Darum gehts
- Männliche Fruchtbarkeit nimmt weltweit ab, 40% der Fälle betreffen Männer
- Hitze, Übergewicht, Stress und Schadstoffe schaden der Spermienqualität
- Jedes 7. Paar unfruchtbar, bei Männern oft Spermiogramm mit 3 Werten entscheidend
Immer mehr Paare haben Schwierigkeiten, ein Kind zu bekommen. Dabei liegt die Ursache längst nicht nur bei der Frau: Auch die männliche Fruchtbarkeit nimmt ab. Experten erklären, welche Faktoren die Spermien schädigen – und was Männer selbst tun können.
Biologisch beginnt neues Leben mit einer einzigen Verbindung: einer Eizelle und einem Spermium. Doch damit eine Schwangerschaft entsteht, müssen die männlichen Samenzellen gesund, beweglich und zahlreich genug sein. Genau hier zeigen Studien seit Jahren einen besorgniserregenden Trend: Die Qualität der Spermien nimmt weltweit ab.
Rund jedes siebte Paar kämpft heute mit Problemen beim Kinderwunsch. In etwa 40 Prozent der Fälle liegt die Ursache zumindest teilweise beim Mann. Dabei spielen nicht nur medizinische Gründe eine Rolle – auch Lebensstil und alltägliche Gewohnheiten können die Fruchtbarkeit beeinflussen.
Drei Faktoren entscheiden über die Qualität der Spermien
Ärzte beurteilen die männliche Fruchtbarkeit vor allem anhand eines Spermiogramms. Dabei werden drei zentrale Werte untersucht:
Spermienzahl: Je mehr Samenzellen vorhanden sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine die Eizelle erreicht.
Beweglichkeit: Spermien müssen einen langen Weg zurücklegen. Nur ausreichend bewegliche Zellen schaffen es bis zur Eizelle.
Form und Qualität: Auch die Struktur der Spermien spielt eine Rolle. Fehlerhafte Formen können verhindern, dass eine Befruchtung gelingt.
Eine Untersuchung ist sinnvoll, wenn ein Paar trotz regelmässigem ungeschütztem Verkehr über längere Zeit nicht schwanger wird.
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Hitze ist ein Feind der männlichen Fruchtbarkeit
Die Hoden liegen ausserhalb des Körpers – nicht ohne Grund. Für die Produktion gesunder Spermien brauchen sie eine Temperatur von etwa 34 bis 35 Grad Celsius und damit etwas weniger als die normale Körpertemperatur.
«Hitze ist nicht gut für Spermien», erklärt die Urologin und Spezialistin für männliche Fruchtbarkeit Revti Bole. Besonders regelmässige Wärmequellen können problematisch sein.
Dazu gehören:
- Laptop auf dem Schoss: Die Wärme des Geräts kann die Temperatur rund um die Hoden erhöhen.
- Sehr heisse Bäder und Whirlpools: Die hohe Wassertemperatur kann die Spermienproduktion belasten.
- Häufige Saunabesuche: Auch hier steigt die Temperatur im Hodenbereich.
- Sitzheizung im Auto: Vor allem bei langen Fahrten kann zusätzliche Wärme ungünstig sein.
Enge Unterhosen sind kein Fruchtbarkeitskiller
Ein weit verbreiteter Mythos hält sich hartnäckig: Enge Slips sollen die Hoden erwärmen und dadurch die Fruchtbarkeit verschlechtern. Laut Expertin stimmt das nicht.
Ob Boxershorts oder Slip getragen werden, macht im Alltag keinen messbaren Unterschied bei der Temperatur der Hoden. Männer müssen sich deshalb bei der Unterwäsche keine Sorgen machen.
Warum die Spermienqualität schlechter wird
Einen einzigen Grund für den weltweiten Rückgang gibt es nicht. Forschende nennen mehrere mögliche Einflussfaktoren:
Chemikalien: Mikroplastik und hormonähnliche Stoffe aus Verpackungen, Kosmetik oder Industrieprodukten können den Hormonhaushalt beeinflussen.
Übergewicht: Fettgewebe ist nicht nur Energiespeicher, sondern wirkt auch auf den Hormonhaushalt. Zu viel Körperfett kann das Verhältnis von Testosteron und Östrogen verändern.
Chronischer Stress: Dauerhaft erhöhte Stresshormone können die Hormonproduktion stören und sich negativ auf die Spermien auswirken.
Auch Verletzungen der Hoden, frühere Infektionen oder genetische Ursachen können die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.
So können Männer ihre Spermien verbessern
Die gute Nachricht: Spermien werden ständig neu gebildet. Veränderungen des Lebensstils zeigen allerdings nicht sofort Wirkung. Ein kompletter Entwicklungszyklus dauert etwa drei Monate.
Mediterrane Ernährung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, gesunden Fetten und Omega-3-Fettsäuren kann die Spermienqualität unterstützen.
Besonders empfehlenswert:
- grünes Blattgemüse
- Nüsse
- Fisch mit Omega-3-Fettsäuren
- wenig Zucker
- möglichst wenig stark verarbeitete Lebensmittel
Vorsicht mit Testosteron-Präparaten
Viele Männer greifen zu Testosteronpräparaten, um Muskeln aufzubauen oder sich leistungsfähiger zu fühlen. Für die Fruchtbarkeit kann das allerdings das Gegenteil bewirken.
Künstlich zugeführtes Testosteron kann die körpereigene Produktion von Spermien unterdrücken und die Anzahl der Samenzellen deutlich reduzieren.
Gesundes Gewicht halten
Übergewicht belastet nicht nur Herz und Kreislauf, sondern auch die männliche Fruchtbarkeit. Regelmässige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung können helfen, das Gewicht und damit die Spermienqualität zu verbessern.
Weniger Plastik und Schadstoffe
Einfache Veränderungen im Alltag können die Belastung durch mögliche Schadstoffe reduzieren:
- Lebensmittel in Glas- oder Keramikbehältern aufbewahren
- alte, zerkratzte Plastikdosen ersetzen
- Wasserflaschen aus Plastik nicht in der Sonne liegenlassen
Schlaf, Alkohol und Rauchen im Blick behalten
Zu wenig Schlaf kann die Hormonproduktion beeinträchtigen. Optimal sind laut Experten etwa sieben bis acht Stunden pro Nacht.
Auch Genussmittel spielen eine Rolle:
- Rauchen kann die DNA der Spermien schädigen.
- Regelmässig mehr als sieben alkoholische Getränke pro Woche kann die Samenqualität verschlechtern.
Wann Männer zum Urologen sollten
Wenn ein Paar trotz Kinderwunsch über längere Zeit nicht schwanger wird, sollte auch der Mann untersucht werden.
Als Faustregel gilt:
- unter 35 Jahren: nach zwölf Monaten erfolglosem Versuch
- über 35 Jahren: bereits nach sechs Monaten
Auch bei früheren Hodenverletzungen, Operationen oder schweren Infektionen lohnt sich eine frühere Abklärung.
Denn: Die männliche Fruchtbarkeit ist kein unveränderlicher Faktor. Mit dem richtigen Lebensstil können Männer ihre Chancen auf gesunde Spermien aktiv beeinflussen.
Dieser Artikel erschien zuerst auf blic.rs. Das serbische Newsportal gehört wie Blick zu Ringier.