Darum gehts
- Am Mittwochabend wird eine partielle Sonnenfinsternis in der Schweiz erwartet
- Untersuchungen zeigen: Tiere reagieren unterschiedlich auf Dunkelheit und Temperaturveränderungen
- 1999: Bei 99% Verdunkelung sank Vogelaktivität, manche Arten blieben jedoch aktiv
Wir Menschen wissen inzwischen wohl alle, was diesen Mittwoch Abend passiert: Der Mond schiebt sich vor die Sonne und sorgt für eine partielle Sonnenfinsternis. Tiere jedoch haben keine Erklärung zum Phänomen: Für sie wird es mitten am Tag plötzlich dunkler und ohne das Sonnenlicht auch kühler. Und genau das kann ihr Verhalten verändern.
Wie stark, hängt allerdings von der Tierart und den Bedingungen ab. Forschende beschäftigen sich deshalb schon seit mehr als hundert Jahren mit der Frage, was Tiere während einer Sonnenfinsternis machen. Dabei gab es immer wieder erstaunliche Beobachtungen.
Giraffen galoppieren, Schildkröten paaren sich
Bei der totalen Sonnenfinsternis 2017 beobachteten rund 40 Forschende im Riverbanks Zoo im US-Bundesstaat South Carolina insgesamt 17 Tierarten.
Einige Reaktionen waren unerwartet: Galápagos-Riesenschildkröten wurden plötzlich schneller und begannen, sich zu paaren. Giraffen galoppierten, obwohl sie normalerweise nur rennen, wenn sie verfolgt werden. Siamangs, eine Gibbonart, veränderten ihr sonst sehr lautes Rufverhalten. Die auffälligen Veränderungen zeigten sich vor allem während der kurzen Phase der vollständigen Verfinsterung.
Bei der Sonnenfinsternis 2024 wurde die Beobachtung im Zoo von Fort Worth in Texas ausgeweitet. Dort standen unter anderem Gorillas, Giraffen, Flamingos, verschiedene Gibbonarten, Orang-Utans und Zwergschimpansen unter Beobachtung.
Die Forschenden wollten herausfinden, ob unterschiedliche Tierarten verschieden reagieren, etwa durch Bewegungen, Laute oder verändertes Sozialverhalten. Auch interessierte sie, wie stark die Sonne verdeckt sein muss, damit überhaupt eine Reaktion auftritt.
Viele Tiere halten die Finsternis für den Abend
Die vorläufigen Beobachtungen aus Fort Worth ergaben ein anderes Bild als die spektakulären Einzelbeobachtungen von 2017.
Viele tagaktive Tiere wurden während der Totalität ruhiger. Sie zogen sich in ihre Innengehege zurück, ruhten oder verhielten sich so, als würde die Abendroutine beginnen. Offenbar erwarteten manche Tiere sogar die Fütterung.
Bei nachtaktiven Tieren war dafür dann das Gegenteil zu beobachten: Sie wurden aktiver.
Die naheliegende Erklärung der Forschenden: Die Tiere interpretierten die plötzliche Dunkelheit als Beginn der Nacht.
Auffallend: Nicht die Dunkelheit allein macht Tiere nervös
Die Tiere im Zoo von Fort Worth wirkten während der Finsternis deutlich weniger gestresst als jene im Riverbanks Zoo sieben Jahre zuvor. Der Grund könnte bei den Menschen gelegen haben:
Während der Sonnenfinsternis 2017 hatten grosse Menschenmengen gejubelt, geschrien und teilweise sogar Feuerwerk gezündet. In Fort Worth war die Besucherzahl dagegen begrenzt. Rund 2200 Menschen waren während der Finsternis im Zoo, dies waren deutlich weniger als die übliche Kapazität von etwa 8000 Besucherinnen und Besuchern.
Für Forschungsleiter Adam Hartstone-Rose ergibt sich daraus eine wichtige Vermutung: Tiere könnten nicht in erster Linie wegen der Dunkelheit selbst unruhig werden. Einen erheblichen Einfluss könnte auch das Verhalten der Menschen haben.
Auch Vögel reagieren, aber nicht alle gleich
Wie unterschiedlich Tiere reagieren können, zeigt eine grosse Untersuchung aus dem Jahr 2025: Forschende analysierten die Daten von 344 automatischen Messstationen in Nordamerika. Diese zeichneten während der totalen Sonnenfinsternis vom 8. April 2024 die Geräusche von Vögeln auf. Mithilfe von maschinellem Lernen wurden die Vogelrufe ausgewertet. Messstationen mit deutlichen menschlichen Geräuschen wurden aus der Untersuchung ausgeschlossen.
Das Ergebnis: Vor allem dort, wo mehr als 99 Prozent der Sonne verdeckt waren, ging die Aktivität der Vogelstimmen deutlich zurück. Bei einer geringeren Verfinsterung zeigte sich dagegen kein einheitliches Muster.
Und auch während der vollständigen Finsternis blieben einzelne Vögel aktiv. Darunter waren etwa bestimmte Rotkehlchen und Meisen, die weiterhin sangen.
Die Forschenden kamen deshalb zu einem differenzierten Schluss: Eine totale Sonnenfinsternis kann die akustische Aktivität von Vögeln zwar deutlich verändern, eine einheitliche Reaktion aller Arten gibt es aber nicht.
Dieses Verhalten wurde schon vor 100 Jahren beobachtet
Dass Tiere auf eine Sonnenfinsternis reagieren, ist keineswegs eine neue Erkenntnis:
Bereits 1932 wurden für eine wissenschaftliche Untersuchung fast 500 Beobachtungen von Bürgerinnen und Bürgern, Naturkundlern und Wildhütern ausgewertet. Auch damals berichteten Menschen vor allem von Verhaltensweisen, die normalerweise mit dem Abend oder der Nacht verbunden sind:
Vögel hörten auf zu singen oder suchten ihre Schlafplätze auf. Bienen flogen zurück in ihre Stöcke, während Grillen zu zirpen begannen. Eulen wurden aktiv. Auch Fledermäuse und andere nachtaktive Tiere schienen ihre Aktivität zu erhöhen.
Wie reagieren Hunde, Katzen und andere Kleintiere auf die Sonnenfinsternis?
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Was passiert also am Mittwoch?
Eine Sonnenfinsternis bringt den Tagesrhythmus vieler Tiere für kurze Zeit durcheinander. Manche werden ruhiger, andere aktiver. Einige beginnen mit Verhaltensweisen, die normalerweise erst am Abend oder in der Nacht auftreten.
Doch: Eine universelle Reaktion gibt es nicht. Welche Tiere wie reagieren, hängt unter anderem von der Tierart, dem Standort, der Jahreszeit, dem Brutstatus und den menschlichen Begleitumständen ab.
So selten, so kurz...
...und genau deshalb ist jede Sonnenfinsternis für die Forschung besonders spannend: Totale Finsternisse dauern nur wenige Minuten und lassen sich kaum unter exakt gleichen Bedingungen wiederholen. Somit wird sich die Forschung diesem Thema wohl noch einige Zeit widmen müssen.