Einsamkeit verkauft sich
Einsamkeit wird zum Milliarden-Business: Wer daran verdient, dass wir Nähe suchen

Dating-Apps, Single-Reisen, KI-Chatbots oder sogar Apotheken: Immer mehr Unternehmen verdienen daran, dass sich Menschen einsam fühlen. Experten sprechen von einer milliardenschweren «Einsamkeits-Ökonomie» – mit Chancen, aber auch Risiken.
Kommentieren
Jeder sechste Mensch weltweit leidet unter chronischer Einsamkeit. Die Folgen reichen von gesundheitlichen Problemen bis zu hohen Kosten für die Gesellschaft.
Foto: Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Einsamkeit wird global zum Milliardenmarkt mit Angeboten wie Apps und Reisen
  • WHO: Jeder sechste Mensch leidet an chronischer Einsamkeit, mit Folgen
  • Tinder-Einnahmen sinken, Hinge wächst mit Fokus auf echte Beziehungen
Blick_APP_DE_WeissRot_XXXHDPI-1024x1024_RGB.png
Blick Lifestyle

Einsamkeit ist längst nicht mehr nur ein persönliches Problem, sie ist zu einem riesigen Geschäft geworden. Weltweit entwickeln Unternehmen immer neue Angebote, die versprechen, Menschen miteinander zu verbinden. Dahinter steckt ein Milliardenmarkt.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leidet jeder sechste Mensch weltweit unter chronischer Einsamkeit. Die Folgen reichen von gesundheitlichen Problemen bis zu hohen Kosten für die Gesellschaft. Kein Wunder also, dass immer mehr Firmen genau hier ein Geschäft wittern.

Das Geschäft mit der Sehnsucht nach Nähe

Dating-Apps, Plattformen für gemeinsame Reisen, Speed-Datings, Dinner mit Fremden oder KI-Begleiter: sie alle verkaufen letztlich dasselbe: die Hoffnung auf Nähe.

Ein Beispiel ist der Reiseveranstalter WeRoad. Das Unternehmen organisiert Gruppenreisen für Alleinreisende. Im Mittelpunkt steht dabei weniger das Reiseziel als die Möglichkeit, neue Menschen kennenzulernen. Auch klassische Dating-Apps setzen inzwischen verstärkt auf reale Treffen und Veranstaltungen statt nur auf endloses Swipen.

.

Tinder schwächelt, andere Konzepte gewinnen

Der Markt verändert sich. Während Tinder erstmals sinkende Einnahmen verzeichnete, wächst die Dating-App Hinge weiter. Ihr Motto lautet: «Die App ist dafür gemacht, dass man sie wieder löscht.» Ziel ist es, Nutzer möglichst schnell in eine echte Beziehung zu bringen – statt sie möglichst lange in der App zu halten.

Auch in Europa entstehen neue Ideen

In Schweden testet eine grosse Apothekenkette sogar ein ungewöhnliches Projekt gegen Einsamkeit. Mitarbeitende erhalten bezahlte Zeit, um Freunde zu treffen oder anzurufen. Zusätzlich übernimmt der Arbeitgeber einen Teil der Kosten für diese Treffen. Ziel ist es, soziale Kontakte aktiv zu fördern.

Warum wir überhaupt dafür bezahlen

Psychologen sehen einen einfachen Grund: Echte Beziehungen kosten Zeit, Mut und Überwindung. Niemand weiss, ob die Gefühle erwidert werden oder ob man abgelehnt wird.

Bezahlte Angebote wirken dagegen planbarer. Ein Premium-Abo verspricht mehr Sichtbarkeit, ein KI-Chatbot ist jederzeit verfügbar und ein Livestream vermittelt das Gefühl, nicht allein zu sein. Oft bezahlen Menschen deshalb weniger für eine Beziehung als für das Gefühl, wahrgenommen zu werden.

Wann Angebote wirklich helfen

Nicht jede kostenpflichtige Dienstleistung nutzt Einsamkeit aus. Experten betonen, dass organisierte Reisen, Workshops oder Veranstaltungen durchaus echte Freundschaften entstehen lassen können.

Problematisch wird es jedoch, wenn Plattformen ihre Nutzer immer wieder zum Kauf neuer Funktionen bewegen, ohne dass daraus reale Kontakte entstehen. Wer nur gegen Bezahlung Aufmerksamkeit erhält oder ständig zum nächsten Abo gedrängt wird, sollte kritisch hinterfragen, wem das Angebot letztlich nützt.

Am Ende lohnt sich eine einfache Frage: Hilft mir dieses Angebot dabei, echte Beziehungen ausserhalb der Plattform aufzubauen, oder sorgt es nur dafür, dass ich immer wieder dafür bezahlen muss?

Dieser Artikel erschien zuerst auf blic.rs. Das serbische Newsportal gehört wie Blick zu Ringier.

Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.
Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen