«Meine Eltern waren ständig nackt vor mir»
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Tiktokerin «Lalalalexis»:«Meine Eltern waren ständig nackt vor mir»

Neue Erziehungsmethode «Naked Mom Theory» spaltet die Gemüter
Nackte Eltern – natürlich oder tabu?

Eine Tiktokerin sagt im Netz, dass bei ihr in der Familie Nacktheit kein Tabu war – und spaltet damit die Gemüter. Die «Naked Mom Theory» soll ein positives Körperbild und Selbstakzeptanz fördern. Wie meistert man diesen Balanceakt? Eine Expertin ordnet ein.
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Als Kind ist es weder komisch noch unangenehm, die Eltern nackt zu sehen.
Foto: Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Die «Naked Mom Theory» diskutiert Nacktheit in Familien zur Förderung von Selbstakzeptanz
  • Eine UCLA-Studie zeigt keine schädlichen Auswirkungen durch elterliche Nacktheit
  • Expertin betont: Respekt, Privatsphäre und Grenzen der Kinder sind entscheidend
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Nikolina PanticRedaktorin News

Wenn die Mutter kurz nackt durch die eigene Wohnung flitzt, ist das generell unproblematisch. Doch genau diese Gewohnheit sorgt seit einiger Zeit im Internet für heftige Diskussionen.

Die «Naked Mom Theory» geht davon aus, dass ein offener Umgang mit Nacktheit Kindern guttut – für viele bleibt das jedoch ein Tabu.

Total peinlich oder nicht?

Dass nicht alle in einer Familie aufgewachsen sind, die Nacktheit normalisiert, musste die Tiktokerin «Lalalalexis» auch erfahren. «Meine Eltern waren ständig nackt vor mir. Das klingt komisch, wenn man nicht so aufgewachsen ist», sagt sie. In den Kommentaren gehen die Reaktionen auseinander: «Es hat mich traumatisiert, und ich habe Angst vor meinem eigenen Körper», schreibt eine Userin, bei der die Nacktheit der Eltern Spuren hinterlassen hat. Andere halten dagegen: «Ich dachte immer, das sei völlig normal.»

Nun ist die Tiktokerin selbst Mutter – und muss sich häufig mit Windeln beschäftigen. Die Kleider bleiben weiterhin optional. «Mein Ziel als ‹Naked Mom› ist es, meiner Tochter zu zeigen, dass Nacktsein nicht immer ein sexuelles Erlebnis sein muss.» Oftmals würden Menschen nackte Körper das erste Mal in pornografischen Inhalten sehen, führt sie weiter aus.

Was Nacktheit auslöst – oder nicht

Der Trend soll dem entgegenwirken, indem bewusst Nacktheit gezeigt wird: Ziel ist es, ein realistisches Bild des weiblichen, natürlichen Körpers zu vermitteln. Dahinter steht die Annahme, dass Kinder, die zu Hause einen nackten Elternteil erleben, eine höhere Selbstakzeptanz und ein positiveres Körperbild entwickeln. Eine 18-jährige Langzeitstudie der UCLA analysierte die Auswirkung von elterlicher Nacktheit auf Kinder. Es wurden keine schädlichen Auswirkungen durch die frühen Nacktheitserfahrungen gefunden.

Doch stimmt das? Eine, die der Frage auf den Grund gehen kann, ist Johanna Janku (38). Sie ist Fachärztin für Gynäkologie und Sexualtherapeutin. «Es gibt keinen fachlichen Grund, weshalb Eltern sich bewusst nackt vor ihren Kindern zeigen sollten – entscheidend ist ein altersgerechter, respektvoller Umgang», erklärt die Expertin. Und dennoch: «Eine starke Tabuisierung von Körperlichkeit kann dazu führen, dass Kinder Scham entwickeln und weniger offen über ihren Körper oder Fragen sprechen.»

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Gibt es auch Nachteile?

Während im Kindesalter Baden mit den Eltern normal ist, wird dies im Verlauf der Zeit peinlich. «Mit zunehmendem Alter entwickeln Kinder ein stärkeres Schamgefühl, ein differenzierteres Körperbewusstsein und ein wachsendes Bedürfnis nach Privatsphäre», erklärt Janku. «Der Umgang mit Nacktheit ist kulturell geprägt. Entscheidend bleibt jedoch unabhängig davon, dass der Umgang respektvoll, altersgerecht und grenzwahrend ist.»

Auch wenn der Trend positive Auswirkungen hat, muss es Regeln geben. Eine zentrale Rolle spielen gemäss der Fachärztin die Grenzen und das Einverständnis von Kindern. Sie sollten früh lernen, dass ihr Körper ihnen gehört und dass sie ein Recht auf Privatsphäre und auf ein Nein haben, ergänzt sie.

Die Grauzonen des Trends

Während Mami und Papi also gute Absichten haben, kann es dem Kind auf den Zeiger gehen. «Kinder zeigen oft klar, ob ihnen etwas unangenehm ist – durch Rückzug, Verlegenheit oder direkte Aussagen. Diese Signale sollten ernst genommen werden», meint Janku. «Nicht die Nacktheit an sich ist entscheidend, sondern der Umgang damit.»

Problematisch wird es laut der Therapeutin, wenn Grenzen missachtet werden, wenn Nacktheit gegen den Willen des Kindes geschieht oder wenn Situationen für das Kind unangenehm oder überfordernd sind.

Wie vermittelt man Nacktheit?

Wie vermitteln Eltern Nacktheit ohne Kinder dabei zu überfordern? Laut der Fachärztin meistert man die Gratwanderung am besten, indem man Nacktheit weder bewusst inszeniert noch strikt vermeidet. «Ein natürlicher, situationsabhängiger Umgang ist sinnvoller. Wichtig ist, sich am Alter und am Empfinden des Kindes zu orientieren.»

Keine unnötige Tabuisierung, aber auch keine aufgezwungene Nacktheit – das ist die Balance. Vielleicht verrät der Trend am Ende weniger über Nacktheit, sondern darüber, wie schnell der Körper sexualisiert wird.

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