Service top, Internet Flop
Der neue A350 der Swiss: Luxus mit Schönheitsfehlern

Mit dem neuen A350 verspricht die Swiss Luxus über den Wolken. Wo das Versprechen stimmt – und wo nicht.
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Mit dem neuen A350 verspricht die Swiss einen deutlich besseren Service.
Foto: Sven Thomann

Darum gehts

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Raphael RauchBundeshausredaktor

Zürich ächzt unter der Hitze. Das Thermometer klettert über 30 Grad, die Sonne knallt auf das Rollfeld. Der Flughafen Zürich schafft es nicht, die Fluggastbrücke zu kühlen. Umso wohltuender sind die kalten Tücher, die die Swiss an Bord verteilt.

Blick testet den Swiss-Flug LX54 nach Boston (USA). Die Flugzeit: gut acht Stunden. Dieser Flug ist eine Art Visitenkarte der Swiss: Die Airline fliegt mit dem nigelnagelneuen A350. Die Kabine verspricht mehr Komfort und mehr Ruhe – und in der Business-Class deutlich mehr Privatsphäre. Aktuell fliegt die Swiss mit zwei A350 nach Boston und Seoul (Südkorea). Ende August wird der dritte A350 erwartet. Als nächste A350-Ziele sind Johannesburg (Südafrika) und Shanghai (China) geplant. Bis Anfang 2030 sollen zehn A350 bei der Swiss in Betrieb sein. Der Test zeigt: Die Swiss hält in der Business-Class ihr Versprechen ein, der A350 macht richtig Spass – doch es gibt Luft nach oben.

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Business-Class mit First-Vibes

Die neue Business-Class der Swiss bietet fünf unterschiedliche Sitztypen. Es gibt zum Beispiel den «Extra Long Bed Seat», der Reisenden ein 2,20-Meter-Bett bietet, oder die luxuriöse «Business Suite». Der Sitzplatz 2A strahlt First-Class-Vibes aus: Mit einer Schiebetür lässt sich der Sitz abschirmen und zu einer Mini-Suite umbauen. Er bietet deutlich mehr Privatsphäre und hat einen extra grossen Bildschirm. Der A350 ist leiser als andere Flugzeugtypen. Die Schiebetüren verstärken den Ruhe-Effekt. Wer sonst nach einem Nachtflug morgens vom Klappern des Frühstück-Services geweckt wurde, kann hier tatsächlich bis kurz vor der Landung schlafen. Man bekommt praktisch nichts mit.

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Bequeme Sitze

Ein Touchscreen lässt keinen Wunsch offen: Die Sitze lassen sich weicher oder härter einstellen, zudem kann man sie heizen oder kühlen. Jeder Sitz hat Zugang zum Gang, man muss nicht mehr über Sitznachbarn steigen.

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Essen mit Ambition

Die Swiss hat das kulinarische Erlebnis aufgewertet. Das Essen wird wie in einem Restaurant serviert, die Speisen sind schön angerichtet, und einzelne Gerichte wie die Burrata schmecken vorzüglich. Aber: Nicht immer wird das Premium-Versprechen eingelöst. Die Brötchen schmecken so, wie aufgebackene Brötchen schmecken – nichts Besonderes. Der Beilagensalat sieht lieblos aus, wie Fertigsalat aus dem Supermarkt. Und statt Salz und Pfeffer aus einem Papierpäckchen zum Aufreissen wären Salz- und Pfefferstreuer passender.

Was schade ist: Die Swiss hat eine Zwischenmahlzeit eingespart. Früher gab es das Bistro-Menü, aus dem man etwa Pecorino-Ravioli mit Salbeibutter für den kleinen Appetit zwischendurch bestellen konnte. Das Bistro-Menü mit warmen Mahlzeiten gibt es nicht mehr. 

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Solide Getränke

Der Jacquart-Champagner ist gut gekühlt. Sternekoch Andreas Caminada (48) und Barkeeperin Sarah Madritsch (30) haben den Signature-Cocktail «Swiss Alpine Essence» entwickelt, der Geschmackssache ist. Manche halten ihn für zu süss, bei den meisten Passagieren ist Champagner beliebter.

Was die Swiss deutlich besser macht als die Lufthansa: Sie bietet in der Business-Class echten Cappuccino an. Die Lufthansa hat nur Latte macchiato aus Instant-Pulver im Angebot. Dafür gibt es nur ein Wort: Vergogna (Schande)! Gut, dass die Swiss nicht jeden Quatsch der Lufthansa mitmacht.

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Internet: Ein ewiges Ärgernis

Internet über den Wolken bleibt die Achillesferse der Swiss. Während die Lufthansa seit Jahren auch auf der Kurzstrecke Internet anbietet, hat die Swiss bisher nur auf der Langstrecke WLAN. Doch ausgerechnet beim neuen A350 fällt das Internet aus. Im Laufe des Jahres will die Swiss auf Starlink umsteigen – wann das beim A350 der Fall ist, ist noch unklar.

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Steckdose kaputt

Die Swiss bietet ein kabelloses Lademodul, Steckdosen und USB-Anschlüsse an. Beim Hinflug sind auf dem Sitz 2A alle drei Optionen defekt. Fällt so etwas dem Bodenpersonal nicht auf? Positiv: Die hilfsbereite Crew findet einen anderen Ort, um das Handy zu laden. Beim Rückflug funktioniert die Steckdose problemlos.

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Mehr Licht, weniger Stauraum

Die Swiss hat ihr neues Kabinendesign mit Lichtexperten entwickelt. «Licht ist der stärkste Taktgeber unserer inneren Uhr und signalisiert uns, wann es Zeit ist, aufzuwachen oder zur Ruhe zu kommen», schreibt die Swiss auf ihrer Website. «Auf Langstreckenflügen, bei denen in wenigen Stunden ganze Zeitzonen überquert werden, kann das richtige Licht helfen, sich schneller umzustellen und Jetlag zu reduzieren.» Die Swiss setzt – je nach Tageszeit – auf kühles, blau angereichertes Licht oder auf wärmere Töne.

Das Raumgefühl und das Lichtkonzept haben ihren Preis: Die Swiss hat in der First Class keine Gepäckfächer mehr und in der Business-Class weniger. Dafür wirkt die Kabine geräumiger und ruhiger als bei anderen Flugzeugtypen. Also luftiger oben, aber nicht unbedingt praktischer unten.

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Schlafanzug und Socken: Hier spart die Swiss

Nicht alles, was früher selbstverständlich war, gibt es im neuen A350. Die Garderobe fehlt, also werden Sakko oder Mantel nicht mehr unaufgefordert aufgehängt – ein geschätztes Ritual fehlt.

Beim Schlaf-Shirt geizt die Swiss: Es wird nur bei langen Nachtflügen offeriert. Für den Passagier macht es aber keinen Unterschied, ob man sechs oder neun Stunden unterwegs ist – Nachtflug ist Nachtflug, ein Schlaf-Shirt wäre in jedem Fall wünschenswert.

Enttäuschend sind die Socken: Swiss schreibt sich Nachhaltigkeit auf die Fahnen – bietet aber in der Business-Class Socken an, die weder angenehm auf der Haut liegen noch wiederverwendbar sind. In der First Class ist es anders, hier gibt es Socken von Rohner. Swiss sollte auch in der Business-Class auf angenehme, wiederverwendbare Socken setzen.

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Extra-Gebühren oder gleich First Class?

Den besonderen Service lässt sich die Swiss etwas kosten – in der Business-Class hat die Sitzplatzreservierung dynamische Preise. Den «Extra Space Seat» gibt es ab 150 Franken, die «Business Suite» für 450 Franken oder mehr. Den «Privacy Seat» und den «Extra Long Bed Seat» kann man dagegen ohne Aufpreis wählen – ausser im Business-Light-Tarif.

Es lohnt sich, die App zu checken. Dort gibt es First-Class-Upgrades teilweise für 600 Franken. Statt 450 Franken für einen besonderen Sitz zu zahlen: besser 600 Franken für ein First-Class-Upgrade!

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Bordkino muss besser werden

Die Swiss setzt in der Business-Class je nach Sitz auf 17,3- oder 24-Zoll-Displays. Vor allem die 24-Zoll-Bildschirme in den «Business Suites» und «Extra Space»-Sitzen sind grosses Kino. Schade nur, dass das Filmangebot etwas arg übersichtlich ist. Mehr Neuerscheinungen und mehr Klassiker wären wünschenswert.

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Minuspunkt Lounge

Die Hoffnung, dass sich mit dem österreichischen Caterer DoN Group die Qualität der Lounge in Zürich verbessert, hat sich bislang nicht erfüllt. Das Essen in der Lounge schmeckt schlechter als in Schweizer Kantinen. Warum es die Swiss nicht schafft, wie ihre italienische Schwester Ita Airways eine einfache, aber feine Pasta anzubieten, bleibt rätselhaft. Hier gibt es dringenden Handlungsbedarf. Auf dem Rückflug ist die Lounge in Boston sehr voll – dafür sorgt die brasilianische Mitarbeiterin Maria für exzellente Stimmung.

Fazit: Flugbegleiter machen den Unterschied

Die Swiss löst mit dem A350 ihr Luxusversprechen ein: leise Kabine, überzeugendes Lichtkonzept, gute Sitze, viel Privatsphäre. Für das Flugerlebnis ist am Ende aber nicht entscheidend, ob man die Kissenstärke einstellen kann, sondern wie aufmerksam die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter sind. 

Auf dem Flug nach Boston und zurück hat sich die Swiss-Crew von ihrer Schoggi-Seite gezeigt: charmant, proaktiv, dem Gast zugewandt. Die Swiss sollte mehr in ihr Personal investieren, denn am Ende macht nicht die Hardware den Unterschied, sondern der Mensch. Wer so umsorgt wird wie die Passagiere nach Boston und zurück, bedauert, wenn der Kapitän die Landung ankündigt.

Dieser Beitrag entstand im Rahmen einer Pressereise. 

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