Darum gehts
- Einsamkeit wird global zum Milliardenmarkt mit Angeboten wie Apps und Reisen
- WHO: Jeder sechste Mensch leidet an chronischer Einsamkeit, mit Folgen
- Tinder-Einnahmen sinken, Hinge wächst mit Fokus auf echte Beziehungen
Einsamkeit ist längst nicht mehr nur ein persönliches Problem, sie ist zu einem riesigen Geschäft geworden. Weltweit entwickeln Unternehmen immer neue Angebote, die versprechen, Menschen miteinander zu verbinden. Dahinter steckt ein Milliardenmarkt.
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leidet jeder sechste Mensch weltweit unter chronischer Einsamkeit. Die Folgen reichen von gesundheitlichen Problemen bis zu hohen Kosten für die Gesellschaft. Kein Wunder also, dass immer mehr Firmen genau hier ein Geschäft wittern.
Das Geschäft mit der Sehnsucht nach Nähe
Dating-Apps, Plattformen für gemeinsame Reisen, Speed-Datings, Dinner mit Fremden oder KI-Begleiter: sie alle verkaufen letztlich dasselbe: die Hoffnung auf Nähe.
Ein Beispiel ist der Reiseveranstalter WeRoad. Das Unternehmen organisiert Gruppenreisen für Alleinreisende. Im Mittelpunkt steht dabei weniger das Reiseziel als die Möglichkeit, neue Menschen kennenzulernen. Auch klassische Dating-Apps setzen inzwischen verstärkt auf reale Treffen und Veranstaltungen statt nur auf endloses Swipen.
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Tinder schwächelt, andere Konzepte gewinnen
Der Markt verändert sich. Während Tinder erstmals sinkende Einnahmen verzeichnete, wächst die Dating-App Hinge weiter. Ihr Motto lautet: «Die App ist dafür gemacht, dass man sie wieder löscht.» Ziel ist es, Nutzer möglichst schnell in eine echte Beziehung zu bringen – statt sie möglichst lange in der App zu halten.
Auch in Europa entstehen neue Ideen
In Schweden testet eine grosse Apothekenkette sogar ein ungewöhnliches Projekt gegen Einsamkeit. Mitarbeitende erhalten bezahlte Zeit, um Freunde zu treffen oder anzurufen. Zusätzlich übernimmt der Arbeitgeber einen Teil der Kosten für diese Treffen. Ziel ist es, soziale Kontakte aktiv zu fördern.
Warum wir überhaupt dafür bezahlen
Psychologen sehen einen einfachen Grund: Echte Beziehungen kosten Zeit, Mut und Überwindung. Niemand weiss, ob die Gefühle erwidert werden oder ob man abgelehnt wird.
Bezahlte Angebote wirken dagegen planbarer. Ein Premium-Abo verspricht mehr Sichtbarkeit, ein KI-Chatbot ist jederzeit verfügbar und ein Livestream vermittelt das Gefühl, nicht allein zu sein. Oft bezahlen Menschen deshalb weniger für eine Beziehung als für das Gefühl, wahrgenommen zu werden.
Wann Angebote wirklich helfen
Nicht jede kostenpflichtige Dienstleistung nutzt Einsamkeit aus. Experten betonen, dass organisierte Reisen, Workshops oder Veranstaltungen durchaus echte Freundschaften entstehen lassen können.
Problematisch wird es jedoch, wenn Plattformen ihre Nutzer immer wieder zum Kauf neuer Funktionen bewegen, ohne dass daraus reale Kontakte entstehen. Wer nur gegen Bezahlung Aufmerksamkeit erhält oder ständig zum nächsten Abo gedrängt wird, sollte kritisch hinterfragen, wem das Angebot letztlich nützt.
Am Ende lohnt sich eine einfache Frage: Hilft mir dieses Angebot dabei, echte Beziehungen ausserhalb der Plattform aufzubauen, oder sorgt es nur dafür, dass ich immer wieder dafür bezahlen muss?
Dieser Artikel erschien zuerst auf blic.rs. Das serbische Newsportal gehört wie Blick zu Ringier.