Leicht und unkompliziert
Das steckt hinter dem Begriff «Beerliwein»

Leichtere Weine sind im Trend. Weniger Tannin, mehr Frucht. Weniger Schwere, mehr Easy-to-drink. Damit wäre Beerliwein das ideale Rezept gegen die Flaute im Weinglas junger Erwachsener. Doch sein Image ist etwas aus der Zeit gefallen.
Kommentieren
1/6
Der Kanton Schaffhausen ist Blauburgunderland und war einst eine Hochburg des Beerliweins. Heute wird der Begriff nur noch selten verwendet.
Foto: Schaffhauserland Tourismus / Bruno Sternegg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Beerliwein oder Beerliwy ist eine Typenbezeichnung, die aus den 1920ern stammt
  • Die Rotweintrauben werden vor dem Keltern von den Stielen getrennt
  • Heute ist Beerliwein der Inbegriff für einen fruchtbetonten, unkomplizierten Blauburgunder
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Externe Inhalte
Möchtest du diesen ergänzenden Inhalt (Tweet, Instagram etc.) sehen? Falls du damit einverstanden bist, dass Cookies gesetzt und dadurch Daten an externe Anbieter übermittelt werden, kannst du alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen lassen.
RMS_Portrait_707.JPG
Ursula GeigerRedaktorin Wein

Fragt man Winzer nach Beerliwein winken diese oft ab. Der Begriff sei altmodisch und würde mit Fruchtweinen in Zusammenhang gebracht werden und das wolle man nicht.

Doch halt! Johannisbeeren heissen im Dialekt «Trübeli» und nicht Beerli. Babylonische Verwirrung zieht darum als Argument nicht.

Qualitätbezeichnung

Beerliwein oder Beerliwy ist eine typische Spezialität aus der Deutschschweiz und wurde in den 1920ern als inoffizielle Qualitätsbezeichnung eingeführt.

Damals wurde Blauburgunder zum ersten Mal aus entrappten Trauben gekeltert, sprich die Stielgerüste kamen nicht mit ins Maischefass und schon gar nicht auf die Presse.

Damit wurde verhindert, dass raue, bittere Gerbstoffe in den Wein gelangten. Die pure, reintönige Frucht sollte im Vordergrund stehen. Abbeermaschinen machten dieses Verfahren erst möglich.

Fontänen aus den Korbpressen

Doch die neue Praktik hatte auch ihre Tücken: Wurde die Maische in Korbpressen gekeltert, spritzte es oft ganz fürchterlich, weil die Kämme als Saftablaufkanäle und zum Lockerhalten des Presskuchens fehlten.

Beat Hedinger (64), Winzer und Geschäftsführer des Schaffhauser Blauburgunderlands erinnert sich an Fontänen, die «drei bis vier Meter weit aus den grossen Korbpressen spritzten». 

Idealer Brot-und-Butter-Wein

«Damals wollte man die Herbe aus den Weinen bringen und die Wertigkeit mit dem Begriff Beerliwein hervorheben. Heute werden 90 bis 95 Prozent des Lesegutes entrappt», so Hedinger.

Weil auf das innovative Kelterverfahren nicht mehr hingewiesen werden muss, dient der Begriff «Beerli» heute als Typenbezeichnung für Blauburgunder, die rund eine Woche auf der Maische gären und nicht im Holzfass ausgebaut werden. Kühl serviert schmecken sie zu einem Zvieri-Plättli mit Wurst und Käse. Ein typischer Brot-und-Butter-Wein für jeden Tag.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen