«Es wäre niemand gekommen, um uns runterzuholen»
2:03
Abbruch kurz vor dem Gipfel:«Es wäre niemand gekommen, um uns runterzuholen»

«Dann Nein zu sagen, ist sehr schwierig»
Sie waren fast am Ziel – warum zwei Bergsteigerinnen trotzdem umkehrten

Zwei Bergsteigerinnen kehren am Khan Tengri in Kirgistan auf 6000 Metern um – nur 1000 Höhenmeter vor dem Gipfel. Gentiana Zyba und Sandra Christen feiern den Entscheid als mutig und erzählen ihre Geschichte in einer Kurzdoku. Blick verlost zweimal zwei Tickets.
Kommentieren
1/13
Wie ist es, kurz vor dem Ziel, umzukehren? Gentiana Zyba (l.) und Sandra Christen (r.) sind Hobby-Bergsteigerinnen und haben diese Erfahrung gemacht.
Foto: Raphaël Dupain

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Zwei Schweizerinnen brechen Gipfelbesteigung des Khan Tengri in Kirgistan ab
  • Extremwetter zwang das Frauenteam auf 6000 Meter zur Umkehr
  • Blick verlost zweimal zwei Tickets für die Kurzdoku
RMS_Portrait_AUTOR_229.JPG
Nikolina PanticRedaktorin News

Wer einen Gipfel erklimmt, träumt vom Gipfelfoto, vom Erfolg, vielleicht sogar von einem Rekord. Kaum jemand spricht jedoch über jene, die kurz vor dem Ziel abbrechen müssen.

«Da muss man schon etwas verarbeiten, so kurz vor dem Ziel umzukehren», sagt Gentiana Zyba (36). Sie und ihre Bergsteigerkollegin Sandra Christen (36) mussten ihre Expedition am Khan Tengri in Kirgistan im letzten Lager abbrechen. Während viele darin eine Niederlage sehen, sprechen die beiden über den Mut zur Umkehr – und haben darüber einen Kurzfilm gedreht.

Mit ein wenig Glück kannst du 2×2 Tickets für die Kurzdoku-Vorstellung am 2. Oktober 2026 im Casineum Luzern gewinnen. Stimme einfach bei der Umfrage ab und teile mit, wie du gehandelt hättest. Mit der Teilnahme erklärst du dich mit den AGB und Datenschutzbestimmungen einverstanden.

Bitte melde dich für eine Teilnahme an.

Den nächsten Gipfel immer vor Augen

Blick trifft die beiden Frauen auf dem Stanserhorn NW, dem Hausberg von Christen. Die Nidwaldnerin zeigt auf einen Gipfel in der Alpenkette und sagt zu ihrer Kollegin: «Da möchte ich als Nächstes mit dir hin.» Kaum ist eine Expedition vorbei, richtet sich der Blick der beiden bereits auf die nächste.

Zwischen Giganten wie dem Mount Everest wählten die Abenteurerinnen bewusst den Khan Tengri. Selbst im Gespräch stolpert man kurz über den Namen. Zyba lacht: «Genau aus dem Grund, weil ihn fast niemand kennt.»

Der anspruchsvolle Khan Tengri

Der Khan Tengri zählt nicht nur zu den weniger bekannten Perlen. «Er ist anspruchsvoll, einer der nördlichsten 7000er und schwer zugänglich», ergänzt Zyba. «Es gibt keine Rettungsinfrastruktur.» Auch das Wetter ist laut Christen unberechenbar.

Für viele sind das Gründe, nicht hinzugehen. Für Zyba sind sie Teil dessen, was den Berg besonders macht.

Der Beginn der Reise

Christen denkt zurück ans Basislager: «Als Erstes fährt man von der Hauptstadt Bischkek zehn Stunden lang über Schottersteine zum Jurtencamp Karkara an der Grenze zu Kasachstan. Von dort aus geht es mit dem russischen Militärhelikopter ins Basislager auf 4000 Höhenmeter. Es ist eine lange Reise.»

Ganze drei Höhencamps müssen die beiden als Selbstversorgerinnen ohne Sherpas bestreiten. Der Weg ist laut Zyba anspruchsvoll: «Als zum ersten Mal ein Sturm in der Wand aufzog, konnten wir nicht mehr weiter. Wir schrien uns an, nur um zu wissen, dass die andere noch da war.»

Zwischen Camp 1 und Camp 2 steigen die beiden acht Stunden auf. Auch im Höhenlager kommt keine Ruhe auf. «Man ist andauernd am Wasser kochen», erzählt Christen. «Es gibt immer etwas zu tun: Ausrüstung packen, die Energiespeicher füllen, sich ausruhen und Kräfte für den nächsten Tag sparen.» Zur Regeneration geht es zurück ins Basislager, um den zweiten Aufstieg zu meistern. 

Der Aufsteig zum Khan Tengri führt auf über 7000 Meter.
Foto: Blick Visuals

Schwerbeladen an der Felswand

Während die beiden in Erinnerungen schwelgen, merkt Christen plötzlich, wie lebendig diese noch sind. Schmunzelnd sagt sie: «Bist du gut eingepackt? Es ist nämlich kalt dort oben.»

Die anstrengende Reise geht weiter: «Du bist mit einem 18 Kilo schweren Rucksack im Eis und Fels unterwegs. Da sind wir beide an die Grenze gekommen», erklärt Christen. In diesem Moment fange man an, Selbstgespräche zu führen und sich Mut zuzusprechen. «Wir wussten, wir müssen einfach weiter ins nächste Camp.» 

Der Härtetest auf 6000 Höhenmeter

Doch das Härteste wartet noch. Im dritten Höhenlager auf 6000 Metern verbringen die beiden schlaflose Nächte. «Das war einer der intensivsten Momente der ganzen Expedition», sagt Christen. Der Gipfel scheint zum Greifen nah, nur noch 1000 Höhenmeter trennen sie vom Ziel. Doch draussen peitschen Wind und Schnee vorbei. 

«Am Limit: Khan-Tengri-Expedition»

Zum Kurzfilm

Der Kurzfilm «Am Limit: Khan-Tengri-Expedition» gewährt einen eindrücklichen Einblick in die Expedition der beiden Bergsteigerinnen Sandra Christen und Gentiana Zyba. Am 2. Oktober 2026 sprechen sie im Anschluss an die Vorführung mit Moderatorin Gülsha Adilji in einem Live-Talk über ihre Erfahrungen, Herausforderungen und Erlebnisse.

Tickets sind auf Eventim erhältlich.

Zum Kurzfilm

Der Kurzfilm «Am Limit: Khan-Tengri-Expedition» gewährt einen eindrücklichen Einblick in die Expedition der beiden Bergsteigerinnen Sandra Christen und Gentiana Zyba. Am 2. Oktober 2026 sprechen sie im Anschluss an die Vorführung mit Moderatorin Gülsha Adilji in einem Live-Talk über ihre Erfahrungen, Herausforderungen und Erlebnisse.

Tickets sind auf Eventim erhältlich.

«Du musst dir vorstellen, es ist ein Uhr morgens, wir sind in Vollmontur eingepackt, haben Wasser eingekocht, Schnee geschmolzen und warten nur», sagt Zyba. «Die Wetterbedingungen waren zu schlecht und auch das Herunterkommen ist nicht einfach.»

Aufsteigen oder umkehren?

Das Wetterfenster öffnet sich nicht rechtzeitig. So kurz vor dem Ziel müssen sie sich zwischen Ehrgeiz und Vernunft entscheiden – und wählen Letztere. Sie kehren um.

Doch wie fällt man einen solchen Entscheid? «Man entscheidet gemeinsam im Team, dann musst du einfach funktionieren», sagt Christen. «Ich hatte zunächst ein wenig Mühe damit.» Zyba ergänzt: «Du bist dem Gipfel so nah. Du siehst die Route vor dir. Wir haben uns richtig fit gefühlt. Aber am Ende ist es das Wetter, das Nein sagt.»

«Dann Nein zu sagen, ist schon sehr schwierig»

Kurz vor dem Ziel aufgeben zu müssen, ist ein harter Schlag. «Man macht sich viel zu viele Gedanken. Das nervt schon», so Christen.

Auch an Zyba geht der Abbruch nicht spurlos vorbei: «Uns gegenseitig pushen, das können wir. Aber dann Nein zu sagen, ist schon sehr schwierig.»

Das sind Sandra Christen und Gentiana Zyba

Zu den Bergsteigerinnen

Sandra Christen (l.) wohnt in Nidwalden und ist mit den Bergen aufgewachsen. Sie arbeitet im Spital als Pflegefachfrau HF auf der Chirurgie.

Gentiana Zyba stammt ursprünglich aus dem Kosovo und ist kürzlich Mutter geworden. Heute ist sie in der Stadt Zürich zu Hause und arbeitet im Finanzbereich bei einer Schweizer Grossbank.

Durch gemeinsame Bekannte haben sich die beiden kennengelernt und teilen heute die gleiche Leidenschaft für Abenteuer und die Bergwelt.

Raphaël Dupain

Zu den Bergsteigerinnen

Sandra Christen (l.) wohnt in Nidwalden und ist mit den Bergen aufgewachsen. Sie arbeitet im Spital als Pflegefachfrau HF auf der Chirurgie.

Gentiana Zyba stammt ursprünglich aus dem Kosovo und ist kürzlich Mutter geworden. Heute ist sie in der Stadt Zürich zu Hause und arbeitet im Finanzbereich bei einer Schweizer Grossbank.

Durch gemeinsame Bekannte haben sich die beiden kennengelernt und teilen heute die gleiche Leidenschaft für Abenteuer und die Bergwelt.

Im Nachhinein sagt Zyba aber klar: «Ich bin stolz auf uns, dass wir diese Entscheidung getroffen haben.»

Der Wiedereinstieg in den Alltag

Glück, ein kleiner Hauch Frust und viel Stolz. Grosse Gefühle, die man zurück in den Alltag mitnimmt. «Es ist nicht ganz einfach. Man hat so etwas Extremes erlebt. Man muss sich wirklich wieder in diese Gesellschaft einleben», so Christen.

Mit einem Blick auf das Stanserhorn stellt sich die Frage: Geht nach Kirgistan noch mehr, noch Besseres? Klar, meint Zyba. «Wir sind auf dem Stanserhorn, Sandras Hausberg. Auch hier bin ich begeistert.» Wer jetzt Wanderlust bekommen hat, sollte laut den Expertinnen langsam starten, SAC-Mitglied werden, Kurse besuchen und so einen Schritt nach dem anderen machen.

«Alles andere wird sich zeigen»

Auch wenn die Gedanken der beiden noch für einen Moment in Kirgistan sind, wartet bereits das nächste Abenteuer. Zyba, die vor kurzem Mutter geworden ist und Christen, die schon die nächsten gemeinsamen Ausflüge plant, blicken bereits nach vorne.

Der nächste grosse Termin steht schon fest: «Die nächste grosse Expedition wird der 2. Oktober. Dann dürfen wir unsere Kurzdoku im Casineum Luzern zeigen», sagt Christen. «Diesen Sommer sind wir im Schweizer Alpenbereich unterwegs. Nebst Portaledge geht es auch aufs Weisshorn und ein, zwei 4000er», sagt Christen zufrieden.

Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.
Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen