Körper und Seele
Herbst: Was nun mit Schlaf, Gewicht & Stimmung passiert

Wenn die Tage kürzer und die Temperaturen tiefer werden, verändert sich auch unser Alltag. Doch macht uns der Herbst tatsächlich müder, dicker und anfälliger für Erkältungen? Die Forschung liefert überraschende Antworten.
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Ein Herbst-Spaziergang bei Tageslicht ist nicht nur schön, sondern gibt der inneren Uhr auch einen wichtigen Zeitimpuls.
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Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Herbst beeinflusst Körper durch Lichtmangel, Schlafzeiten und veränderte Gewohnheiten
  • Studien zeigen keine eindeutigen Beweise für «Herbstblues» oder Gewichtszunahme
  • Vitamin-D-Mangel und Atemwegsinfektionen durch Herbstbedingungen, Prävention durch Tageslicht und Lüften
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Gunda BosselSEO-Redaktorin

Der Herbst kommt gerade schleichend: Morgens ist es beim Aufstehen noch dunkel, am Abend verschwindet das letzte Tageslicht früher. Dörfer und Städte werden schon früh wieder zum Lichtermeer. Dazu kommen kühlere Temperaturen, mehr Zeit drinnen und die ersten Abende mit Heizung oder dickeren Socken.

Unser Körper bekommt diesen Wechsel durchaus mit. Aber nicht alles, was wir dem Herbst zuschreiben, ist biologisch vorprogrammiert. Manche Effekte sind gut untersucht, andere werden rein durch unser Verhalten erklärt. Und bei einigen beliebten Herbst-Mythen ist die Studienlage wirklich erstaunlich dünn.

Wir haben genau diese mal etwas genauer betrachtet:

Weniger Licht kann die innere Uhr verschieben

Dass es im Herbst früher dunkel wird, ist nicht nur eine Frage der Stimmung. Licht ist einer der wichtigsten Taktgeber unserer inneren Uhr. Es beeinflusst unter anderem die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin.

Das zeigte auch eine Studie mit schwedischen Büroangestellten, die über ein Jahr hinweg untersucht wurden. Die Forschenden stellten saisonale Unterschiede bei der täglichen Lichtmenge fest. Auch der Tagesverlauf von Melatonin und Cortisol veränderte sich im Jahresverlauf. Das bedeutet aber nicht automatisch: Herbst gleich Müdigkeit. Entscheidend ist, wie viel Licht wir tatsächlich abbekommen und zu welcher Tageszeit. Wer morgens kaum Tageslicht sieht und abends lange vor hellen Bildschirmen sitzt, kann seine innere Uhr zusätzlich nach hinten verschieben.

Ein Spaziergang bei Tageslicht ist deshalb nicht nur schön, sondern gibt der inneren Uhr auch einen wichtigen Zeitimpuls.

Kommt jetzt automatisch der Winterspeck?

Ein bisschen saisonale Gewichtsschwankung gibt es tatsächlich. Von den oft zitierten zwei oder drei Kilo «Winterspeck» ist die Forschung aber weit entfernt.

In einer Studie mit 195 Erwachsenen nahm das Gewicht zwischen Ende September und Mitte November im Durchschnitt nicht signifikant zu. Zwischen November und Januar waren es durchschnittlich 0,37 Kilogramm. Die individuelle Streuung war allerdings gross. Auch andere Untersuchungen weisen auf saisonale Unterschiede beim Körpergewicht hin. Eine Langzeitstudie im «European Journal of Clinical Nutrition» dokumentierte beispielsweise deutliche saisonale Schwankungen bei einer über mehr als 20 Jahre beobachteten Person.

Warum das so ist, lässt sich allerdings nicht einfach mit einem «Winterprogramm» des Körpers erklären. Im Herbst und Winter bewegen sich viele Menschen weniger, sitzen länger drinnen und essen häufiger kalorienreiche Speisen. Die Jahreszeit verändert also auch unsere Gewohnheiten. Der Herbst macht uns also nicht zwangsläufig dicker. Er schafft aber Bedingungen, unter denen ein paar zusätzliche Kilos leichter entstehen können.

Der Herbst macht nicht automatisch schlechte Laune

«Herbstblues» klingt plausibel. Wissenschaftlich ist die Sache komplizierter: Eine systematische Übersichtsarbeit untersuchte 41 Studien zum Zusammenhang zwischen Jahreszeiten und Depressionen. 13 Studien deuteten auf mehr Depressionen im Winter hin. Die übrigen fanden entweder kein saisonales Muster, Hinweise auf andere Jahreszeiten oder uneindeutige Ergebnisse. Die Forschenden kamen deshalb zum Schluss, dass ein allgemeiner saisonaler Stimmungseinbruch in der Bevölkerung nicht überzeugend belegt ist.

Anders sieht es bei Menschen mit einer saisonal auftretenden Depression aus. Bei ihnen können die kürzeren Tage und veränderten Lichtverhältnisse tatsächlich eine wichtige Rolle spielen. Das ist ein entscheidender Unterschied: Ein paar graue Tage und weniger Energie sind nicht dasselbe wie eine saisonale Depression. Wer über längere Zeit deutlich niedergeschlagen ist, sich zurückzieht oder kaum noch Freude empfindet, sollte das deshalb nicht einfach als «Herbstblues» abtun.

Vitamin D: Brauchen wir jetzt alle Tabletten?

Mit weniger Sonnenlicht sinkt die Möglichkeit des Körpers, Vitamin D über die Haut zu bilden. Daraus wird schnell die Empfehlung abgeleitet, im Herbst und Winter vorsorglich Vitamin-D-Präparate einzunehmen. So pauschal lässt sich das wissenschaftlich nicht begründen:

Eine 2024 veröffentlichte Leitlinie der Endocrine Society empfiehlt gesunden Erwachsenen unter 75 Jahren nicht, routinemässig Vitamin D über die übliche empfohlene Zufuhr hinaus einzunehmen. Auch ein routinemässiger Vitamin-D-Test wird bei gesunden Erwachsenen nicht empfohlen. Das heisst nicht, dass Vitamin D unwichtig ist. Es bedeutet vielmehr: Weniger Sonne im Herbst und Winter ist nicht automatisch gleichbedeutend mit einem behandlungsbedürftigen Vitamin-D-Mangel.

Für bestimmte Gruppen gelten andere Empfehlungen. Wer beispielsweise einen erhöhten Bedarf oder ein konkretes Mangelrisiko hat, sollte die Einnahme mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen.

Warum im Herbst plötzlich alle husten

Hier spielt der Herbst tatsächlich eine wichtige Rolle, allerdings nicht nur wegen der Kälte: Atemwegsinfektionen treten in gemässigten Klimazonen im Winter deutlich häufiger auf. Forschende sehen dabei ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren: Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Licht, unser Verhalten und die Bedingungen in Innenräumen.

Auch trockene Raumluft kann eine Rolle spielen. Eine experimentelle Studie im Fachjournal «PNAS» zeigte bei Mäusen, dass niedrige Luftfeuchtigkeit die natürliche Abwehr gegen Influenzaviren beeinträchtigen kann. Das ist allerdings kein Beweis dafür, dass trockene Heizungsluft beim Menschen automatisch eine Grippe verursacht. Die Studie zeigt vielmehr einen möglichen biologischen Mechanismus, der erklären könnte, warum trockene Luft die Abwehr gegen Atemwegsviren erschwert.

Für den Alltag bleibt deshalb eine einfache Massnahme sinnvoll: regelmässig lüften und sich möglichst oft draussen aufhalten.

Der Herbst verändert den Körper. Aber nicht nach einem festen Programm

Weniger Licht, andere Schlafzeiten, weniger Bewegung, trockene Raumluft und mehr Zeit in Innenräumen können unseren Körper und unser Verhalten beeinflussen. Die Jahreszeit selbst ist dabei aber selten der alleinige Auslöser. Wer im Herbst früher müde wird, muss deshalb nicht krank sein. Wer ein halbes Kilo zunimmt, hat nicht automatisch einen «verlangsamten Stoffwechsel». Und wer sich bei grauem Wetter etwas schlapp fühlt, hat nicht zwangsläufig eine Depression.

Die vielleicht wichtigste Erkenntnis aus der Forschung lautet deshalb: Unser Körper reagiert auf den Herbst. Aber er ist ihm nicht hilflos ausgeliefert.

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