Darum gehts
- Walliser Ernte 2026 begann so früh wie nie zuvor
- Die Trauben sind gesund wenn auch mit wenig Saft
- Düstere Wolken zeigen sich an der Verkaufsfront
Auf der Domaine Besse in Martigny ist eine eingespielte Equipe am Werk, sie ist in diesem Jahr etwas kleiner, denn es geht alles ruckzuck-zackzack.
Der trockene Sommer liess Trauben heranreifen, so makellos wie Fotomodelle. Letztmals ähnlich früh schritt man im Hitzejahr 2003 zur Tat; 2026 dürfte als noch extremeres Jahr in die Annalen eingehen.
Anfang August so reif wie nie zuvor
Messungen Anfang August zeigten ein Reifestadium mit Zuckerwerten, die man bislang nicht für möglich gehalten hatte. Ungläubig wiederholte man sie ein paar Tage später und stellte fest, dass in gewissen Parzellen der Zenit bereits überschritten worden wa; das heisst, man hätte zu diesem Zeitpunkt die Trauben bereits lieber im Keller gewusst – aber die Leute waren ja noch in den Ferien.
Erst Gamay, dann Chasselas
Auf der Domaine Gérald Besse begann man am 18. August mit dem Ernten von Gamay und Fendant aus der besonders exponierten Lage St. Théodule, und bald schon folgten Pinot noir und Cornalin mit Zuckerwerten von über 100 Öchslegraden, die täglich um zwei bis drei Grad zunahmen.
Die Kelterung hat Kellermeisterin Sarah Besse den aussergewöhnlichen Bedingungen angepasst. Trauben und Moste werden gekühlt, bei den Weissweinen verzichtet man ohnehin auf den biologischen Säureabbau, sodass die Frische akzentuiert wird. Und vermutlich wird weniger die Methode der Bâtonnage eingesetzt, das Aufrühren der Hefe, was den Wein geschmeidiger macht.
Schwierige Grosswetterlage
Spitzenweingüter wie die Domaine Gérald Besse in Martigny sind am Markt nach wie vor gut positioniert. Parzellen von Nachbarn wurden allerdings in diesem Jahr nicht mehr bewirtschaftet; es fehlt die Gewissheit, dass die Trauben auch Abnehmer finden.
Wie angespannt die Situation ist, dokumentiert die Tatsache, dass der Branchenverband der Walliser Weine beschlossen hat, auf eine Festlegung eines Richtpreises für die diesjährige Traubenernte zu verzichten, ein Novum für den grössten Weinbaukanton der Schweiz. Der Markt erlaube qualitätsunabhängig keine angemessene Bezahlung mehr.