Darum gehts
- Studie zeigt: Schlafen ohne Kissen senkt Augeninnendruck und schützt Sehvermögen
- Erhöhter Kopf behindert Flüssigkeitsabfluss im Auge, steigert Risiko für Glaukom
- 144 Teilnehmende untersucht: Augeninnendruck stieg bei 2 Kissen um 1,61 mmHg
Wer ohne Kissen schläft, tut seinen Augen womöglich etwas Gutes. Denn mehrere Kissen unter dem Kopf können den Augeninnendruck unbemerkt erhöhen – ein zentraler Risikofaktor für Glaukom. Dass Kissenart und Schlafposition die Schlafqualität beeinflussen, ist gut belegt. Weniger klar war bisher, welche Rolle die Kopfhaltung für die Augen spielt. Eine neue Studie zeigt nun: Schon kleine Veränderungen im Schlaf können das Sehvermögen beeinflussen.
Eine Ende Januar im Fachjournal «British Journal of Ophthalmology» veröffentlichte Untersuchung legt nahe, dass der Verzicht auf Kissen helfen könnte, den Augeninnendruck zu senken. Entscheidend ist: Ein dauerhaft erhöhter Augeninnendruck gilt als einer der wichtigsten Auslöser für Glaukom – die weltweit häufigste Ursache für irreversible Sehschäden.
Warum Kissen zum Problem werden können
Die Forschenden vermuten, dass eine erhöhte Kopfposition den Hals abknickt und dadurch die Halsvene zusammendrückt. Das wiederum könnte den Abfluss des sogenannten Kammerwassers behindern – einer Flüssigkeit, die das Auge versorgt und den Druck im Inneren reguliert.
Bekannt ist: Der Augeninnendruck schwankt im Tagesverlauf und reagiert sensibel auf die Körperhaltung. Beim Wechsel vom Sitzen ins Liegen steigt er sofort an. Genau hier kommt die Schlafposition ins Spiel.
Die Studie im Detail
Untersucht wurden 144 Erwachsene mit verschiedenen Formen von Glaukom am Augenzentrum der Zhejiang-Universität in China. Die Altersverteilung war breit:
- 84 Teilnehmende waren 44 Jahre oder jünger
- 41 zwischen 45 und 59 Jahren
- 19 über 60 Jahre
Auch die Krankheitsbilder unterschieden sich:
- 70 hatten ein Normaldruck-Glaukom
- 9 einen erhöhten Augeninnendruck
- 65 ein primäres Offenwinkel-Glaukom (die häufigste Form)
Über sechs Monate hinweg wurden die Teilnehmenden umfassend untersucht und medizinisch begleitet.
Kissen treiben den Druck nach oben
Der Augeninnendruck wurde über 24 Stunden hinweg alle zwei Stunden gemessen – sowohl im Sitzen als auch im Liegen. Im Liegen war der Kopf um 20 bis 35 Grad erhöht, vergleichbar mit zwei Kissen. Das Resultat ist eindeutig: Bei rund zwei Dritteln der Teilnehmenden stieg der Augeninnendruck messbar an, sobald der Kopf erhöht gelagert war.
- Durchschnittlicher Anstieg: +1,61 mmHg
- Höchstwerte: 17,42 mmHg mit Kissen vs. 16,62 mmHg ohne
Zusätzlich zeigte sich: Der Druck schwankte stärker – und der sogenannte Augenperfusionsdruck sank. Dieser Wert beschreibt, wie gut das Auge mit Blut, Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird. Mit zwei Kissen lag er deutlich tiefer als ohne – ein mögliches Warnsignal für die Augengesundheit.
Jüngere stärker betroffen
Überraschend: Jüngere Teilnehmende zeigten häufiger deutliche Druckspitzen als ältere. Auch Menschen mit der häufigsten Glaukom-Form – dem primären Offenwinkel-Glaukom – waren stärker betroffen.
In einem Zusatzversuch mit gesunden Freiwilligen bestätigte sich der Verdacht der Forschenden: Kissen verengen die Halsvene und verändern den Blutfluss im Kopf. Die Schlafposition wirkt sich also direkt auf die Durchblutung aus.
Einfach, aber wirkungsvoll
Die Studie ist beobachtend angelegt – weitere Forschung ist nötig. Trotzdem sehen Fachleute darin einen vielversprechenden Ansatz. Bisher zielen Behandlungen vor allem auf Medikamente oder Lasertherapien ab. Doch die Ergebnisse zeigen: Auch einfache Anpassungen im Alltag könnten helfen.
Die Empfehlung der Forschenden ist klar: Schlafpositionen vermeiden, bei denen der Hals stark abgeknickt wird. Weniger Kissen zu verwenden – oder ganz darauf zu verzichten –, könnte eine einfache Möglichkeit sein, den Augeninnendruck zu stabilisieren und die Therapie sinnvoll zu ergänzen.
Dieser Artikel erschien zuerst auf blic.rs. Das serbische Newsportal gehört wie Blick zu Ringier.