Darum gehts
- In Amphoren gekelterte Weine gibts seit Jahrtausenden
- Immer mehr Winzerinnen und Winzer experimentieren damit
- Sie treffen sich am jährlichen Amphora Day in Portugal
Was im Jahr 2018 mit gut zwanzig Produzenten als bescheidene Zusammenkunft begann, hat sich zu einem der bedeutendsten Festivals seiner Art entwickelt. Der Amphora Wine Day vereint inzwischen rund vierzig Weingüter aus aller Welt und gibt jedes Jahr aufs Neue Anlass, die Vielfalt des Amphorenweins zu entdecken.
Gastgeber des Anlasses sind Catarina Vieira und Pedro Ribeiro, die Besitzer und Betreiber der Herdade do Rocim, eines renommierten Weinguts in der Region Alentejo.
Weiterentwicklung einer Tradition
«Amphoren sind so viel mehr als blosse Gefässe. Mit dem Amphora Wine Day feiern wir die Menschen hinter dem Wein, das Handwerk, das Erbe und die lebendige Weiterentwicklung einer einzigartigen Tradition», sagt Pedro Ribeiro. Auf seinem Weingut findet man hundertjährige Amphoren ebenso wie neue Gefässe.
Ungeachtet ihrer geografischen Herkunft folgt die Weinbereitung in Amphoren seit eh und je einem ähnlichen Prinzip: Die zerstossenen Trauben, mitunter samt Stielen, werden in Tongefässen der spontanen Gärung überlassen. Grösse, Innenbeschichtung und Brenntemperatur des Tons zählen zu den zahlreichen Variablen, die dem Wein seinen Charakter verleihen. Und doch vereint alle Amphorenweine – einige kennt man als «Orange Wine» – eine unverwechselbare Handschrift.
Der britische Weinautor Jamie Goode sagt es so: «Amphoren fördern die Reife des Weines auf eine Weise, die Frische bewahrt und dabei gänzlich auf den Einfluss von Holz verzichtet.»
Für Überraschung ist gesorgt
Je nach Anbaugebiet werden die Gebinde in den Boden eingegraben. Üblich ist auch, dass der Wein während der Gärung sich selber überlassen wird. Und so ist das Öffnen einer Amphore und das Abziehen des Weines vom Trester immer auch ein mit Spannung erwarteter Moment mit der grossen Frage: Was ist aus den Trauben geworden?
Risiko inbegriffen
Beim Amphora Wine Day bildete das Anstechen der Gefässe den Höhepunkt des Tages: Im Klang eines Cante-Alentejano-Chors versammelten sich alle Gäste um die meterhohen Tongefässe. Pedro Ribeiro und Catarina Vieira schlugen dann den Korken aus dem Boden der Amphoren und gaben den jungen Wein frei – der sogleich zur Verkostung in die wartende Menge gereicht wurde.
Diese traditionelle Art der Kelterung ist nicht ohne Risiko, da sie mehr oder weniger unkontrolliert verläuft. Nicht wenige Betriebe benutzen deshalb Amphoren nur für den Ausbau des fertigen Weins.
Sie schätzen dabei die im Vergleich zum Holz geschmacksneutralere Art des Materials und die porösere Eigenschaft von Ton im Vergleich zum Stahltank.