Hier rennt der Terrorist von Winterthur über den Bahnhofplatz
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Zwischen Schulkindern:Hier rennt der Terrorist von Winterthur über den Bahnhofplatz

Experte nennt Terror-Attacke in Winterthur «Grauzonen-Phänomen»
«Politische Ideen vermischen sich mit persönlichen Frustrationen»

Nach der Terror-Attacke in Winterthur steht die Schweiz unter Schock. Der Extremismus-Experte Peter Neumann sieht in dem Attentat einen neuen Trend in Europa. Das sogenannte «Grauzonen-Phänomen» gehe über reine Ideologie hinaus und mache Terror-Akte besonders komplex.
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Am Donnerstagmorgen stach Nesip Dedeler am Bahnhof Winterthur mit einem Messer wahllos auf mehrere Menschen ein. Drei Schweizer wurden verletzt, einer schwer.
Foto: Leserreporter

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Messerattacke in Winterthur: Nesip Dedeler verletzt am Donnerstag drei Menschen schwer
  • Experte Neumann sieht Tat als «Grauzonen-Phänomen» zwischen Ideologie und Psychologie
  • Dedeler ist Schweiz-türkischer Doppelbürger, früher IS-Sympathisant, kürzlich psychischer Zusammenbruch
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Sandra MarschnerRedaktorin News-Desk

Mitten im Pendlerverkehr rennt Nesip Dedeler (31) am Donnerstagmorgen mit einem gezückten Messer durch den Bahnhof Winterthur. Wahllos sticht er auf mehrere Menschen ein. Drei Schweizer werden verletzt, einer davon schwer. Videoaufnahmen zeigen, wie Dedeler über den Bahnhofsplatz rennt und «Allahu akbar» schreit, während die Menschen um ihn herum in alle Richtungen flüchten. Der Zürcher Regierungsrat Mario Fehr (67, parteilos) bezeichnete die Messerattacke im Rahmen einer Pressekonferenz am Donnerstagnachmittag wiederholt als «Terrorakt». 

Der renommierte Extremismus-Experte Peter Neumann (51) vom King's College in London sieht das Attentat hingegen nicht als klassische Form von Terrorismus. Auf der Plattform X bezeichnet er die Messerattacke als sogenanntes «Grauzonen-Phänomen». Den Begriff hat er in einem wissenschaftlichen Artikel im März als neuen Trend von terroristischen Attentaten in Europa eingeführt. Laut Neumann stünden bei Attentaten zunehmend neben politischen Ideen auch persönliche Faktoren im Vordergrund. 

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Kein klassischer Terrorismus

«Immer mehr Attentate lassen sich nicht mehr klassisch als Terrorismus definieren, weil sich in ihnen politische Ideen mit persönlichen Frustrationen und psychischen Vulnerabilitäten vermischen», schrieb der Extremismus-Experte hierzu. Daraus leitet Neumann ein bestimmtes Täterprofil ab: «Täter sind meist Leute, die alleine handeln und stark durch Online-Medien beeinflusst werden.»

In Bezug auf die Terror-Attacke in Winterthur sieht Neumann ein Zusammengreifen mehrerer Faktoren: «Ein Schweiz-türkischer Doppelbürger, vor zehn Jahren IS-Unterstützer, aktiv im Umfeld einer radikalen Moschee – danach unauffällig. Vor wenigen Tagen psychischer Zusammenbruch, Einweisung in Psychiatrie, Flucht, erneutes Aufgreifen und kurz darauf Entlassung. Heute das Attentat.»

«Mein Sohn ist kein Terrorist, sondern psychisch krank»

Nachbarn von Nesip Dedeler beschrieben den 31-Jährigen gegenüber Blick als zurückgezogen. «Immer, wenn ich ihn gesehen habe, sass er auf dem Balkon am Computer, trank Red Bull und rauchte – habe ich so das Gefühl», erzählte ein Nachbar. In all den Jahren der Nachbarschaft habe er nur wenige Worte mit Dedeler gewechselt. Ein Bekannter aus der Schule hat mehr Einblick. Manuel T.* (28) sagte zu Blick: «Er war ruhig, zurückgezogen und hat nicht viel geredet. Seine Brüder und er sind von der An'Nur-Moschee radikalisiert worden.»

Auch Dedelers Vater sprach mit Blick über seinen Sohn. «Mein Sohn ist kein Terrorist, sondern psychisch krank und braucht Hilfe!», sagte Ayhan Dedeler (55) am Donnerstagabend im Gespräch. Zum Hintergrund der Attacke kann er nichts sagen: «Ich weiss auch nicht, warum oder wie es passiert ist.»

«Nesip hat keine sozialen Kontakte – das kann nicht gut kommen»

Auch er beschrieb seinen Sohn als «sehr zurückgezogen». «Nesip hat keine sozialen Kontakte, keine Freundin – das kann nicht gut kommen. Das ist nicht gut für die Psyche», so der Vater. Zudem zeigte er sich enttäuscht über den Lebensstil seines Sohns. «Er hat keine Ausbildung, keinen Job und auch kein Geld.» Die Familie komme für den jungen Mann auf, kaufe ihm etwa Kleidung und begleite ihn zu Terminen – so etwa mit Ärzten. 

«Seit zehn Jahren macht er nichts und raucht drei, vier Packungen Zigaretten pro Tag. Dabei könnte er in der Schweiz so vieles erreichen. Er ist eigentlich auch ein intelligenter Mann!», meinte der Vater weiter. Doch sein Sohn habe Bitten, etwas aus sich zu machen, immer wieder ignoriert. 

Neumann fordert aufgrund des neuen Phänomens zwischen politischer Ideologie, persönlichen Lebensumständen und psychischer Verfassung nun angepasste Massnahmen bei Strafverfolgung und Prävention. «Denn Winterthur wird ganz sicher nicht der letzte Anschlag dieser Art gewesen sein», so die Prognose des Experten. 

* Name geändert

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