Schweissperlen statt Kerosin
Andere SAC-Hütten fliegen ein – hier tragen Hüttenbesucher das Holz selbst hoch

Bier, Salat, warme Dusche: Die Ansprüche an Berghütten steigen. Im Wallis tragen Freiwillige deshalb Holz zur Bietschhornhütte – damit weniger Helikopter fliegen müssen.
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Während die Ansprüche an SAC-Hütten steigen, helfen beim Akademischen Alpenclub Bern (AACB) Wandernde freiwillig mit.
Foto: zVg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Projekt «TragBar»: Freiwillige tragen Holz zu SAC-Hütten
  • Bis zu 20 Kilo Holz pro Person, jährlich etwa 2700 Kilogramm
  • Vier Helikopterflüge und 650 kg CO₂-Emissionen werden eingespart
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Nikolina PanticRedaktorin News

Ein kaltes Bier nach der Wanderung? Oder doch lieber einen frischen Salat? Was früher Luxus auf einer Berghütte war, gilt für viele Gäste heute als selbstverständlich. Die Erwartungen der SAC-Besucherinnen und -Besucher steigen – sehr zum Ärger vieler Hüttenwartinnen und Hüttenwarte. Einige ziehen die Reissleine und geben ihren Posten auf.

Auf der Bietschhornhütte im Wallis hingegen läuft es anders. Dank des Projekts «TragBar» des Akademischen Alpenclubs Bern (AACB) tragen Wandernde einen Teil der Last freiwillig selbst zur Hütte hinauf. Statt bequemer Helikopterflüge, die für die Belieferung der Hütten zuständig sind, steht hier Fleissarbeit auf dem Programm.

Das Problem mit der Helikopter-Belieferung

Genau die Belieferung war Vereinspräsident Roman di Francesco und Mitinitiantin Anne Baumgartner (37) ein Dorn im Auge. «Uns stört die zunehmende Menge an Helikopterflügen. Sie stehen im Widerspruch zur Ruhe und Natur, die man auf Wanderungen eigentlich sucht», erklärt Baumgartner. Denn tatsächlich werden die meisten SAC-Hütten mit Helikopterflügen beliefert.

Die 37-Jährige betont, dass der Verein Helikopterflügen nicht grundsätzlich ablehnend gegenübersteht. Sie haben jedoch erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt, etwa durch Lärm und CO₂-Emissionen, heisst es im TragBar-Konzept. Das Projekt soll nicht die Umwelt retten, sondern Hüttengäste für eine umweltschonende Hüttenbewirtschaftung sensibilisieren.

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Freiwillige tragen bis zu 20 Kilo Holz

Das Konzept von TragBar ist simpel: An einem Tag organisiert der Verein einen sogenannten TragTag. Dieses Jahr findet er am 4. Juli statt. Bis zum 1. Juli 2026 können sich Freiwillige anmelden. Gemäss Baumgartner sind es zwischen 20 und 60 Personen, die an einem TragTag anpacken. 

Der beschilderte Weg zum Holzdepot ermöglicht den Freiwilligen die Anreise ab der Bushaltestelle. Baumgartner erklärt, dass zuerst der Rucksack gewogen wird, bevor er mit Holz gefüllt wird. «Manche laden bis zu 20 Kilo mit. Im Schnitt tragen die meisten aber zehn.»

Hütte muss fast kein Holz mehr transportieren

Seit fünf Jahren finden die TragTage statt. Besonders der Holztransport steht im Fokus. «Anfangs hatten wir noch gefrorenes Fleisch getragen, was sich aber als schwierig erwies, wegen der Kühlkette. Beim Getränketragen löscht es den einen oder anderen ab. Holz bewährt sich am besten.» 

Die Aargauerin erklärt, dass Personen auch ausserhalb von TragTagen Holz vom Holzdepot in die Hütte tragen. Der Aufwand bewährt sich: «Die Engelhornhütte musste kein Holz mehr einfliegen.»

Der Erfolg in Zahlen

Dass sich ein kleiner Effort lohnt, zeigt sich in den Zahlen. «Seit wir alle Hütten mit Holzdepots ausgerüstet haben, werden im Schnitt pro Saison etwa sechs Ster Holz hochgetragen.» In Baumgartners Rechnung entspricht das rund 2700 Kilogramm, die von Hüttenbesuchenden in die vier an TragBar angeschlossenen Hütten transportiert werden.

«Dies entspricht etwa vier Helikopterflügen, was umgerechnet ungefähr 650 kg CO₂-Emissionen pro Jahr ergibt. Das ist nicht die Welt, aber immerhin ein kleiner Beitrag», führt sie aus.

Jedes Scheit zählt

Nicht alle sind begeistert vom Projekt. «Manche sagen, dass der TragTag nichts bringt, weil es die Umwelt belastet, extra an einen TragTag zu kommen, nur um ein paar Scheite zu transportieren», sagt Baumgartner. Doch das Credo lautet: Jede Bemühung zählt. «Manchmal kommen Kinder, die nehmen dann ein Scheit mit.» 

«Es verändert die Welt zwar nicht, aber ich würde sagen, dass jede Person, die während der Saison ihren Beitrag leistet, zum Erfolg beiträgt.» Das Projekt schweisst zusammen: «Im Wallis hatte es viele Expats, die sich gefreut hatten, mit Einheimischen in Kontakt zu treten.»

Auch bei den Hüttenwartinnen und Hüttenwarten kommt das Projekt gut an. Anfangs seien sie zurückhaltend gegenüber der Idee gewesen. Zu gross sei die Angst vor Mehraufwand gewesen. «Inzwischen sind sie sehr überzeugt, weil sie gesehen haben, dass die Helikopterflüge weniger werden.»

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