Darum gehts
- Restless-Legs-Syndrom: Basler Studie erforscht kleine Zebrafische zur Ursachenklärung
- Zebrafische mit verändertem MEIS1-Gen zeigen auffälliges Schwimmverhalten und Hirnveränderungen
- Bis zu 10 % betroffen, Frauen doppelt so häufig wie Männer
Nächtliches Zappeln, ein quälendes Kribbeln und der starke Drang, sich ständig zu bewegen: Das Restless-Legs-Syndrom (RLS) raubt vielen Menschen den Schlaf. Eine neue Studie der Universität Basel könnte nun helfen, die rätselhafte Schlafstörung besser zu verstehen. Der überraschende Helfer dabei kommt aus dem Wasser: ein kleiner Zebrafisch.
Die Universität Basel veröffentlichte die Ergebnisse unter der Führung von Alex Schier und berichtet über neue Erkenntnisse, die das Kleinhirn als möglichen Schlüssel in den Mittelpunkt rücken. Bis zu zehn Prozent der Bevölkerung sollen von RLS betroffen sein, Frauen etwa doppelt so häufig wie Männer. Typisch sind Ziehen, Kribbeln oder ein unangenehmes Spannungsgefühl in den Beinen.
Die Beschwerden treten vor allem in Ruhephasen auf und werden oft erst durch Bewegung besser. Für Betroffene bedeutet das häufig: lange Wachphasen und fehlende Erholung. «Es ist ein unwiderstehlicher Drang, die Beine zu bewegen», beschreibt Studienleiter Alex Schier die typischen Symptome der neurologischen Störung.
Fisch hilft bei der Suche nach Antworten
Die kleinen Zebrafische sind für die Forschung besonders gut geeignet, weil ihre Entwicklung und ihre Gene sehr gut untersucht werden können. Zudem lassen sich ihre Bewegungen und Gehirnaktivitäten im Labor genau beobachten. Die Forschenden analysierten Gene, die beim Menschen mit RLS in Verbindung stehen.
Besonders auffällig war das Gen MEIS1. Zebrafische mit einer Veränderung dieses Gens zeigten ein ungewöhnliches Verhalten: Sie schwammen deutlich länger als normale Tiere. Bei der anschliessenden Untersuchung fanden die Forschenden Veränderungen im Kleinhirn. Diese Hirnregion ist wichtig für die Steuerung und Koordination von Bewegungen und könnte bei RLS eine bisher unterschätzte Rolle spielen.
Hoffnung auf bessere Therapien
Im Mittelpunkt standen sogenannte Purkinje-Zellen. Diese hochkomplexen Nervenzellen im Kleinhirn helfen dabei, Bewegungen zu kontrollieren und Signale im Gehirn zu regulieren. Wenn diese Zellen beeinträchtigt sind, gerät das Zusammenspiel anderer Nervenzellen aus dem Gleichgewicht.
Besonders spannend: Die auffälligen Bewegungsmuster der Zebrafische verbesserten sich, nachdem sie Medikamente gegen RLS erhielten. Das liefert einen wichtigen Hinweis darauf, dass die Veränderungen tatsächlich mit den Beschwerden zusammenhängen könnten. «Unsere Arbeit zeigt, dass das Kleinhirn an der Entstehung von RLS beteiligt sein könnte», sagt Schier. Die Ergebnisse könnten langfristig dazu beitragen, die Erkrankung besser zu verstehen und neue Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln.