Was ist eine Cuvée?
Mischmasch in Rebberg und Keller

Das Pendant zu Weinen aus einer Sorte sind Cuvées. Mit der Kombination verschiedener Rebsorten können Jahrgangsunterschiede ausgeglichen und geschmackliche Akzente gesetzt werden. Spannend wird es, wenn verschiedene Sorten gemeinsam in einen Rebberg gepflanzt sind.
Publiziert: 24.06.2024 um 14:01 Uhr
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Aktualisiert: 25.06.2024 um 08:12 Uhr
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Für den sizilianischen Bodenspezialisten Filippo Buttafuoco hat jede Reb-Parzelle ihre typische Charakteristik. Dieses Wissen hilft beim Zusammenstellen der Cuvée.
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Ursula GeigerRedaktorin Wein

Die Welt kennt Tausende Rebsorten und ebenso viele Anbaugebiete sowie Terroirs. Dazu kommen unterschiedliche Traditionen und Philosophien, auf welche Art das Traubengut in die Flasche gebracht wird. Alle Faktoren ergeben zusammen die Vielfalt, die Weintrinkern Spass macht und für immer neue Entdeckungen sorgt. Eine kleine Auswahl der Varianten zeigen wir dir hier.

Sortenrein

Steht die Rebsorte auf dem Etikett, wie bei Merlot aus dem Tessin oder Arvine aus dem Wallis, muss der Wein zu einem gesetzlich festgelegten Prozentsatz aus dieser Sorte gekeltert werden. In der Regel sind dies 85 Prozent. Dasselbe gilt für Weine eines Jahrgangs. Stammen die Trauben aus einer Lage, darf diese auf dem Etikett stehen.

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Lagenwein

Auf Englisch heisst eine Einzellage «Single Vineyard», auf Französisch «Cru» oder «Clos», sofern der Weinberg von einer Mauer umgeben ist. In solchen Fällen stehen wohlklingende Namen wie «Clos de Vougeot» aus dem Burgund oder «Clos des Moines» (Kanton Waadt) auf den Etiketten. Ist die Lage von offiziellen Stellen oder von Verbänden als besonders gut eingestuft, erhält sie Prädikate wie zum Beispiel «Grosses Gewächs» oder «Grand Cru». Steht auch noch die Sorte mit auf dem Etikett, ergeben sich Bezeichnungen wie «Riesling Grand Cru Rangen Thann Clos Saint Urbain» der Domaine Zind-Humbrecht im Elsass.

Cuvée oder Assemblage

Eine Assemblage oder Cuvée kann aus verschiedenen Rebsorten, aus gleichen Rebsorten von verschiedenen Standorten und beim Champagner gar aus verschiedenen Jahrgängen bestehen. Oft sind mikroklimatische Besonderheiten sowie die verschiedenen Böden der Parzellen Gründe für eine Cuvée. Traubenlese und die Weinbereitung werden spezifisch darauf ausgerichtet. Das Lesegut aus jeder einzelnen Parzelle wird separat gepresst, vergoren, ausgebaut. Der Wein in den Fässern wird immer wieder verkostet und beurteilt.

Vor der Flaschenfüllung werden die verschiedenen Weine assembliert. Mit Messzylinder und Gläsern werden Verschnittproben zusammengestellt und degustiert. Das braucht viel Erfahrung und einen geschulten Gaumen. Nachdem die gewünschten Verhältnisse feststehen, werden die Weine in einem grossen Fass zusammengelegt. Dort ruht die fertige Cuvée noch einige Zeit, bevor sie abgefüllt wird.

Mischsatz

Früher war es üblich, verschiedene Rebsorten gemischt auf eine Parzelle zu pflanzen. Das reduzierte das Risiko von Ertragsausfällen, etwa durch Spätfröste bei frühen Sorten, und sollte auch für konstante Qualität unabhängig vom Witterungsverlauf sorgen. Mit der Melioration, der Zusammenlegung von Parzellen für eine bessere mechanische Bearbeitung, wurde mit dieser Praxis gebrochen.

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Trotzdem gibt es auch noch heute jene alten Rebberge, in denen verschiedene Sorten nebeneinander wachsen. Alle Trauben werden zusammen gelesen und verarbeitet. Eine Renaissance erlebte zum Beispiel der Wiener Gemischte Satz. Für den Weisswein müssen mindestens drei und dürfen bis zu elf Rebsorten in einer Parzelle stehen. Die Spezialität lässt jene Zeit wieder aufleben, als in den Heurigen in Wien-Grinzing kein Grüner Veltliner oder Riesling, sondern ein Krug Weisswein aus der Lage «Nussberg» bestellt wurde.

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