Cooler Ferien-Trend
Alle reden über Coolcation – doch reisen wir wirklich wegen der Kälte?

Hitzewellen machen klassische Sommerferien am Mittelmeer unattraktiv. Stattdessen zieht es Reisende in die Berge – ein Trend, den die Branche «Coolcation» nennt. Doch reicht die kühle Luft, um das Reisen dauerhaft zu verändern?
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Sommer, Sonne und Strand – während der Ferien zieht es viele an warme Destinationen.
Foto: imago images/ZUMA Wire

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • «Coolcation»: Touristen bevorzugen kühle Reiseziele wegen extremer Sommerhitze
  • 28 Prozent Europäer planen Reisen in mildere Regionen bis 2027
  • Tourismusexperte ordnet ein
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Nikolina PanticRedaktorin News

Palmen, Sand zwischen den Zehen, das Rauschen des Meeres – so stellen sich viele ihre perfekten Sommerferien vor. Blöd nur, wenn sich der Spaziergang am Strand plötzlich eher anfühlt wie ein Saunagang.

Kein Wunder also, dass Reiselustige immer öfter den Liegestuhl am Mittelmeer gegen Wanderschuhe und Berge tauschen. Die Reisebranche nennt diesen Trend «Coolcation», eine Wortzusammensetzung aus «cool» und «vacation». Doch bestimmt die Hitze tatsächlich, ob die Ferien am Meer Geschichte sind? Ist dieser Trend bereits Realität?

Hitzemüde Reisegäste

Dass viele die Hitze leid sind, zeigt sich in der Reisebranche. Angesichts zunehmender Hitzewellen planen laut dem Quartalsbericht der Europäischen Reisekommission (2025) 28 Prozent der europäischen Reisenden, in den nächsten zwei Jahren an Destinationen mit milderem Klima zu reisen.

Auch das World Economic Forum (WEF) berichtet in einem Beitrag, dass Länder in Nordeuropa einen Anstieg der Touristenzahlen verzeichnen und somit von den kühleren Temperaturen profitieren.

«Wenn die Klimaveränderungen wie prognostiziert weitergehen, dann wird das eine Auswirkung auf das Reiseverhältnis haben», sagt Urs Wagenseil (63), Professor für Tourismuswirtschaft an der Hochschule Luzern. Denn: «Wer bei 35 Grad physisch leidet, wird weniger in noch heissere Gebiete wie beispielsweise nach Südspanien oder nach Indien reisen.»

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Coolcation war bereits 2003 angesagt

Der Trend ist jedoch keine neue Erfindung. 2003 war Wagenseil als Tourismusdirektor in der Lenzerheide tätig. Auch damals warb die Region mit den kühleren Temperaturen. «Manche Orte spielen mit diesen Botschaften.» 

Doch für den Tourismusexperten ist entscheidender, was den Gästen konkret geboten wird: «Das Angebot in den Bergen fokussiert primär auf Wandern und Biken respektive Outdoor-Aktivitäten. Auch da kommt man bei 28 Grad ins Schwitzen. Die Aussicht auf etwas kühlere Temperaturen ist deshalb eine sympathische und richtige Botschaft, für eine strategische Positionierung reicht das jedoch nicht aus.» 

«Alleine wegen kühlerer Temperaturen reist man nicht – man will beim Reisen und in den Ferien schliesslich etwas Spezielles erleben. Diese Wünsche und Bedürfnisse müssen auch erfüllt werden», sagt Wagenseil. 

Werden nun die Berge gestürmt?

Werden die Berge aufgrund ihrer kühleren Temperaturen überrannt? Wohl kaum. «Thailand-Reisende suchen vor allem Strand, Gastronomie und Kultur. Die Beweggründe für solche Ferien unterscheiden sich grundlegend von jenen für einen Aufenthalt in einem Bergort. Dafür braucht es andere Reisemotive», erklärt Wagenseil.

Dennoch: Wer kühle Orte sucht, muss nicht zwingend hoch hinaus. «Auch unterhalb von 1000 Metern gibt es kühle Regionen wie Naturparks, Waldregionen oder auch Seeanlagen und Flussläufe», erklärt Wagenseil. Blick stellt vier der coolsten Orte der Schweiz vor.

In Juf geht es hoch hinaus

In Juf herrscht neben Idylle auch eisige Kälte im Winter. Im Sommer ist es angenehm frisch.
Foto: Getty Images

Während die Schweizer Städte glühen, herrschen in Juf GR angenehme Temperaturen. Der Grund: Es handelt sich um die höchstgelegene ganzjährig bewohnte Siedlung Europas, denn das Bündner Dorf liegt auf rund 2100 Meter über Meer. Selbst während der Hitzewelle herrschen aktuell 20 Grad.

Nicht nur wegen der Hitzeflucht lohnt es sich, das charmante Dorf zu besuchen. Denn das 30-Seelen-Dorf ist der Ausgangspunkt von vielen wunderschönen Wanderungen. Ob man zu den Flüeseen geht, die beliebte Wanderung nach Bivio wählt oder die zweitägige Wanderung Juf–Septimerpass–Julierpass macht: Juf hat trotz seiner Grösse Grosses zu bieten. 

Hier liegt das Sibirien der Schweiz

Auch beim kältesten Ort der Schweiz ist es im Sommer warm – ab August kühlt es jedoch wieder ab und der Lac des Taillères eignet sich ideal für eine Erfrischung.
Foto: Getty Images/Imagebroker RF

Wer hätte gedacht, dass sich nur rund eine Stunde von La Chaux-de-Fonds NE entfernt der kälteste Ort der Schweiz befindet? La Brévine NE hält den nationalen Kälterekord: Hier wurden bereits eisige –41,8 Grad gemessen. Kalt ist es hier im Sommer jedoch nicht, aber der Lac des Taillères bietet die optimale Badetemperatur bei 18 bis 24 Grad.

Wer auf der Suche nach der frostigen Kälte von La Brévines ist, sollte im August vorbeischauen. Ab dann nimmt die Sommerhitze deutlich ab, wie die «Schweiz Revue» berichtet. Doch nicht nur wegen des erfrischenden Sees lohnt sich ein Besuch.

Der Mönchspfad von La Brévine nach Môtiers zeigt auf einer 15 Kilometer langen Wanderung die charakteristischen Landschaften des Juras.

Der kalte See

Der Sägistalsee im Berner Oberland ist kristallblau – und frostig frisch.
Foto: imago/imagebroker

Beim Sägistalsee im Berner Oberland wurden ebenfalls rekordverdächtige Temperaturen gemessen. Auch hier herrschten Temperaturen von –40,3 Grad, wie Meteo Schweiz schreibt. Beim Sägistalsee handelt es sich um einen Kaltluftsee. Besonders im Winter herrschen hier extrem kalte Temperaturen.

Obwohl keine Messstation vorhanden ist, kann man bei den aktuellen Temperaturen von 17 bis 18 Grad davon ausgehen, dass das Wasser eisig kalt ist. Der See gilt laut der Jungfrauregion als «der Geheimnisvolle».

Grund dafür ist, dass er sich auf der ikonischen Wanderung Schynige Platte–Faulhorn–First befindet, obwohl die wenigsten einen Abstecher dorthin machen. Kleiner Tipp: Wer rechtzeitig ein Fischerpatent beantragt, kann die Idylle nutzen, um Forellen zu fischen.

Die kalte, unterirdische Oase im Muotatal

Mit sechs Grad ist das tiefste und längste Höhlensystem der Schweiz ein idealer Ort zum Abkühlen.
Foto: GEORG TAFFET

Während draussen die Sonne brennt, herrschen in der Hölloch-Höhle im Muotatal SZ erfrischende sechs Grad. Das Hölloch-System zählt mit seinen rund 200 Kilometern zu den längsten und tiefsten seiner Art.

Bei der Erkundung der Höhle kann man nicht nur der Hitze entfliehen, sondern auch viel über ihre beeindruckende Geschichte erfahren und abwechslungsreiche Kletter- und Kriechpassagen meistern. Keine Sorge: Die gesamten 200 Kilometer müssen nicht zu Fuss zurückgelegt werden – die kürzesten Touren sind lediglich 700 Meter lang.

Kleiner Tipp: Wer die Höhlen bestaunen möchte, sollte sich im Vorfeld auf der Seite anmelden.

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