Neue Studie aus Österreich
Linkshänder ticken anders: Das sagt die Hand über deine Persönlichkeit aus

Bist du Linkshänder oder Rechtshänder? Eine neue Studie der Universität Wien zeigt überraschende Unterschiede bei Persönlichkeit und Stimmung. Linkshänder schnitten bei drei Merkmalen anders ab als Rechtshänder.
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Die Studie liefert jedoch einen interessanten Hinweis darauf, dass zwischen Händigkeit, Gehirnorganisation, Persönlichkeit und Stimmung Zusammenhänge bestehen.
Foto: Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Uni Wien untersucht Händigkeit und Persönlichkeit bei 198 Studierenden
  • Linkshänder zeigen höhere Neurotizismuswerte, Rechtshänder punkten bei Extraversion und Gewissenhaftigkeit
  • Etwa 10 % der Menschen sind Linkshänder
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Gunda BosselSEO-Redaktorin

Ob beim Schreiben, Zähneputzen oder Schneiden: Für die meisten Menschen ist klar, welche Hand sie bevorzugen. Doch: Rund jeder zehnte Mensch in der Schweiz ist Linkshänder. Das sind 900’000 bis 1,35 Millionen Personen.

Kann die bevorzugte Hand viel über uns verraten?

Eine neue Untersuchung der Universität Wien hat genau das unter die Lupe genommen. Die Forschenden wollten wissen, ob sich Links- und Rechtshänder auch bei ihrer Persönlichkeit und bei depressiven Symptomen unterscheiden. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Brain and Cognition veröffentlicht. 

Das Ergebnis ist durchaus überraschend: Bei drei der fünf grossen Persönlichkeitsmerkmale zeigten sich Unterschiede.

In diesen drei Punkten unterscheiden sich Linkshänder

Für die Untersuchung wurden 198 Studierende im Durchschnittsalter von 24 Jahren befragt. Ihre Persönlichkeit wurde anhand des sogenannten Big-Five-Modells erfasst.

Dieses beschreibt fünf grundlegende Persönlichkeitsmerkmale: Extraversion, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit, Offenheit und Neurotizismus. Und tatsächlich zeigten sich bei drei dieser fünf Eigenschaften Unterschiede zwischen Links- und Rechtshändern: 

1. Rechtshänder erzielten im Durchschnitt höhere Werte bei Gewissenhaftigkeit und Extraversion. Sie waren in der Untersuchung also tendenziell organisierter und geselliger.

2. Bei Neurotizismus lagen dagegen die Linkshänder vorne. Ein höherer Wert steht unter anderem für eine stärkere emotionale Reaktionsbereitschaft, Stressanfälligkeit und die Tendenz zu Sorgen oder Grübeln.

3. Bei Offenheit und Verträglichkeit fanden die Forschenden dagegen keinen bedeutsamen Unterschied zwischen Links- und Rechtshändern.

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Was bedeutet das für Linkshänder?

Bevor jetzt jemand seine linke Hand für seine Persönlichkeit verantwortlich macht: Die Studie sagt nicht, dass Linkshänder automatisch weniger gewissenhaft, weniger extrovertiert oder emotional empfindlicher sind. Denn die Unterschiede wurden auf Gruppenebene festgestellt. Bei einzelnen Menschen können die Eigenschaften natürlich völlig anders ausgeprägt sein. Und auch die Unterschiede waren statistisch zwar nachweisbar, aber nicht so gross, dass man daraus die Persönlichkeit eines einzelnen Menschen ablesen könnte.

Kurz gesagt: Die Hand, mit der du schreibst, ist kein Persönlichkeitstest.

Schon früh zeigt sich, ob die linke oder rechte Hand dominiert.
Foto: Getty Images

Warum könnte die Händigkeit überhaupt eine Rolle spielen

Der Grund, warum Forschende hier einen Zusammenhang vermuten, liegt im Gehirn: Die bevorzugte Hand hängt mit der sogenannten Hemisphärenspezialisierung zusammen. Damit ist gemeint, dass bestimmte Funktionen stärker von einer der beiden Gehirnhälften übernommen werden.

Bei den meisten Menschen ist beispielsweise die Sprachverarbeitung überwiegend in der linken Gehirnhälfte angesiedelt. Andere Funktionen wie bestimmte Bereiche der räumlichen Aufmerksamkeit oder der emotionalen Verarbeitung sind häufiger stärker mit der rechten Gehirnhälfte verbunden.

Bei Linkshändern ist diese Aufgabenteilung im Durchschnitt weniger stark ausgeprägt. Informationen können zwischen den beiden Gehirnhälften teilweise anders verarbeitet werden.

Ob und wie sich das auf Persönlichkeit und Stimmung auswirkt, ist allerdings noch längst nicht geklärt.

Linkshänder und Depression

Hier wird es besonders interessant: Die Forschenden untersuchten neben der Persönlichkeit auch depressive Symptome. Dabei zeigten sich zunächst Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Frauen erreichten im Durchschnitt höhere Werte bei depressiven Symptomen als Männer.

Spannender wurde es, als die Forschenden Geschlecht und Händigkeit gemeinsam betrachteten: Dabei zeigten konsistent linkshändige Männer sowie konsistent rechtshändige Frauen die höchsten Werte bei den abgefragten depressiven Symptomen.

Die niedrigsten Werte fanden sich dagegen bei inkonsistent rechtshändigen Frauen und konsistent rechtshändigen Männern.

Die Forschenden vermuten deshalb, dass Händigkeit und Geschlecht möglicherweise miteinander interagieren. Daraus könnte sich ein Hinweis auf unterschiedliche neurobiologische Mechanismen bei der Verarbeitung von Emotionen ergeben.

Bedeutet das nun, Linkshänder haben ein höheres Depressionsrisiko?

Nein, das lässt sich aus der Studie nicht ableiten. Ein wichtiger Punkt. Die Untersuchung erfasste depressive Symptome mithilfe eines Fragebogens. Sie stellte keine klinischen Diagnosen.

Ausserdem wurden nur 198 Studierende untersucht. Alle Teilnehmer stammten aus einer relativ ähnlichen Alters- und Bildungsschicht. Ob sich die Ergebnisse auf die gesamte Bevölkerung übertragen lassen, ist deshalb offen.

Hinzu kommt: Die Untersuchung wurde zu einem einzigen Zeitpunkt durchgeführt. Sie kann also einen Zusammenhang zeigen, aber nicht beweisen, dass die Händigkeit bestimmte Persönlichkeitsmerkmale oder depressive Symptome verursacht.

Was deine bevorzugte Hand wirklich über dich verrät

Die neue Studie liefert jedoch einen interessanten Hinweis darauf, dass zwischen Händigkeit, Gehirnorganisation, Persönlichkeit und Stimmung möglicherweise mehr Zusammenhänge bestehen als bisher angenommen.

Für deinen Alltag bedeutet das aber nicht, dass du deinen Charakter an deiner Schreibhand ablesen kannst.

Eine Untersuchung mit Grenzen

Bist du Linkshänder und eher chaotisch? Oder Rechtshänder und trotzdem ein ausgesprochener Einzelgänger? Beides ist natürlich problemlos möglich.

Die Forschenden selbst betonen deshalb die Grenzen ihrer Untersuchung. Grössere Studien mit Menschen unterschiedlichen Alters und aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen müssen erst zeigen, ob sich die beobachteten Muster tatsächlich bestätigen.

Fest steht aber: Deine linke oder rechte Hand ist nicht nur eine Frage der Gewohnheit. Sie gibt Forschenden auch einen kleinen Einblick darin, wie unterschiedlich unsere Gehirne organisiert sein können.

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