Darum gehts
- Ex-Ruag-Manager Hannes Hauri angeklagt wegen gefälschten Covid-Impfzertifikats in Bern
- Hauri soll Corona-Regeln umgangen haben, trotz früherer Beteuerungen
- Ruag-Skandalfall: Untersuchung kostet Schweizer Steuerzahler zweistelligen Millionenbetrag
Ein Manager aus der Rüstungsindustrie muss vor Gericht – und wieder führt die Spur zur Ruag! Laut SRF erhebt die Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland Anklage wegen eines gefälschten Covid-Impfzertifikats gegen einen ehemaligen Ruag-Manager. Nach Informationen von Blick handelt es sich um Hannes Hauri (63), der mittlerweile CEO der Munitionsfabrik SwissP Defence ist. Früher hiess die Firma Ruag Ammotec, SVP-Finanzminister Ueli Maurer (75) verkaufte sie an den italienischen Beretta-Konzern.
Der Vorwurf im aktuellen Verfahren: Hauri und seine Ehefrau sollen ein gefälschtes Impfzertifikat verwendet haben, um Zugang zu Veranstaltungen zu erhalten und die damaligen Corona-Regeln zu umgehen. Nach aussen hin hatte Hauri beteuert, sich streng an die Corona-Regeln zu halten.
«Konsequente Umsetzung von Schutzkonzepten»
So sagte Hauri dem Portal «Industrienacht Schweiz»: «Glücklicherweise wurden wir von grösseren Ausbrüchen von Covid verschont. Das ist zum einen Teil der konsequenten Umsetzung von Schutzkonzepten, aber auch der grossen Eigenverantwortung unserer Mitarbeitenden zu verdanken.»
Ob sich Hauri an der Spitze von SwissP halten kann, ist fraglich. Der Beretta-Konzern liess eine Anfrage unbeantwortet. Im SwissP-Verwaltungsrat sitzt die ehemalige FDP-Nationalrätin Corina Eichenberger-Walther (71). Auch sie wollte sich gegenüber Blick nicht äussern, bestätigte aber, über das Strafverfahren informiert zu sein.
Hauri war mit der Führung eines Walliser Managers überfordert
Hannes Hauri dürfte auch künftig für Schlagzeilen sorgen: Er gilt als mitverantwortlich für das Totalversagen der Ruag bei umstrittenen Panzerdeals. Im Zentrum steht ein Walliser Manager. Als dessen direkter Linienvorgesetzter ignorierte Hauri 2019 einen Whistleblower-Hinweis auf «potenziell betrügerische Geschäfte». Interne Notizen halten fest, Hauri habe von einem «Deal» berichtet, ohne dass es Protokolle oder E-Mails gab.
Der Walliser Ruag-Mann soll mit undurchsichtigen Panzerdeals einen hohen zweistelligen Millionenbetrag abgezweigt haben. Die Bundesanwaltschaft und die deutsche Korruptionsstaatsanwaltschaft ermitteln. Trotz des Führungsversagens konnte Hauri bei SwissP Karriere machen. Im Parlament wurde bereits gefragt, ob der Bund Manager, die eine Mitverantwortung für den Ruag-Skandal tragen, indirekt noch mit neuen Aufträgen belohne. Die Ruag hat 2023 die Zürcher Kanzlei Niederer Kraft Frey damit beauftragt, den Ruag-Skandal aufzuarbeiten. Wie die Ruag bestätigt, dauern die Untersuchungen immer noch an. Den Schweizer Steuerzahler kostet das Ganze einen zweistelligen Millionenbetrag.
Nun steht der SwissP-Chef erneut im Scheinwerferlicht – diesmal wegen eines mutmasslich gefälschten Impfpasses. Für Hauri gilt die Unschuldsvermutung.