Darum gehts
- Schlagerstar Andy Borg bleibt seit über 40 Jahren ein Publikumsliebling.
- Künstliche Intelligenz macht ihm Sorgen, ersetzt sie echte Kreativität.
- Seine Tour «Schlager & Spass» startet im Januar 2027 mit Schweizer Stopps.
Seit über 40 Jahren ist Andy Borg (65) im Schlager-Business erfolgreich. Mit TELE sprach der beliebte österreichische Moderator und Entertainer über die Sparmassnahmen der TV-Sender, über Freundschaften und was er von KI hält.
TELE: Wir erreichen Sie auf der Fahrt zu einem Event in der Steiermark. Sie hechten von einem Auftritt zum nächsten …
Andy Borg: Das ist so, aber ich mache das ja beruflich. Andere gehen jeden Tag in dieselbe Firma, bei mir ist es halt a bissl grösser gefächert. Die Alternative wäre, dass alle zu uns nach Hause kommen – das wär dann ja auch nix (lacht herzhaft).
Ob «Schlager-Spass» am 18. Juli oder «Sommer-Spass» am 8. August (SWR und MDR) – ein Millionenpublikum ist Ihnen sicher. Was steckt hinter dem Erfolg?
Das mache ich, seit ich erkannt habe, dass ich das Talent habe, Menschen mit meinem Lalala zu unterhalten. Und ich achte darauf, was sich das Publikum wünscht.
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Wie läuft das Wunscherfüllen ab?
Früher haben sich die Leute ein Lied oder ein Autogramm gewünscht – Ende. Heute schreibt uns das Publikum eine Geschichte dazu. Wenn man dann liest, dass sich zwei 1950 kennenlernten, nun seit bald 70 Jahren verheiratet sind und sich ein Lied wünschen, dann hat das ein ganz anderes Gewicht. Da schauen wir, ob es zu meiner Stimme passt oder zu der eines Kollegen. Wir erfüllen Wünsche, denn die Leute verbinden mit dem Interpreten eine schöne Zeit – und das ist das Intensivste, was man ihnen mittels Fernsehen oder auf der Bühne dalassen kann.
Ihr «Sommer-Spass» kommt ein letztes Mal aus der «Immer wieder sonntags»-Arena in Rust, denn die Show mit Stefan Mross fällt Sparmassnahmen zum Opfer.
Da gibt es noch keine konkreten Vorstellungen, wie das mit der Arena weitergeht, denn die Bühne ist ja vom Europapark in Rust. So eindeutig habe ich bis jetzt nicht gehört, dass sie dieses Areal abbauen werden. Für mich als «Schlager-Spass»-Moderator – und ich klopfe jetzt auf meinen Holzkopf – ist das Gott sei Dank alles nicht so spektakulär, wie es in der Medienlandschaft abgehandelt wird. Das mit dem Absetzen einer beliebten Sendung kenne ich ja aus eigener Erfahrung.
Sie sprechen vom «Musikantenstadl», den Sie sehr erfolgreich moderiert haben. Nun passiert es auch Stefan Mross und einer Show, die seit 1995 das Publikum begeistert hat. Warum bloss?
Das weiss ich leider auch nicht. Aber es geht euch in der Medienbranche ja nicht anders: Alles verändert sich rasend schnell.
Neben Helmut Lotti, Nicole, Die Paldauer u. a. wird auch Ihr Freund Stefan Mross zu Gast sein – bestimmt mit vielen Emotionen im Gepäck …
Ja, und wenn er möchte, bin ich bei seiner letzten Sendung am 13. September dabei. Auch wenn es mir persönlich sehr schwerfällt, weil ich weiss, dass es nicht nur Stefan, sondern das ganze Team betrifft. Das ist wie eine Familie, die auseinanderbricht!
Mit Mross oder Patrick Lindner verbindet Sie eine tiefe Freundschaft. Aber alle haben sich in der Szene auch nicht lieb, oder?
Ich bin ja gelernter Mechaniker und glaube, es ist gar nicht so anders als damals. Wenn wir um sieben in der Früh begonnen haben, habe ich mich auf den einen oder anderen Kollegen gefreut, einige waren mir egal, und auf noch andere freute ich mich gar nicht.
In der Schlagerszene ist es gleich?
Ja! Monique etwa ist für meine Frau Birgit und mich wie ein Familienmitglied. Gefühlt kennen wir uns, seitdem wir auf der Welt sind. Wissen viele Sachen voneinander. In unserer Branche gibt es wie überall einerseits Freundlichkeit und Höflichkeit, anderseits Freundschaft. Selbst wenn man jemanden nicht so toll findet, schenkt man ihm ein Lächeln, alles andere wäre unhöflich und unangebracht. Mich finden auch nicht alle toll, aber das ist okay, das ist menschlich.
Seit 45 Jahren zaubern Sie den Leuten mit Ihren Shows ein Lächeln ins Gesicht. Heute wichtiger denn je – wie sehen Sie das?
Musik und Schauspielerei waren immer wichtig. Meine Frau hat sich kürzlich in die Biographie von Magda Schneider (Mutter von Romy Schneider; Anm. der Redaktion) vertieft und mir erzählt, dass Magda Schneider nie so viele Filme gedreht habe wie in den Kriegsjahren. Die Leute sind ins Kino gegangen, um auf andere Gedanken zu kommen. Es war und ist immer wichtig, dass die Leute etwas haben, das sie beruhigt und fröhlich macht. Das kann die Schauspielerei – und das schafft auch die Musik.
Sie sind ein grosser Verehrer Ihres Landsmannes Peter Alexander. Ihr Vorbild?
Vorbild – das wäre etwas vermessen, denn an ihn kommt keiner ran! Ich habe miterleben dürfen, dass bei einer Show von Peter Alexander meine Eltern in unserem kleinen Wohnzimmer aufgestanden sind und zu seiner Musik tanzten. Damals als Jugendlicher war es mir peinlich, heute weiss ich umso mehr zu schätzen, was das für Emotionen auslösen kann beim TV-Publikum zu Hause.
Ein persönliches Autogramm von ihm hüten Sie wie einen Schatz. Wie kam es dazu?
Leider habe ich ihn nie persönlich kennengelernt. Aber als ich mir vor 20 Jahren erlaubte, einige meiner Lieblingslieder von Peter Alexander aufzunehmen, bekam das irgendjemand mit und liess ihn das wissen. Daraufhin schickte er mir von sich aus eine Autogrammkarte mit einer persönlichen Widmung drauf, wünschte mir «Toi, toi, toi!» für dieses Album. Das ist wahre Grösse! Für mich war es wie ein Ritterschlag.
Seine Lieder sind schlicht unvergessen …
… und sein Repertoire unerschöpflich. Ich bin wie er Wiener, und es war für mich ein Herzenswunsch, einmal «Sag zum Abschied leise Servus» aufzunehmen. Also habe ich mich mit meiner Plattenfirma zusammengesetzt, und so entstand die Idee, anlässlich seines 100. Geburtstags ein weiteres Album mit seinen Liedern aufzunehmen. Ich übertreibe nicht: In einer halben Stunde hatte ich alle Stücke zusammen, die ich von ihm singen wollte. Und dieses Album gibt es – Aaachtung, Trommelwirbel! – auch als Schallplatte! Schwarz und gross.
KI erobert, Sie haben es vorher schon erwähnt, unaufhaltsam alle Sparten. Andy Borg als Avatar – wie gehen Sie damit um?
Es ärgert mich masslos, weil alles konstruiert und nicht komponiert ist! Wie andere Schlagerfuzzis sammeln auch wir das ganze Jahr über Lieder, bekommen Vorschläge für das nächste Album zugeschickt. Mittlerweile erhalte ich Demos, von KI gesungen, von KI arrangiert, Texte und Melodien nicht komponiert, sondern wie ein Rezept eingegeben und vom Computer ausgespuckt. Das Schlimme ist, und das ärgert mich am meisten, ich falle manchmal selber drauf rein! Ich gehe mit einem Demo zu meiner Frau ins Büro und sage, hör dir das mal an. Wenn ich es dann ein zweites Mal anhöre, merke ich, es ist zu perfekt, es ist ein KI-Produkt. Schrecklich und schade, schade, schade – wir können es nicht verhindern. Denn, wie heisst es so schön: Die Geister, die ich rief! Wir haben uns alles selber eingebrockt.
Live werden Sie am 5. September auf der Seebühne in Bregenz stehen, und im Januar 2027 starten Sie wieder Ihre Tour «Schlager & Spass mit Andy Borg». Kommen Sie auch in die Schweiz?
Jaaa! Ende November werden wir auch in der Schweiz zu Gast sein! Weitere Details folgen so bald wie möglich.
Jeden Tag an einem anderen Ort, ist das nicht sehr kräftezehrend?
Doch, ja, aber ich mache das seit vierzig Jahren, wir sind geübt darin. Sie ahnen ja nicht, was wir alles im Auto haben: Wir könnten eine Woche lang irgendwo feststecken und problemlos überleben (lacht).
Stets an Ihrer Seite Ihre Frau Birgit, seit 27 Jahren verheiratet …
Sie ist mein grösstes Glück! Und ich bin überzeugt, wenn alle Menschen so eine Beziehung hätten, gäbe es keinen Krieg. Einem glücklichen Menschen gegenüberzusitzen, da ist die Aura einfach positiv.
Birgit ist die Liebe Ihres Lebens, aber das Live-Publikum brauchen Sie wie die Luft zum Atmen, oder?
Das ist so, und das weiss meine Frau auch, sie nimmt das gerne in Kauf und begleitet mich. Wie jetzt gerade auch. Wir haben einen wunderschönen Garten, eine Katze, die wir abgöttisch lieben. Sie hätte also schon Gründe, zu Hause zu bleiben.
Kann Applaus süchtig machen?
Ja, unbedingt. Auch das Gefühl, wenn man in die Gesichter schaut und alle deine Lieder mitsingen, das ist ein grosses Kompliment! Dass die Leute sogar Geld in die Hand nehmen, um live dabei zu sein, diese Begeisterung macht süchtig, das gebe ich gerne zu. Als das mit dem «Musikantenstadl» zu Ende war, war das mein absoluter Tiefschlag, und es war wiederum das Publikum, das mir weiterhalf. Mit ihm schwebte ich wie auf einer Wolke. Es hat mir nach dieser Stadlzeit gezeigt, dass man mir zwar eine Sendung wegnehmen kann, nicht aber das Publikum. So wird es auch Stefan Mross ergehen. Die Fans und seine Auftritte werden ihn stützen.
Ob «Schlager-Spass» oder der «Sommer-Spass» – für Andy Borg ist hoffentlich noch lange nicht Schluss!
Ich habe gehört, dass wir mit dem «Schlager-Spass» wieder raus aus dem Studio gehen werden. Aber ich rede nicht gerne über Sachen, die ich nicht sicher weiss. Wie ich Ihnen schon früher gesagt habe: Für mich ist der «Schlager-Spass» eine Zugabe meiner Karriere – und der «Sommer-Spass» quasi das Sahnehäubchen obendrauf. Ich geniesse es einfach, denn wie wir wissen: Auch eine Zugabe dauert nicht ewig (lächelt).