Jetzt spricht der Vater des Winterthurer Messer-Terroristen
«Mein Sohn ist krank, aber kein Terrorist»

Nesip Dedeler (31) hat am Donnerstag am Bahnhof Winterthur drei Männer mit einem Messer verletzt. Sein Vater weist Vorwürfe von Terrorismus zurück und macht psychische Probleme für die Tat verantwortlich.
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Nesip Dedeler (31) ist am Donnerstag mit einem Messer auf Menschen losgegangen.
Foto: Leserreporter

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Messerangriff am Bahnhof Winterthur: Nesip Dedeler (31) verletzt drei Männer
  • Vater nennt ihn psychisch krank, nicht Terrorist, trotz Verbindung zu Moschee
  • Seit zehn Tagen abgerutscht, lebte zurückgezogen, rauchte vier Packungen täglich
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Qendresa LlugiqiReporterin News

Er rief «Allahu akbar» bei seiner Terror-Attacke: Nesip Dedeler (31) hat am Donnerstag zur Stosszeit mehrere Menschen am Bahnhof Winterthur mit einem Messer angegriffen. Drei Männer wurden dabei verletzt. Während des brutalen Angriffs brach gar sein Messer ab.

Nur wenige Stunden später fand eine Medienkonferenz statt. Regierungsrat Mario Fehr nannte die Tat wiederholt einen «Terrorakt». Auch die frühere Beziehung zur berüchtigten An'Nur-Moschee wurde thematisiert. Dedeler gehörte zu einer Gruppe, aus der später mehrere Jugendliche angeklagt und teilweise verurteilt wurden. 

Dass sein Sohn als Terrorist bezeichnet wird, passt Vater Ayhan Dedeler (55) aus Winterthur nicht. Am Donnerstagabend sagt er zu Blick: «Mein Sohn ist kein Terrorist, sondern psychisch krank und braucht Hilfe!»

Familie wird befragt

Aktuell befindet sich der Vater in der Türkei, Kontakt zur Familie hatte er am Donnerstag nur kurz. Er weiss etwa: «Meine Ex-Frau und unsere beiden Söhne werden ebenfalls zu Nesip befragt.» Von der Tat hat er durch die Medien sowie Bekannte und Freunde der Familie erfahren. «Ich weiss auch nicht, warum oder wie es passiert ist.»

Ayhan Dedeler bestätigt, dass sein Sohn früher die An'Nur-Moschee besuchte und sich dort radikalisierte. So auch seine zwei anderen Söhne. Dabei habe er seine Kinder bereits damals gewarnt: «Ich fand die Predigten etwas schwierig. Sie entsprechen nicht meinem Verständnis des Islam. Muslim sein heisst, ein guter Mensch sein.»

«Keine Freundin, kein Job, kein Geld»

Während seine zwei jüngeren Brüder danach rasch wieder auf die Beine kamen und laut dem Vater andere Wege gingen, blieb Nesip Dedeler hängen. Sein Vater ist enttäuscht: «Er hat keine Ausbildung, keinen Job und auch kein Geld.» Die Familie komme für den jungen Mann auf, kaufe ihm etwa Kleidung und begleite ihn zu Terminen – so etwa mit Ärzten.

Den Tagesablauf seines Sohnes, der bei seiner Mutter lebt, beschreibt Vater Dedeler als «sehr zurückgezogen». «Nesip hat keine sozialen Kontakte, keine Freundin – das kann nicht gut kommen. Das ist nicht gut für die Psyche», so Ayhan Dedeler. Und weiter: «Seit zehn Jahren macht er nichts und raucht drei, vier Packungen Zigaretten pro Tag. Dabei könnte er in der Schweiz so vieles erreichen. Er ist eigentlich auch ein intelligenter Mann!»

Er habe immer wieder versucht, seinem Sohn ins Gewissen zu reden. «Er sollte etwas aus sich machen!» Nur habe dieser ihn jeweils ignoriert. «Er meinte: Mach kein Blablabla. Diskutier nicht mit mir.»

Weiter erklärt der Vater, dass sein Sohn schon seit Jahren «wirre Äusserungen» mache und «sich auffällig verhalte». «Wir als Familie haben immer wieder versucht, dass er psychologische Hilfe bekommt.»

Weil sich die Eltern eine Verbesserung in der Türkei erhofften, zog Nesip Dedeler für eine Weile dorthin. Doch auch in der Heimat fand der 31-Jährige laut seinem Vater keinen Platz. «Er hatte ständig Diskussionen mit anderen Menschen, stritt viel. In der Türkei muss man aber aufpassen, mit wem man sich anlegt.»

Ausnahmezustand seit zehn Tagen

Nach den vergangenen Sommerferien zog Nesip Dedeler – laut dem Vater wohl zu seiner eigenen Sicherheit – wieder zurück in die Schweiz. In den vergangenen zehn Tagen sei sein Zustand aber schlimmer geworden. «Deshalb habe ich mich gefreut, als er von sich aus die Polizei anrief und in die Klinik kam. Ich habe gehofft, dass er nun Hilfe bekommt.»

Doch verliess Nesip Dedeler am Dienstag die Klinik. «Er hatte wohl Angst vor der Behandlung, sagte irgendetwas über Spritzen. Ich versuchte, ihm Mut zu machen», sagt Ayhan Dedeler. Er habe seinem Sohn empfohlen, die Therapie in Anspruch zu nehmen. «Ich meinte: Nimm deine Tabletten, iss gut, mach Sport. Sieh es wie einen Aufenthalt in einem Fünf-Sterne-Hotel an – für deine eigene Gesundheit!»

Dass es nun so enden musste, setzt Ayhan Dedeler enorm zu. Er betont immer wieder, wie sehr ihm die Opfer leidtun. Und sagt: «Ich hoffe, alle werden gesund!» Damit meint er neben den drei Männern auch seinen Sohn.

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