Neuer Report alarmiert – krasse Unterschiede zwischen Lohnklassen
Einkommensschwache verursachen massiv höhere Gesundheitskosten

Wer wenig verdient, landet häufiger im Spitalbett und verursacht höhere Gesundheitskosten. Zu diesem Schluss kommt eine neue Helsana-Studie. Der Versicherungsriese stellt aus den Befunden konkrete Forderungen an das Gesundheitssystem – etwa eine höhere Mindestfranchise.
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Menschen mit tieferem Einkommen nehmen häufiger medizinische Leistungen in Anspruch und gehen öfter zum Arzt.
Foto: CHRISTIAN BEUTLER

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Studie zeigt: Einkommen entscheidet über Arztbesuche, chronische Krankheiten und verursachte Gesundheitskosten
  • Depressionen treten bei Einkommensschwachen dreimal häufiger auf
  • Bei tiefen Einkommen belaufen sich jährliche Gesundheitskosten auf 4764 Franken, 31 Prozent mehr als bei Gutverdienern
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Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft

Diese neue Helsana-Studie hat politische Sprengkraft: Menschen in der Schweiz mit einem niedrigen Einkommen leiden öfter an chronischen Krankheiten, gehen häufiger zum Arzt – und verursachen deutlich höhere Gesundheitskosten. Das geht aus dem Report des Schweizer Versicherungsriesen in Zusammenarbeit mit der Uni Basel hervor. 

Wie stark das Einkommen das Risiko einer chronischen Krankheit voraussagt, überrascht. Besonders krass ist der Unterschied bei Depressionen: Der Anteil betroffener Personen in der tiefsten Einkommenskategorie (bis 2000 Franken Haushaltseinkommen pro Monat) ist rund dreimal so hoch wie in der höchsten (über 8000 Franken Haushaltseinkommen pro Monat). Bei Schilddrüsenerkrankungen beträgt der Unterschied 37 Prozent, bei einem hohen Cholesterinspiegel gar 74 Prozent.

31 Prozent höhere jährliche Gesundheitskosten

Personen, die weniger verdienen, beanspruchen das Gesundheitssystem demnach deutlich stärker. Sie gehen laut dem Report häufiger zum Arzt und halten sich länger in Spitälern auf. Das kostet: Konkret liegen die verursachten Gesundheitskosten laut Studie bei Personen mit einem Haushaltseinkommen von bis zu 2000 Franken bei rund 4764 Franken pro Jahr. Bei Personen mit mehr als 8000 Franken Einkommen betragen sie mit rund 3279 Franken 31 Prozent weniger. 

Ausserdem zeigt der Report, dass Menschen mit einem niedrigen Lohn signifikant häufiger an chronischen Schmerzen leiden. Auch hier war der Anteil Betroffener in der tiefsten Einkommenskategorie 2023 mehr als dreimal so hoch wie in der höchsten. Gegen die Beschwerden bekommen einkommensschwache Personen auch deutlich häufiger starke Schmerzmittel (Opioide) verschrieben – ebenfalls rund dreimal häufiger als Gutverdiener. 

Vor diesem Hintergrund machen die häufigeren Arzt- und Spitalbesuche auch Sinn, würde man meinen. Aber: Selbst wenn der Gesundheitszustand statistisch herausgerechnet wird, gehen einkommensschwächere Personen öfter zum Arzt. Wie gesund – oder krank – sie sind, erklärt die höhere Inanspruchnahme also nur bedingt. Aber was erklärt diesen Befund dann?

Helsana will höhere Mindestfranchise

Die Studie liefert dafür keine eindeutige Ursache. Über die Gründe könne man nur spekulieren, sagt einer der Studienautoren gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Menschen mit niedrigem Einkommen hätten wohl eher Berufe, die krank machen, oder sie leiden unter Geldstress. 

Ein Faktor, der die regelmässigeren Besuche beim Doktor auch erklären könnte, sind präventive Vorsorgeleistungen. Man denke dabei an Krebs-Screenings, Frauenarztbesuche oder Darmspiegelungen. Personen mit einem tiefen Einkommen nehmen diese tendenziell seltener in Anspruch. Dies ist auch in Kantonen der Fall, in denen gewisse Vorsorgeuntersuchungen kostenfrei angeboten werden. 

Helsana fordert deshalb, dass die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung gestärkt wird – insbesondere bei einkommensschwächeren Gruppen. Ausserdem weibelt der Versicherer im Report für eine höhere Mindestfranchise. Seit rund 20 Jahren liegt diese unverändert bei 300 Franken. Der Bundesrat plant, sie um 100 Franken anzuheben. Dagegen stellt sich der Konsumentenschutz. Dieser bezeichnet eine Erhöhung als inakzeptabel – und wehrt sich gegen «das Manöver der Gesundheitslobby» mit einer Petition.

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