Darum gehts
- Drei Wanderer in Kalifornien verirrten sich nach falscher KI-Beratung
- Googles KI Gemini empfahl zu wenig Proviant und fehlerhafte Routenplanung
- Rettungsaktion am Mount Shasta dauerte mehrere Tage, Gruppe unverletzt gefunden
Acht Stunden sollte ihr Bergabenteuer dauern – doch die Tour auf den Mount Shasta in Kalifornien wurde für drei junge Wanderer zum mehrtägigen Albtraum.
Der Grund: Sie planten ihre Wanderung mithilfe von Googles KI-Chatbot Gemini. Die künstliche Intelligenz lieferte ihnen Route und Tipps für Proviant und Wasser. Doch für die unerfahrenen Berggänger ging die Rechnung nicht auf: Sie erreichten den Gipfel erst um 19 Uhr, verirrten sich beim Abstieg in der Dunkelheit und lösten eine mehrtägige Rettungsaktion aus, wie das Sheriffbüro von Siskiyou County berichtet.
Wenn aus einem achtstündigen Aufstieg dreizehn werden
Die drei Wanderer wollten an einem Samstag Ende August ihr Camp auf 2560 Metern Höhe aufschlagen und am folgenden Tag um 3 Uhr morgens aufbrechen. Für den Aufstieg rechneten sie mit acht Stunden. Den Gipfel erreichten sie jedoch erst um 19 Uhr – deutlich nach der empfohlenen Umkehrzeit von 12 Uhr. Der Abstieg erfolgte deshalb in der Dunkelheit.
Kurz nach Beginn des Abstiegs riefen sie sogar das Sheriffbüro an, um sich nach dem richtigen Weg zu erkundigen. Dennoch kamen sie von der Route ab. Rund eine Stunde später verirrten sie sich beim Mud Creek Canyon, wo ein Mitglied der Gruppe stürzte und sich verletzte.
Zu wenig Proviant wegen KI-Bot
Da sie nicht vom Fleck kamen, musste die Gruppe ein Notfallbiwak aufstellen, bevor sie am nächsten Morgen von Bergrettern gefunden wurde.
Die Männer erklärten dem lokalen Sheriff-Deputy, dass sie sich bei der Routenplanung und der Packliste auf Googles KI Gemini verlassen hätten – was sich als Fehler erwies. Der KI-Bot riet ihnen, deutlich weniger Essen und Wasser mitzunehmen, als ihre Gruppe tatsächlich benötigte.
Nicht der einzige Fall
Obwohl die Gruppe heil angekommen ist, sind sie nicht die Einzigen, die wegen einer KI auf falsche Fährten gelockt wurden. Auch in den italienischen Alpen lieferte ein KI-Modell einer Wandergruppe einen fehlerhaften Routenvorschlag, wie nau.ch im August berichtete.
Ihr Ziel, vom Dorf Tirol über Marell bis zum Gardasee, führte die Wandergruppe über ein gefährliches Gletschergelände, das spezielle Ausrüstung und alpine Erfahrung benötigte. Ein aufmerksamer Vermieter der Gruppenunterkunft stoppte die Abenteuerlustigen noch rechtzeitig.
Auch Fälle in der Schweiz bekannt?
Wie sieht es in der Schweiz aus? Schliesslich gehört Wandern hier zum Nationalsport. Auf Anfrage beim Schweizer Alpen-Club (SAC) heisst es: «In der Bergnotfallstatistik des SAC wird nicht erfasst, welche Hilfsmittel bei der Planung einer Tour verwendet wurden.» Entsprechend könne der SAC keine Aussage dazu machen, ob und wie häufig KI-Tools bei Notfällen eine Rolle gespielt haben, erklärt Severin Karrer, Bergführer und Teamleiter Bergsteigen.
Laut Karrer sollte KI als Inspiration verwendet werden. Aber: «Nicht vertrauen sollte man ihr überall dort, wo es um sicherheitsrelevante Angaben geht: Verlauf einer Route im Gelände, Schwierigkeitsbewertung, aktuelle Verhältnisse, Zustand eines Übergangs, Lawinensituation, Öffnungszeiten und Belegung einer Hütte.»
Wenn man der KI zu viel Vertrauen schenkt
Die KI kann dem Menschen die Vorbereitung beim Wandern nicht abnehmen. «Sobald man sich in den Bergen bewegt, setzt dies ein hohes Mass an Eigenverantwortung voraus. Diese kann auch nicht durch KI ersetzt werden», erklärt der Bergführer.
Und weiter: «Zur Planung gehören zudem eine realistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten und jener der Gruppe, das Identifizieren von Schlüsselstellen, das Planen von Varianten und Entscheidungspunkten sowie ein Zeitplan.» Ist man erst einmal in den Bergen unterwegs, sollte man laut Karrer laufend überprüfen, ob die eigenen Annahmen, etwa zu Zeit oder Wetter, mit den angetroffenen Verhältnissen und dem Verlauf der Tour übereinstimmen.