Darum gehts
- alte Rebstöcke sind wertvoll
- sie können mit Wassermangel und Hitzestress besser umgehen
- ihr Schnittholz ist gefragt für Propfreben für Neuanlagen
35 Jahre nach dem Pflanzen gilt ein Rebstock als alt und kann in die Datenbank «Old Vine Registry» eingetragen werden – sofern sich jemand darum kümmert. Aktuell sind 9406 Weinberge mit insgesamt 37'300 Hektar aus 42 Ländern registriert.
Die Sisyphusarbeit, die 2023 von der britischen Master of Wine und Weinjournalistin Jancis Robinson initiiert wurde, gelingt dank Mitarbeitern auf der ganzen Welt. Sie ermutigen die Produzenten, ihre alten Rebbestände im System zu erfassen.
Wertvoller Genpool
Alte Rebstöcke sind wertvoll, weil sie seit Jahrzehnten Stressbedingungen wie Fröste, Hitze, Dürren und Schädlingsbefall überlebten, und darum als besonders widerstandsfähig gelten.
Werden die alten «Superreben» vegetativ vermehrt, kann für Neupflanzungen auf Rebmaterial zurückgegriffen werden, das widerstandsfähiger ist als moderne Klone.
Emotionale Bindung
Alte Rebstöcke berühren. Wer im Rebberg arbeitet, kennt jeden einzelnen der knorrigen Stöcke. Oft tragen sie nur noch wenige Trauben und sind nicht mehr rentabel.
Im Troodos-Gebirge auf Zypern stehen diese alten Parzellen in schwer zugänglichem Gelände. Sie werden von Winzern gepflegt, die oft nur wenig jünger sind als ihre Reben. Wer eine solche Parzelle übernehmen will, wird sorgfältig in deren Pflege eingewiesen und auf Herz und Nieren geprüft.
Wertschöpfung
Alte Rebbestände sind wertvoll, weil sie oft nicht bewässert werden. Reisst man sie aus und bepflanzt die Parzellen neu, braucht es in trockenen Regionen regelmässige Wassergaben, um die Jungpflanzen über die Runden zu bringen.
Ohne permanente Bewässerung der Rebkulturen geht es in manchen Regionen Spaniens, Portugals oder in Übersee beinahe nicht mehr. Das Registrieren soll den Wert der alten Stöcke und deren Weine ins Bewusstsein der Konsumenten rücken.