Darum gehts
- Arzt verzichtet bewusst auf Frühstück und Mittagessen, isst einmal täglich abends
- Intervallfasten fördert Konzentration durch Hormon Orexin A bei Hunger
- OMAD-Methode: Nur eine Mahlzeit täglich, oft zwischen 20 und 22 Uhr
Aufstehen, Wasser trinken, kalt duschen und ohne Frühstück mit dem Velo zur Arbeit fahren. Der Arzt und Stoffwechselforscher Tim Hollstein nimmt nur eine Mahlzeit am Tag zu sich. «Mein Intervallfasten-Prinzip ist quasi ‹One meal a day keeps the doctor away›», wie er gegenüber «Focus» erklärt. Auch während seines Klinikdienstes bleibt es bei Wasser und Kaffee. «Während der Arbeit esse ich ungern, da will ich arbeiten», sagt der Oberarzt. Erst nach Feierabend widmet er sich seiner einzigen Mahlzeit des Tages. Zuvor gehört Sport für ihn fest zum Alltag. Gegessen wird meistens erst zwischen 20 und 22 Uhr.
Drei Mahlzeiten in einer einzigen Portion
Mit seinem Abendessen fasst Hollstein Frühstück, Mittagessen und Abendessen praktisch zusammen. Dabei gehe es ihm nicht darum, weniger zu essen. «Ich verzichte nicht auf Genuss, ich habe ihn nur auf den Abend konzentriert», sagt er. Seine Mahlzeiten plant er bewusst. Häufig beginnt er mit rohem Gemüse wie Kohlrabi, Karotten oder Pilzen. Danach folgen beispielsweise Hummus mit Saatenknäckebrot oder eine grosse Schale Cherrytomaten mit Burrata, Olivenöl, Balsamico, Salz und Pfeffer. Zum Abschluss darf etwas Süsses nicht fehlen. Oft gibt es Magerquark mit Bananen, Knuspermüsli und Erythrit als Zuckerersatz. «Ich esse, wenn ich runtergefahren bin, und geniesse das dann richtig», sagt er.
Wacher durch Fasten?
Trotz der langen Zeit ohne Nahrung fühle er sich konzentriert und geistig wach. Gerade im Klinikalltag sei dieser Effekt für ihn wichtig. «Ich kann komplexe Dinge erledigen, Patientinnen und Patienten behandeln und wissenschaftlich arbeiten», sagt der Arzt. Eine mögliche Erklärung sieht er im Hormon Orexin A, das bei Hunger ausgeschüttet wird und eine Rolle bei Wachheit und Aufmerksamkeit spielen kann. Auch aus evolutionärer Sicht sei dieser Zusammenhang nachvollziehbar: Wer früher hungrig war, musste aktiv nach Nahrung suchen und brauchte dafür Konzentration und Energie.
Was steckt hinter dem Trend Intervallfasten?
Intervallfasten gehört seit Jahren zu den beliebtesten Ernährungstrends. Dabei wechseln sich feste Essenszeiten mit längeren Fastenphasen ab. Die Idee dahinter: Der Körper soll während der Nahrungspausen stärker auf eigene Energiereserven zurückgreifen.
16:8-Methode
Dabei wird während 16 Stunden auf Nahrung verzichtet, während innerhalb eines achtstündigen Zeitfensters gegessen werden darf. Viele Menschen legen die Fastenphase über die Nacht und lassen beispielsweise das Frühstück aus. Gegessen wird dann etwa zwischen Mittag und Abend.
5:2-Methode
An fünf Tagen essen die Menschen normal und ohne besondere Einschränkungen. An zwei nicht aufeinanderfolgenden Tagen wird die Energiezufuhr deutlich reduziert. Häufig nehmen Frauen an diesen Tagen etwa 500 Kalorien und Männer etwa 600 Kalorien zu sich.
14:10-Methode
Dabei wird 14 Stunden lang gefastet und innerhalb eines zehnstündigen Zeitfensters gegessen. Die Methode eignet sich besonders für Menschen, die den Einstieg ins Intervallfasten suchen oder eine weniger strenge Form bevorzugen.
1:1-Methode oder Alternate Day Fasting
Bei dieser Variante wechseln sich normale Esstage und Fastentage ab. An einem Tag wird regulär gegessen, am nächsten Tag wird die Kalorienaufnahme stark eingeschränkt. An den Fastentagen wird häufig nur ein Teil des normalen Energiebedarfs aufgenommen.
OMAD-Methode
Die von Hollstein praktizierte «One Meal A Day»-Methode gehört zu den strengsten Formen des Intervallfastens. Dabei wird nur einmal pro Tag gegessen, meistens am Abend innerhalb eines kurzen Zeitfensters. Die gesamte tägliche Nahrungsaufnahme wird also in eine einzige grosse Mahlzeit gepackt.