Darum gehts
- Tim Effenberger besuchte 2025 alle 151 SAC-Hütten der Schweiz
- Er bewältigte sein Projekt in zwei Monaten
- Nächster Rekord bereits geplant
Die Schweiz kennt sich aus mit Bergen. 49 Prozent der Bevölkerung wandern – keine andere Sportart ist hierzulande beliebter. Auch die SAC-Hütten ziehen immer mehr Gäste an: 2025 verzeichnete der Schweizer Alpen-Club 12,7 Prozent mehr Übernachtungen als im Vorjahr.
In Sachen Berge macht uns niemand etwas vor. Doch dann kam Tim Effenberger (37). Der Deutsche klapperte mit seinem «Project 152» in zwei Monaten alle 151 SAC-Hütten der Schweiz ab – jede einzelne. Stand 2025 konnten gemäss dem SAC «nur» 151 Hütten besucht werden.
Wie schafft man das? «Aufgeben war nie eine Option», sagt der Physiotherapeut im Gespräch mit Blick.
Die Dokumentation, die alles auslöste
Angefangen hat alles vor sechs Jahren. Effenberger sass vor dem Fernseher und schaute sich eine Dokumentation an. Eine aussergewöhnliche Gletscherhütte erweckte seine Aufmerksamkeit. «Ich kannte SAC-Hütten nur vom Namen her», erklärt er. «Ich habe mich dann gefragt, ob jemand alle Hütten hintereinander am Stück besucht hat und habe nichts gefunden.»
Tim Effenberger ist Physiotherapeut und Personal Trainer. Der 37-Jährige wurde in Deutschland geboren und lebt in Zürich. Der Extremsportler hat innert zwei Monaten als erste Person in der Schweiz alle SAC-Hütten am Stück besucht. Dabei hat ihn sein Vater begleitet.
Tim Effenberger ist Physiotherapeut und Personal Trainer. Der 37-Jährige wurde in Deutschland geboren und lebt in Zürich. Der Extremsportler hat innert zwei Monaten als erste Person in der Schweiz alle SAC-Hütten am Stück besucht. Dabei hat ihn sein Vater begleitet.
Nach einem aus Gesundheitsgründen abgebrochenen 700-Kilometerlauf konnte er sich nicht nochmals motivieren, auf einen Wettkampf hinzutrainieren. Effenberger mag es, ein Ziel vor Augen zu haben: «Dann ist mir die Idee wieder in den Kopf gekommen mit den Hütten und ich habe mir in 48 Stunden einen Plan gemacht. Schlussendlich war ich bei 150'000 Höhenmeter und 1800 Kilometer angekommen.»
«Ich bin ‹all-in› gegangen»
Im Gespräch mit Effenberger merkt man schnell, wie ehrgeizig er ist – und wie viel ihm sein Vater bedeutet. Als sein Plan Gestalt annimmt, bittet er ihn um Unterstützung. «Ich rechnete damit, dass er mich zwei Wochen begleiten wird», erklärt er. Geblieben ist sein Vater aber knapp zwei Monate – mit einer kleinen Unterbrechung für zwei Wochen. «Ich habe darauf einen Trainingsplan erstellt und am nächsten Tag angefangen zu trainieren.»
Es folgen intensive Trainingseinheiten. «Ich hab alles Mögliche versucht, damit ich mir sagen kann: Wenn ich es nicht schaffe, dann liegt es nicht an einer schlechten Vorbereitung. Ich bin ‹all-in› gegangen.»
Der ungewisse Start
Anfangs war der Extremsportler nervös: «Ich habe keine Ahnung, worauf ich mich eingelassen habe. Ich habe noch nie so viele Tage am Stück eine solche Distanz hinterlegt.» Effenberger dokumentiert seine Reise fleissig und organisiert sich grösstenteils ganz alleine. Nur punktuell sind Kameramann und Freunde dabei. Aus dem gesammelten Material soll nun ein eigener Dokumentarfilm entstehen. Auf jeder Hütte holt er sich sowohl einen Stempel als auch ein Foto für ein eigens zusammengestelltes Buch.
Die Reaktionen auf sein Vorhaben sind positiv: «Eigentlich waren alle recht begeistert. Viele haben nicht realisiert, was ich gemacht habe.» Die Dimension sei für manche Leute nicht greifbar gewesen.
Diese Hütten gehören zu seinen Favoriten
Wer alle Hütten der Schweiz besucht hat, muss einen Favoriten haben. Für Effenberger sind dies die Cabane Bertol und die Monte-Rosa-Hütte. Aber: «Oftmals war der Weg auf die Hütte auch viel spektakulärer.» So seien besonders die hochalpinen Touren seine Favoriten gewesen.
«Eigentlich hatte jeder Tag etwas Besonderes. Ich habe jeden Tag maximal genossen», führt er aus.
Ein etwas ernüchterndes Ende
Grosses Projekt, grosses Ende? Fehlanzeige. Der Plan war, die letzte Hütte gemeinsam mit seinem Vater zu besuchen. Aufgrund des schlechten Wetters musste er diese aber vorziehen, weshalb eine hochalpine Hütte die letzte wurde – wo sein Vater nicht mitkonnte.
Das Finale feierte Effenberger alleine. Sein Kameramann musste nämlich auch abreisen am letzten Tag. Effenberger: «Ich stand nach zwei Monaten plötzlich alleine da. Also trank ich ein Bier, ass ein Steak, fuhr mit dem Zug nach Zürich und flog am nächsten Tag zum Arbeiten nach London.»
Nächster Schritt der Weltrekordbruch?
Rückblickend ist Effenberger überrascht, wie perfekt alles aufgegangen ist: «Was als Tour mit dem Ziel begann, alle Hütten zu machen, entwickelte sich zu einem Vater-Sohn-Trip.»
Geht nach einem solchen Projekt überhaupt noch mehr? «Wenn man so ein grosses Projekt macht, ist es schwierig, zu sagen: Okay, jetzt kommt noch mehr.» Dennoch brütet er bereits über Ideen für die Zukunft: «Es geht darum, einen Weltrekord zu brechen. Das hat zwar nichts mit Hütten zu tun, aber mit Bergen. Das wird heftig, aber es wird cool.»
Es klingt ganz danach, als ginge bei Effenberger noch mehr.