Darum gehts
- Smartphones verändern unser Zeitgefühl, lenken Aufmerksamkeit von der Zeit ab
- Armbanduhren zeigen nur die Zeit, ohne zusätzliche Ablenkungen wie Nachrichten
- Das Attentional-Gate-Modell erklärt, wie Aufmerksamkeit Zeitwahrnehmung beeinflusst
Die Uhrzeit hat sich nicht verändert. Unser Umgang damit schon: Wer eine Armbanduhr trägt, kennt den kurzen Blick aufs Handgelenk. Mehr als Zeiger oder Zahlen gibt es da nicht zu sehen. Das Smartphone ist da deutlich gesprächiger. Es zeigt nicht nur die aktuelle Zeit, sondern gleich noch, was sonst gerade so los ist.
Warum sich unser Zeitgefühl ständig verändert
Fünf Minuten sind immer fünf Minuten. Trotzdem können sie sich völlig unterschiedlich anfühlen: Wartest du auf einen verspäteten Zug, können fünf Minuten eine Ewigkeit dauern. Sitzt du mit Freunden beim Znacht, vergehen sie dagegen im Nu.
Unser Gehirn hat also seine eigene Vorstellung davon, wie schnell die Zeit vergeht. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Aufmerksamkeit. Je mehr wir auf die Zeit achten, desto bewusster nehmen wir ihren Ablauf wahr. Sind wir abgelenkt, rückt unser Zeitgefühl eher in den Hintergrund.
Was das Smartphone mit unserer Zeitwahrnehmung macht
Und genau da kommt das Smartphone ins Spiel: Du schaust kurz auf die Uhr. Möchtest nur kurz wissen, wie spät es ist. Doch da leuchtet viel: Also schnell die Mails checken. Und wenn man schon einmal entsperrt hat, kann man auch gleich noch schauen, was es sonst so Neues gibt. Ob der Lohn schon auf dem Konto ist. Was die leuchtenden Fähnli auf der Versicherungs-App bedeuten. Im Nachbarschaftschat auf Whatsapp ist auch ganz schön viel los und der Sohn fragt nach einer Fahrgelegenheit fürs Fussballturnier am Sonntag.
Ganz schnell wird aus einem Blick auf die Uhr ein kleiner Rundgang durchs private (digitale) Leben.
Das kann auch beeinflussen, wie wir den Ablauf der Zeit wahrnehmen. In der Psychologie wird dieser Zusammenhang unter anderem mit dem sogenannten Attentional-Gate-Modell erklärt. Vereinfacht gesagt: Wohin unsere Aufmerksamkeit geht, beeinflusst auch, wie stark wir den Ablauf der Zeit wahrnehmen. Das Smartphone macht die Zeit also nicht schneller, das ist klar. Es zieht unsere Aufmerksamkeit nur deutlich leichter von ihr weg.
Warum eine Armbanduhr einen Unterschied machen kann
Eine Armbanduhr ist dagegen ziemlich langweilig. Und genau das kann ihr Vorteil sein. 17 Uhr 19. Fertig. Keine Nachricht, kein roter Punkt, keine Schlagzeile und niemand, der gerade etwas von dir will. Der Blick geht zurück auf das, was du eigentlich machen wolltest. Nämlich wissen, wie spät es ist. Du musst an keinen anderen Dingen vorbeikommen, es lauert keine Ablenkung. Du kannst dein Handy später wieder bewusst nutzen, in diesem Moment lässt du dich davon jedoch nicht ablenken.
Wie wir unsere Zeit bewusster wahrnehmen können
Natürlich muss deshalb niemand das Smartphone gegen eine Armbanduhr eintauschen. Das Handy ist praktisch und für viele längst Uhr, Kalender, Wecker, Wetterbericht und Kommunikationszentrale in einem.
Wer aber merkt, dass aus einem kurzen Blick regelmässig zehn Minuten oder sogar länger werden, kann es einmal mit einer ganz einfachen Lösung versuchen: die Uhrzeit dort ablesen, wo es sonst nichts anderes zu sehen gibt.
Zum Beispiel auf einer hübschen neuen Uhr am Handgelenk.