Darum gehts
- Am Bahnhof Winterthur rief ein 31-Jähriger «Allahu Akbar» während Tat
- Der mutmassliche Täter war in der Islamisten-Szene von Winterthur aktiv
- Sein Name tauchte bei Ermittlungen zur An'Nur-Moschee-Jugendgruppe auf
Bei der Tragödie am Bahnhof Winterthur ist das Motiv des mutmasslichen Täters nun klar. Der Schweizer (31) schrie während der Tat immer wieder «Allahu Akbar» («Gott ist grösser»). Nun zeigen auch SRF-Recherchen, dass der Mann wohl in der Islamisten-Szene der Stadt aktiv war. Dies wird von der Kantonspolizei Zürich bestätigt.
So ist sein Name etwa bei Ermittlungen zur sogenannten Jugendgruppe der später geschlossenen An'Nur-Moschee aufgetaucht sein. In der berüchtigten Moschee wurde unter anderem von einem Imam zu Gewalt an «schlechten Muslimen» aufgerufen.
Teil von An'Nur-Jugendgruppe
Der mutmassliche Täter gehörte zu einer Gruppe, von denen später mehrere Jugendliche angeklagt und teilweise verurteilt wurden. Ausserdem wurden ihm Videos und Lieder mit radikalen Inhalten aus der Szene zugeschickt. Auch der Verdächtige selbst sei den Behörden immer wieder aufgefallen, da er islamistische Propaganda verbreitet und andere vom Dschihad überzeugen wollte.
2015 wurde er angezeigt. «Wegen Verstoss gegen das IS-Verbot. Er verbreitete IS-Propaganda», erklärt Marius Weyermann von der Kantonspolizei.
Behandlung in Klinik
Der mutmassliche Täter galt laut ausserdem als «psychisch gestört». Am 25. Mai wurde er in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Noch am Mittwoch hatte ein Arzt eingeschätzt, dass von dem Mann keine Gefahr ausgehe. Darum stand es ihm frei, die Psychiatrie zu verlassen.
Die Familie des Verdächtigen stammte aus der Türkei. Auch der 31-Jährige selbst soll für einige Zeit dort gelebt haben. Die Kantonspolizei Zürich bestätigt, dass es sich um einen schweiz-türkischen Doppelbürger handelt. Auch die zwei Brüder des Mannes seien in Ermittlungen immer wieder als radikalisiert aufgefallen.
Blick spricht mit Nachbarn
Einer seiner Nachbarn bezeichnet ihn als eher zurückgezogen. Auf die Frage von Blick, ob er Kontakt mit dem Mann hatte sagt dieser: «Nicht wirklich. Vielleicht drei Worte im Treppenhaus in all den Jahren». Seine Mutter hingegen, mit der der 31-Jährige zusammenlebte, sei «ein herzensguter Mensch», sagt der Nachbar. Mit ihr habe er mehr Kontakt gehabt. «Sie hat auch unsere Katze gehütet».
Es gebe auch nichts, was im wirklich im Kopf geblieben ist von ihm. «Immer wenn ich ihn gesehen habe, sass er auf dem Balkon am Computer, trank Red Bull und rauchte – habe ich so das Gefühl», sagt er. Wirklich gewusst, wie tief der Mann, mit dem er Tür an Tür wohnte, mit dem Islamismus verbunden war, wusste er nicht.
«Ich habe von früheren Kollegen mal gehört, dass er doch mit so einer Islam-Zelle in Verbindung gewesen sein soll, mehr weiss ich auch nicht», so der Nachbar. Mehr dazu wisse er auch nicht. Zugetraut hätte er ihm die Tat aber nicht, sagt er abschliessend zu Blick.
Der Zürcher Sicherheitsdirektor Mario Fehr sprach bei einer Pressekonferenz am Donnerstagnachmittag ganz konkret von einem «Terrorakt» am Bahnhof Winterthur.