Trotz grosser Gefahr für Reben
Japankäfer-Spürhunde werden vom Bund ausgebremst

2017 erstmals in der Schweiz nachgewiesen, entwickelt sich der Japankäfer zu einer ernsthaften Gefahr für Reb- und Obstkulturen. Zwei junge Wissenschaftlerinnen wollen dem gefrässigen Insekt mit Spürhunden auf den Leib rücken, werden aber von den Behörden behindert.
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Dalmatiner im Training: Er kann die Larven des gefrässigen Japankäfers aufspüren.
Foto: zVg.

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Der Japankäfer breitet sich immer mehr aus in der Schweiz, bereits 13 Kantone sind befallen
  • Alleine im Tessin wurden letztes Jahr 10 Millionen Käfer gefangen
  • Die Insekten fressen an Wurzeln und Blättern. Spürhunde könnten die Larven orten und so die gezielte Behandlung der Flächen ermöglichen.
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Eva ZwahlenRedaktorin Wein

Putzig sieht er aus, der Japankäfer (Popillia japonica). Ähnlich wie ein Juni- oder Maikäfer, aber deutlich kleiner, nur so gross wie ein Fünfräppler, und mit weissen Haarbüschelchen an den Seiten. Doch das aus Asien eingeschleppte Tier bereitet kein Pläsier, ganz im Gegenteil.

Mit immensem Appetit fressen sich die Biester durch Rebberge, Maisfelder, Parkanlagen, Obstplantagen sowie Rasenflächen oder sonstiges Grün und hinterlassen eine Spur der Verwüstung.

Der Käfer vernichtet Wurzeln und Blätter

Unter der Erde vernichten sie im Larvenstadium die Wurzeln der Pflanzen, sodass diese absterben, oberhalb verputzen sie die Blätter, bis nur noch traurige Gerippe übrig sind. 2017 erstmals im Südtessin, sind Japankäfer-Populationen mittlerweile in 13 Kantonen nachgewiesen. Letztes Jahr wurden im Kanton Tessin, der am stärksten betroffen ist, nicht weniger als 10 Millionen Exemplare gefangen.

Alarmbereitschaft in der ganzen Schweiz

Die Kantone versuchen, die erwachsenen Tiere mit Duftstoffen in Pheromonfallen anzulocken und zu fangen. Und die Schädlinge im Larvenstadium mit Hilfe von Nematoden (= Fadenwürmer) unschädlich zu machen.

Doch wie weiss man, wo sich die Larven verbergen? Denn Nematoden sind teuer und fressen nicht nur die Larven der Japankäfer.

Deshalb können sie nicht einfach flächendeckend ausgebracht werden. Die Zeit drängt: Wenn sich die invasiven Käfer ausgebreitet haben, sind sie nicht mehr auszurotten.

Die Lösung wäre da

Hier kommen nun zwei junge Wissenschaftlerinnen und fünf ausgebildete Spürhunde ins Spiel. Die beiden Umweltingenieurinnen Chiara Baschung und Aline Lüscher wissen als «Hündelerinnen» bestens Bescheid um die grandiosen Fähigkeiten von Hundenasen. Noch während ihres Studiums begannen sie die langwierige Ausbildung der Hunde – mittlerweile wären sie alle längst so weit, dass sie «im freien Feld» trainieren könnten und sollten, um wirklich einsatzbereit zu sein. Doch, man glaubt es kaum, die beiden Frauen stossen beim Bund auf taube Ohren und komplettes Desinteresse.

Wettlauf gegen die Zeit

«Wir haben an der ZHAW (= Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften in Wädenswil) bisher in hermetisch abgeschlossenen Räumen trainieren dürfen, seit kurzem endlich sogar draussen, auf Naturboden, aber nur unter einem Folientunnel», erzählt Chiara Baschung, die selber zwei Spürhunde hat, einen englischen Pointer-Mischling und einen französischen Vorstehhund.

«Doch nun wäre es höchste Zeit, dass die Hunde ins freie Feld dürften, um Larven aufzuspüren, sonst war die ganze Arbeit umsonst…»

Das BWL bremst

Und wieso dürfen sie das nicht? Weil das zuständige Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) fürchtet, beim Trainieren könnten einige der Larven ihr Metallgefängnis knacken und entkommen.

Dass in der Zwischenzeit jeden Tag Hunderte, wenn nicht Tausende der gefürchteten Käfer als blinde Passagiere in Autos und Zügen aus dem Tessin in die Deutsch- und Westschweiz immigrieren, scheint die Beamten dagegen wenig zu beunruhigen…

Verzweifelte Kantone

Bei den Kantonen sieht das anders aus. «Die sind zum Teil wirklich verzweifelt und froh um jede Unterstützung, die sie bekommen können», meint Chiara Baschung. Und natürlich hilft es, dass zum Beispiel die Pflanzenschutz-Verantwortliche im Wallis bei REDOG ist und daher weiss, wozu gut ausgebildete vierbeinige Spürnasen fähig sind: nämlich zu Grossem!

«Wir hatten Testeinsätze in verschiedenen Kantonen, auch in Süddeutschland. Doch wenn wir die Hunde nicht im Feld trainieren können, werden sie keine Zertifizierung bekommen.»

Mangelnde finanzielle Unterstützung

Zudem mangelt es auch an finanzieller Unterstützung. Bisher konnten die beiden Frauen kostenlos in Wädenswil trainieren. Damit ist ab Herbst Schluss. Da sie ihre Studien abgeschlossen haben, müssen sie künftig für die Benutzung der Infrastruktur bezahlen, neben der vielen Freizeit, die sie für ihr Herzensprojekt aufwenden.

«Wir bräuchten etwa 130'000 Franken, um weitermachen zu können, aber der Bund unterstützt uns leider gar nicht.» Denn in der nationalen Strategie zur Bekämpfung des Japankäfers sind Spürhunde nicht vorgesehen…

Absolut unbegreiflich, wie der Bund eine derart innovative und vielversprechende Idee ins Leere laufenlässt! Doch die beiden Wissenschaftlerinnen geben nicht auf und kämpfen weiter für ihr Projekt.

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