Darum gehts
- Die Gelmerbahn im Berner Haslital feierte ihr 100-jähriges Jubiläum
- Steilste offene Standseilbahn Europas: 106 Prozent Steigung, 450 Höhenmeter
- Retourbillet kostet 40 Fr., Fahrt dauert 12 Minuten
Zugegeben: Auch meine Reiseinspirationen finde ich oft auf Instagram. Ausgerechnet dort also, wo nicht selten mehr Schein als Sein herrscht. So wurde mir zwischen Wanderinspiration und strahlenden Bergseen die Gelmerbahn im Berner Haslital als «Achterbahn in den Bergen» angezeigt. Die Realität, so viel sei bereits verraten: Es sind Videos in doppelter Geschwindigkeit.
Trotzdem gehört die steilste offene Standseilbahn Europas für viele Touristinnen und Touristen offenbar zum Pflichtprogramm. Das kürzlich gefeierte 100-jährige Jubiläum unterstreicht ihren Erfolg. Doch lohnt sich die Fahrt auch ohne den versprochenen Achterbahn-Kick? Ich habe es ausprobiert und mich auf den Weg ins Haslital gemacht.
Erreichbarkeit: Die Autofahrt mit Schuldgefühlen
Wer von Winterthur nach Guttannen BE fährt, wird mit einer malerischen Kulisse belohnt. Am Morgen ziehe ich an saftigen Wiesen, grasenden Kühen und steilen Felswänden vorbei. Als Verfechterin des öffentlichen Verkehrs fällt mir der Entscheid fürs Auto trotzdem nicht leicht. Doch während die Anreise mit Zug und Bus rund dreieinhalb Stunden dauert, sind es mit dem Auto etwa zweieinhalb, ein wenig Zürcher Stau inklusive.
Spätestens in Innertkirchen BE weicht das schlechte Gewissen der Vorfreude. Das Tal öffnet sich und die schroffen Felswände ragen in den Himmel. Mit jedem Kilometer wächst die Lust auf die Bergwelt.
Bei der Bushaltestelle «Handeck, Gelmerbahn» biege ich in eine andere Welt ab. Über eine kleine Brücke gelange ich zu den Parkplätzen, von dort führt ein gut ausgeschilderter Weg in rund zehn Minuten zur Talstation.
Parkplätze hat es an diesem Tag genügend. Kein Stress, kein Gedränge.
Wohin lohnt sich der nächste Ausflug ins Grüne wirklich? Welche Wanderungen, Naturerlebnisse und Outdoor-Abenteuer begeistern und welche kann man sich sparen?
Gerade in der Schweiz ist das Angebot riesig. Doch Prospekte, Social Media und Hochglanzbilder zeigen oft nur die Schokoladenseite. Wie sieht ein Ausflug tatsächlich aus? Ist die Wanderung ihr Geld, ihre Zeit und die Anreise wert?
Ich teste Wanderungen, Naturerlebnisse und Outdoor-Abenteuer, damit ihr nicht die Katze im Sack kauft. Im Format «Taugts was, Niki?» zeige ich, was überzeugt – und was nicht. Ehrlich, direkt und mit allen wichtigen Infos für eure nächste Tour.
Wohin lohnt sich der nächste Ausflug ins Grüne wirklich? Welche Wanderungen, Naturerlebnisse und Outdoor-Abenteuer begeistern und welche kann man sich sparen?
Gerade in der Schweiz ist das Angebot riesig. Doch Prospekte, Social Media und Hochglanzbilder zeigen oft nur die Schokoladenseite. Wie sieht ein Ausflug tatsächlich aus? Ist die Wanderung ihr Geld, ihre Zeit und die Anreise wert?
Ich teste Wanderungen, Naturerlebnisse und Outdoor-Abenteuer, damit ihr nicht die Katze im Sack kauft. Im Format «Taugts was, Niki?» zeige ich, was überzeugt – und was nicht. Ehrlich, direkt und mit allen wichtigen Infos für eure nächste Tour.
Anders sieht es vor der Bergstation aus. Es warten bereits die ersten Touristengruppen. Ich bin etwas in Eile: Die Empfehlung, die Tickets im Voraus zu kaufen, habe ich zu spät beherzigt und online ist meine gewünschte Rückfahrt bereits ausgebucht. Eine weitere Lehre, mich nicht auf meine städtische Planung zu verlassen.
Am Holzhäuschen gibt es zu meiner Erleichterung noch Billette. Beim Kauf eines Retourtickets muss die Rückfahrt bereits festgelegt werden. Wer hin will: Bis August fährt die Bahn von 8.36 bis 16.48 Uhr. Im September und Oktober von 9 bis 16 Uhr. Ich wähle die Rückfahrt um 13.36 Uhr. Genug Zeit für eine Runde um den Gelmersee und um die 40 Franken für das Billett zu verdauen.
Erreichbarkeit: Note 5 von 10
Hats den Wow-Effekt?
Die Standseilbahn schleicht langsam die Schienen hinunter. Mit ihr die rund 24 Passagiere, die sie pro Fahrt transportieren kann. Das eigentliche Highlight haben sie jedoch bereits hinter sich: die maximale Steigung von 106 Prozent. Auf 900 Metern überwindet die Gelmerbahn 450 Höhenmeter. An einem gewissen Punkt werde ich stellenweise fast senkrecht den Berg hinauftransportiert.
Vor der Bahn herrscht geordnetes Gedränge. Alle wollen einen Platz in der ersten Reihe mit freier Sicht auf das Bergpanorama. Ich habe weniger Glück und lande ganz hinten. Die Holzsitze sind eng, der Einstieg über Treppen macht die Bahn für Rollstühle und Kinderwagen ungeeignet. Der Sicherheitsbügel erinnert tatsächlich an eine Achterbahn. Doch das eigentlich Besondere: Die Bahn ist offen. Keine Fenster, keine Absperrungen. Nur Luft zwischen mir und der Landschaft. Rückwärts setzt sie sich in Bewegung und der Berg gibt den Blick langsam frei.
Der Nervenkitzel lässt zunächst auf sich warten. Der Start ist gemütlich und ich darf den Ausblick geniessen. Etwa ab der Streckenmitte wird die Steigung spürbar. Langsam, aber beeindruckend steil. Plötzlich sitze ich fast aufrecht und geniesse trotz meines Platzes hinten einen spektakulären Blick über die Grimselwelt. Weil die Bahn offen ist, hat man das Gefühl, eins mit der Natur zu sein.
Die Gelmerbahn hat ihren eigenen Charme und ist ein Erlebnis. Das eigentliche Highlight wartet jedoch oben. Die ersten Schritte bei der Bergstation verraten: Mein Pullover war die richtige Entscheidung. Es weht ein frischer Wind, da ich mich auf rund 1850 Höhenmeter befinde.
Der türkisblaue Gelmersee leuchtet in einer Intensität, wie ich sie in der Natur nur selten erlebt habe. Nachdem ich es geschafft habe, meinen Blick zu lösen, ziehe ich weiter. Mein Weg führt mich über einen gut signalisierten Weg Richtung Bergpanorama.
Wer auf dem Felsplateau oben steht, geniesst wohl die beste Aussicht auf die Grimselwelt. Obwohl die Gelmerbahn die eigentliche Attraktion ist, ist für mich die Natur rundherum noch spektakulärer. Das Gefühl, den Gipfeln so nah zu sein, ist unbeschreiblich. Ein Moment, den ich so schnell nicht vergessen werde.
Wow-Effekt: Note 6.5 von 10
Verpflegung
Wer die Gelmerbahn besuchen möchte, sollte sich mit Proviant eindecken. Sowohl oben im Hochgebirge als auch bei der Gelmerbahn selbst gibt es nichts.
Ich rechne aber auch nicht damit, dass ich inmitten prächtiger Natur auf über 1800 Höhenmetern etwas zum Essen finde. Daher geniesse ich meinen Znüni und meinen Tee, den ich mir für unterwegs eingepackt habe. Eine solche Aussicht ist einfach unbeschreiblich schön.
Wer dennoch nicht auf einen Restaurantbesuch verzichten möchte: Das Hotel Post in Innertkirchen ist für mich der Inbegriff von Schweizer Küche, sehr empfehlen kann ich die Spätzli und den Wurstsalat.
Für diejenigen, die einen sportlicheren Tag als ich verbringen möchten, empfiehlt sich der Aufstieg zur Gelmerhütte. Dieser dauert 1 Stunde und 45 Minuten ab der Bergstation.
Verpflegung: Note 7 von 10
Preis-Leistung
Zugegeben: Die Preise der Schweizer Bergbahnen sind generell hoch. Für die Gelmerbahn bezahlt eine erwachsene Person 40 Franken für die Hin- und Rückfahrt. Das ist viel – vor allem, wenn man bedenkt, dass die eigentliche Fahrt nur rund 12 Minuten dauert und die Bahn für viele Besucherinnen und Besucher selbst die Hauptattraktion ist.
Wer den Ausflug jedoch voll ausschöpft, bekommt für diesen Preis deutlich mehr geboten. Rund um die Bergstation warten zahlreiche Wanderwege, darunter die Rundwanderung um den Gelmersee oder die sportlich anspruchsvolle Tour zur Gelmerhütte.
Letztlich hängt die Bewertung des Preis-Leistungs-Verhältnisses von der Erwartung ab: Für gemütliche Spaziergänger ist die Gelmerbahn vor allem ein spektakuläres Erlebnis für die Auffahrt. Für Wanderbegeisterte ist sie hingegen der Ausgangspunkt für ein ganzes Bergabenteuer.
Ich bewerte allerdings nur die Bahn selbst. Da ich nach der Fahrt lediglich den Gelmersee umrundet und die Umgebung erkundet habe, fällt mein persönliches Fazit anders aus als bei jemandem, der von der Bergstation aus eine längere Tour startet.
Preis-Leistung: Note 6 von 10
Taugts was?
Die Gelmerbahn ist ein Erlebnis inklusive kleinem Adrenalinkick. Wer nicht zwingend einen Fels hochklettern will oder in die Höhe wandern möchte, erhält einen guten ersten Kontakt mit der Bergwelt. Dennoch beeindruckt sie auch diejenigen, die öfters in den Bergen sind. Auch erfahrene Bergsteiger, die ich unterwegs antreffe, haben Respekt vor der Steigung der Gelmerbahn.
Die Gelmerbahn bleibt in Erinnerung, doch mein persönlicher Star ist der Gelmersee.