Darum gehts
- Christian Ulmen wird von Ex-Frau Collien Fernandes digitaler Vergewaltigung beschuldigt
- Fernandes wirft Ulmen vor, Fake-Profile mit Deepfake-Pornografien erstellt zu haben
- Tausende Personen demonstrierten am 22. März in Berlin
Die schweren Vorwürfe gegen Christian Ulmen (50) beschäftigen den deutschsprachigen Raum. Das deutsche Nachrichtenmagazin «Spiegel» veröffentlichte am letzten Donnerstag eine Recherche, in der dem Schauspieler digitale Vergewaltigung vorgeworfen wird. Die Absenderin: Seine langjährige Ehefrau, die Moderatorin Collien Fernandes (44). Das mögliche Delikt: Ulmen habe Fake-Profile von ihr erstellt und damit pornografische Inhalte verbreitet.
Ulmen selbst hüllt sich seit Bekanntwerden der Vorwürfe in Schweigen. Laut Fernandes' Schilderungen habe er ihr gebeichtet, dass er hinter den Fake-Profilen stecke, die Deepfake-Pornografien von ihr erstellt und verschickt haben. Weil sie in einem Interview sagte, Anzeige gegen Unbekannt zu erstatten, habe er ihr die Taten gebeichtet, so Fernandes im erwähnten «Spiegel»-Artikel. Ende 2025 erstattete sie in seinem Wohnsitz in Palma de Mallorca Anzeige gegen Ulmen, es gilt die Unschuldsvermutung.
Valentin Landmann rät zum Statement
Zu den Berichten hat sich Ulmen bisher nicht geäussert. Für den Zürcher Milieu-Anwalt Valentin Landmann (75) ist dies unverständlich. «Es ist nie das Gescheiteste, nichts zu sagen. Ich sage meinen Klienten immer, wenn man zu einem Vorwurf nichts sagt, verpasst man die Möglichkeit, sich zu wehren», sagt er im Gespräch mit Blick. «Es ist meiner Meinung nach zehnmal besser, sich zu äussern. Ob das Gericht einem dann Glauben schenkt, ist eine andere Sache. Ich kenne aber keinen Fall, in dem es besser rauskam, wenn man keine Stellung bezieht.»
Aktuell wird Ulmen vom deutschen Medien-Anwalt Christian Scherz (60) vertreten. Gemäss «T-Online» vertritt dessen Kanzlei «ab sofort und allein» die Interessen von Ulmen. Man gehe gegen den «Spiegel»-Bericht vor und warne davor, die darin dargelegten Darstellungen zu verbreiten. Diese seien «aus mehreren Gründen rechtswidrig», so der Jurist.
Ulmens Anwalt war auch für Till Lindemann aktiv
Spannend: Christian Scherz ist nicht nur der Anwalt, der Rammstein-Frontmann Till Lindemann (63) bezüglich der Missbrauchsvorwürfe hinter den «Row Zero»-Enthüllungen vertrat. Er war auch in der ZDF-Doku «Deepfake-Pornos: Jagd nach den Tätern» mit Collien Fernandes als Experte zu sehen. «Wir müssen das Recht ändern, um den Schutz der Betroffenen zu verstärken», sagte er dort. Deepfake-Pornos seien für Frauen «aufgrund der scheinbaren Authentizität furchtbar traumatisierend.» Sein Urteil: «Das ist eine mediale Vergewaltigung.»
Nun wirft Collien Fernandes seinem Mandanten, ihrem Ex-Mann, genau das vor. «Du tust so, als sei das hier eine ganz normale Trennung unter zwei Eheleuten. Das ist sie nicht, du hast mich virtuell vergewaltigt», heisst es gemäss «Spiegel» in einer Handynachricht, die Fernandes ihrem Mann schrieb.
Wegbegleiter äussern sich
Die Empörung nach Bekanntwerden der Vorwürfe ist gross. Am vergangenen Sonntag fand in Berlin eine Solidaritätskundgebung vor dem Brandenburger Tor statt. Die Polizei spricht von 7000 Menschen, die gegen digitale sexuelle Gewalt auf die Strasse gingen, die Veranstalter sprechen gar von 13'000 Personen. Angekündigt waren 500.
Diverse Wegbegleiter von Christian Ulmen haben sich seit der Veröffentlichung der «Spiegel»-Story geäussert. 30 Jahre war der Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre (51) mit Ulmen befreundet, nun distanziert er sich. «Bei Gewalt endet alles, wirklich alles», sagt er gegenüber dem Nachrichtenmagazin. «Ich muss mich hier ganz klar von meinem Freund Christian distanzieren.» Und weiter: «Mit Christian konnte ich das ihm vorgeworfene entwürdigende Verhalten zwar überhaupt nicht zusammenbringen, ich muss das aber jetzt tun, das ist die Lage.»
Verfahren in Spanien
Auch Ulmens Kollege Fahri Yardim (45) reagierte am letzten Sonntag. Er spielte von 2017 bis 2023 neben ihm in der Comedy-Serie «Jerks.» Er versuche mit seinen Worten deutlich zu machen, «was es bedeutet, wenn sich solche Abgründe im engen Freundeskreis auftun. Wie besonders der Schock gerade dort ist.»
Wie es weitergeht? Ob sich Ulmen doch noch zu den Vorwürfen äussert und seine Sichtweise darlegt oder ob er die Zeit der Empörung auszusitzen versucht, bleibt abzuwarten. Das Verfahren in Spanien befinde sich noch in einem frühen Stadium, so der «Spiegel». Einen Termin beim Gericht habe Ulmen kürzlich verpasst. Fernandes hat sich gemäss eigenen Angaben in der ARD-Newssendung «Tagesthemen» «bewusst dafür entschieden, in Spanien zu klagen, weil dort die Rechte von Frauen deutlich besser sind als in Deutschland». Dies betreffe nicht nur die digitale Gewalt, sondern auch die häusliche.