Von Visperterminen nach Indien
Technik-Nerds im Rebberg

Drei Freunde, die während der Corona-Pandemie ihren Traum vom eigenen Rebberg realisieren. Und die heute eine jahrhundertealte Weinbautradition mit modernster Technologie verbinden. Ihr Ziel? Die Rettung des kriselnden Schweizer Weinbaus.
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Warum Technik-Nerds plötzlich im Rebberg experimentieren und mit Rebkistchen hantieren.
Foto: zVg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Drei Freunde kaufen eine alte Heida-Parzelle im hochgelegenen Visperterminen VS
  • In Zusammenarbeit mit Hochschulen experimentieren sie mit neuster Technologie im Rebberg
  • Ihr Wein, ein von der St. Jodernkellerei gekelterter Heida, wird nach Indien exportiert
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Eva ZwahlenRedaktorin Wein

«Wir sind seit zwanzig Jahren eng befreundet», erzählt Vikram Bhatnagar, «seit unserer gemeinsamen Internatszeit an der Ecole d’Humanité in Hasliberg.» Benja Begovic ist IT-Spezialist wie Vikram Bhatnagar, Florian Weiss promovierter Chemiker. «Wir sassen während der Pandemie 2021 auf einer Zürcher Dachterrasse zusammen, und plötzlich entstand die Idee, gemeinsam einen Weinberg zu kaufen.» Eine Schnapsidee, wie die Frauen der drei Freunde unisono befanden.

Die drei Weinfreaks liessen sich nicht beirren und fanden eine steile Rebparzelle in Visperterminen, einem der höchsten Weinberge Europas, bestockt mit der alten Weissweinsorte Heida. Doch wie finanziert man derartig kostspielige Verrücktheiten? Ganz einfach: mittels NFTs (Non-Fungible Tokens), fälschungssicheren, digitalen Zertifikaten. Mit dem Kauf einer Patenschaft wurden die Käufer quasi Mitbesitzer des Rebbergs sowie Teil einer exklusiven Community.

Innovatives Crowdfunding

«Wir waren selber baff, wie gut das funktioniert hat», erinnert sich Vikram Bhatnagar. «Innerhalb von 72 Stunden hatten wir das nötige Geld zusammen. Mittlerweile gibt es 73 Mitbesitzer, darunter Schweizer Unternehmen, Universitäten und Hochschulen.» Längst ist das Projekt viel mehr als ein Hobby: Nämlich ein Modell für Rebparzellen, die von betagten Winzern aufgegeben werden, weil sie keine Nachfolger für die schweisstreibende Arbeit finden. Finanziert durch digitale Teilhabe und unterstützt von modernster Technologie, sollen auf diese Weise wertvolle Rebparzellen gerettet werden.

«Florian, Benja und ich verbringen fast jede freie Minute in Visperterminen, auch mein fünfjähriger Sohn ist gern dabei.» Ihr Lehrmeister war und ist Richard Stoffel, der Rebmeister der hochmodernen St. Jodernkellerei in Visperterminen. «Von ihm haben wir alles gelernt, er ist ein grossartiger Mensch und Lehrmeister», kommt Vikram ins Schwärmen, «er garantiert mit seiner Equipe die Kontinuität im Rebberg.» Unvergesslich die erste Weinlese. «Die Trauben haben wir in die St. Jodernkellerei zu Michael Hock gebracht, der für die Vinifizierung zuständig ist. Er hat uns von Anfang an unterstützt.»

Forschung im Rebberg

In ihrem Rebberg lernen die Tech-Nerds nicht nur traditionelle Arbeitsweisen kennen, sondern pröbeln auch an technischen Neuerungen. Testen datengestützte Bewirtschaftung, um gewappnet zu sein für zunehmende Wasserknappheit, neue Rebkrankheiten, Wetterextreme. Etliche Sensoren im Rebberg liefern Daten zu Niederschlag, präziser Bewässerung, drohenden Murgängen oder Krankheitsdruck.

Das Ganze soll nicht nur ein Experiment bleiben. «Wir wollen zeigen, dass man mit unserem Modell auch andere Rebparzellen retten kann, nicht nur in Visperterminen.» Zu guter Letzt wollen die drei Freunde neue Absatzmärkte für Schweizer Weine schaffen. Im Visier haben sie Asien, vor allem den rapide wachsenden indischen Markt. Im November 2025 haben zehn Schweizer Winzer ihre Weine in Mumbai präsentiert – mit Erfolg. Klar, dass auch der Heida unseres Freundestrios dabei war.

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