mit der «Berliner Morgenpost». Einen Monat später stand sie wieder auf der Bühne im «Caesars Palace» in Las Vegas. «René war immer auf der Bühne mit mir, und nichts wird das jemals ändern», sagte sie da.
Schon da hatte Céline Dion mit ihrer Gesundheit zu kämpfen. 2022 sagte sie ihre Tournee, inklusive Termine in Zürich, ab. Und machte ihre Erkrankung am Stiff-Person-Syndrom publik. Eine Diagnose, die ihr Leben als Künstlerin auf vielfache Weise erschwert: «Kennzeichnend sind Muskelsteifheit und schmerzhafte Krämpfe, meist im Rumpf- und Beinbereich, oft verbunden mit Gangstörungen und einer erhöhten Empfindlichkeit auf Reize wie Lärm, Berührung oder emotionalen Stress», erklärt Didier Plaschy vom Inselspital Bern. Vor einem grossen Publikum auf der Bühne zu stehen, gehört genau zu den Situationen, die die entsprechenden Symptome auslösen können.
«Ich musste versuchen, eine Heldin zu sein»
17 Jahre lang hatte sie die Diagnose vor der Öffentlichkeit geheim gehalten – obwohl es ihr schwergefallen sei nach dem Tod ihres Ehemannes. «Ich musste meine Kinder grossziehen, ich musste mich verstecken, ich musste versuchen, eine Heldin zu sein», sagte sie in einem Interview in der amerikanischen «Today Show». «Ich hielt an meinen eigenen Träumen fest.»
Im 2024 erschienenen Dokumentarfilm «I Am: Céline Dion» gab Dion einen Einblick, wie sie sich wieder auf die Bühne zurückkämpfen wollte. Fünf Tage die Woche verbrachte sie mit Gesangstraining und Physiotherapie. Sie sei fest entschlossen, «eines Tages wieder auf die Bühne zurückzukehren und ein möglichst normales Leben zu führen», sagte sie zur «Vogue».
«Auftritt ihres Lebens» an den Olympischen Spielen 2024 in Paris
Einen ersten Vorgeschmack lieferte Dion am 26. Juli 2025 bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Paris. Zum grossen Finale trat die Kanadierin beim Eiffelturm vor die Welt, gab den Edith-Piaf-Klassiker «Hymne à l'amour» zum Besten und rührte dabei die Massen zu Tränen. Viele bezeichneten ihre Darbietung als «Auftritt ihres Lebens».
Gerüchte um einen ähnlichen Auftritt gab es auch für den Eurovision Song Contest 2025 in Basel. Die Verantwortlichen bekräftigten immer wieder, mit Dion in Kontakt zu stehen. «Wir hätten sie sehr gerne in der Show und sind mit ihr in Kontakt. Aber die Gesundheit geht vor», sagte Edi Estermann, Head of Communication ESC 2025. Kurz vor dem Finale berichtete sogar die britische BBC von ihrem Privatjet, der in Basel gelandet sei. Zum Auftritt kam es aber nie.
Sie wäre gerne am ESC in Basel dabei gewesen
«Céline war nicht in Basel und hatte auch nie vor, an der Veranstaltung teilzunehmen, dort aufzutreten oder etwas zu präsentieren. Entgegen bestimmten Behauptungen besitzt sie zudem kein Privatflugzeug», sagte ein Sprecher der Sängerin im November. «Richtig ist, dass Céline gebeten wurde, zu diesem Anlass eine kurze Videobotschaft aufzunehmen, was sie gerne getan hat.» Im Halbfinale zuvor erinnerten ehemalige ESC-Acts an ihren ESC-Sieg, und die Grussbotschaft wurde eingeblendet. «Ich würde nichts lieber tun, als bei euch in Basel zu sein», sagte sie darin. «Die Schweiz wird für immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben.»
Nun gibt Céline Dion zehn Konzerte in Paris, einer ihrer Lieblingsstädte. Jeweils mittwochs und samstags werde sie auftreten, kündigte sie an ihrem 58. Geburtstag an. Zur besten Sendezeit im grössten öffentlich-rechtlichen Fernsehsender Frankreichs, France 2, und via Social Media.
Es soll sogar ein neues Album geben
«Sie liebt das Publikum. Und das Publikum liebt sie. Ich war immer überzeugt, dass sie zurückkommt. Auch wenn viele das Gegenteil vermuteten», sagt Veranstalterlegende André Béchir, der Dion schon oft in die Schweiz brachte. Er selbst habe Kontakt zum Agenten von Dion. «Das klingt alles sehr, sehr gut. Sie freuen sich wahnsinnig. Und es kommt sogar vielleicht ein neues Album vorab. Das ist ein gutes Zeichen! Sie hat für ihre Gesundheit gekämpft und würde das nicht machen, wenn sie nicht ganz fit wäre.»
Trotzdem: Eine Genesung scheint aktuell nicht möglich. «Die Behandlung ist heute differenzierter als noch vor einigen Jahren, unter anderem dank symptomlindernder Medikamente, Physiotherapie und gezielter Immuntherapien», so Plaschy vom Inselspital Bern. «Dennoch bleibt die Erkrankung individuell sehr unterschiedlich, und von einer Heilung kann derzeit nicht gesprochen werden.»
Die nächsten Monate stehen für Dion im Zeichen der Vorbereitung. Gemäss «The Sun» soll die Sängerin regelmässig Physiotherapie erhalten, auch zwischen den Shows. Der Moment ihrer Bühnenrückkehr wird ein grosser für ihre Karriere. Céline Dion ist wieder da – als Kämpferin, als Heldin.