Regen, aber mit Mass
Kein Wein ohne Wasser

Du magst kein Hudelwetter? Nun, ohne Regen müsstest du auf dein geliebtes Glas Wein verzichten. Reben brauchen – wie wir – Wasser zum (Über-) Leben. Doch es kann auch des Guten zu viel sein. Deshalb freuen sich Winzer manchmal über Regen – und manchmal nicht.
Kommentieren
1/6
Gewitterstimmung über den Reben – Regen ist je nach Zeitpunkt und Menge ein Segen oder eine Gefahr.
Foto: Shutterstock

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Reben benötigen Wasser zum Leben, mindestens 500 bis 600 mm pro Jahr.
  • Besser als Bewässerung ist die Begrünung der Reben. Humus schützt die Reben vor Trockenstress.
  • Regen kann auch zum falschen Zeitpunkt fallen: während der Rebblüte oder vor bzw. während der Weinlese.
Eva_Zwahlen_Redaktorin Wein_Ringier Medien Schweiz_3-Bearbeitet.jpg
Eva ZwahlenRedaktorin Wein

Reben benötigen Wasser, und zwar mindestens 500 bis 600 Millimeter pro Jahr, sonst sterben sie. Unter 400 Millimeter droht ihnen der Tod. Der Klimawandel beschert auch den Reben immer höhere Temperaturen und extremeres Wetter. Auf sehr trockene Phasen folgen heftige Niederschläge, es mangelt also an Wasser oder es ist im Überfluss vorhanden. Beides stellt die Winzer vor Probleme.

Wieso bewässert man die Reben nicht bei Trockenheit, könnte man fragen. Das kostbare (Trink-)Wasser wird zunehmend Mangelware, die Grundwasserpegel sinken. Zudem kann Bewässerung zur Versalzung der Böden führen. Und Reben sollten nicht verwöhnt werden, wenn sie Qualitätsweine produzieren sollen. Nur in ihrer frühesten Jugend, wenn ihre Wurzeln noch nicht in die Tiefe gewachsen sind, brauchen sie in trockenen Gebieten Unterstützung mittels Tröpfchenbewässerung.

Bewässern oder Begrünen?

Ökologisch und qualitativ sinnvoller als Bewässern ist es, den Boden und die Reben fit zu machen für die neuen Bedingungen. Wie? Indem man den Humusgehalt im Boden erhöht (mittels Begrünung, Kompost und anderem organischen Material wie gehäckselten Rebtrieben), Bodenverdichtung vermeidet und dafür sorgt, dass sich Mikroorganismen im Boden wohlfühlen. So wappnen sich die Winzer gegen Trockenstress, denn der Humus speichert Regenwasser und Nährstoffe wie ein Schwamm.

Bei fehlender Humusschicht, in Hanglagen und bei sehr heftigen Niederschlägen kann sich der Wassersegen in eine akute Gefahr verwandeln. Wertvolle Erde wird weggeschwemmt, es kommt zu Erosion, im schlimmsten Fall gar zu Erdrutschen, bei denen ganze Rebparzellen verwüstet werden. Sehr gefährdet sind steile Lagen im Tessin, wo das Gewitterrisiko besonders gross ist.

Regen zum falschen Zeitpunkt

Jetzt im Frühling, nach etlichen trockenen Wochen, haben sich die Winzer über den Regen der letzten Tage gefreut. Endlich wurden die Wasserspeicher in den Böden wieder gefüllt. Doch schon bald werden Stossgebete zu Petrus geschickt, denn wenn die Reben blühen – Anfang oder Mitte Juni – sollte es trocken bleiben. Werden die Blüten wegen des Regens nur unregelmässig befruchtet, wird der Ertrag im Herbst deutlich geringer ausfallen.

Umgekehrt im Herbst, vor oder während der Traubenlese: Wenn es jetzt regnet, dann blähen sich die Traubenbeeren auf, ihre Inhaltsstoffe werden verwässert. Die Ernte wird zwar mengenmässig grösser, aber qualitativ schlechter. Zudem steigt die Gefahr von Fäulnis. Gar nicht einfach also, die Sache mit dem Wasser. Nur bei Tisch ist es simpel, denn auch hier gilt: kein Wein ohne Wasser. Den Durst löschen Weinliebhaber nicht mit ihrem Lieblingsgetränk, sondern – mit H2O.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen