Darum gehts
- Der Muscadet wird aus der Sorte Melon de Bourgogne gekeltert
- Er ist ein spritziger, frischer Wein mit schöner Säure und mineralischen Noten
- Darum passt er perfekt zu Muscheln und Krustentieren
Von Weinschreiberinnen wird erwartet, dass sie in ihren Ferien durch die Weinregionen der Welt streifen. Ein Problem für Bretagne-Liebhaberinnen. Denn hier in Breizh, wie die Bretagne auf Bretonisch heisst, gedeihen Artischocken, rote Zwiebeln und die besten Erdbeeren der Welt, hier werden köstliche Meerestiere gefangen und der sympathisch-rustikale Apfelwein Cidre produziert. «Richtigen» Wein dagegen keltert so gut wie niemand.
Doch keine Angst, Bretagnereisende sitzen nicht auf dem Trockenen, denn die Loire ist nicht weit! An den Ufern des über 1000 Kilometer langen Flusses findet man etliche spannende Weine. Das Weingebiet, das der Bretagne am nächsten liegt, ist das Pays Nantais. Quasi vor den Toren der bretonischen Kulturstadt Nantes und nur etwa 60 Kilometer von der Stelle entfernt, wo die Loire bei Saint-Nazaire in den Atlantik mündet, wächst einer der beliebtesten Weissweine Frankreichs: der Muscadet.
Der unterschätzte Star
Mit über 13'000 Hektar Reben gehört die Gegend zu den grössten Weingebieten des Landes. Schon unter den Römern wurde hier Wein angebaut, seit dem 16. Jahrhundert auch die Sorte, aus welcher der Muscadet gekeltert wird. Der Melon, auch Melon de Bourgogne, Plant de Bourgogne oder schlicht Muscadet genannt, soll nach dem schlimmen Frost von 1709 andere Varietäten verdrängt haben, weil er sich als frostresistent erwiesen hat. Heute dominiert er die Region von Nantes unangefochten, während er im Burgund kaum mehr zu finden ist. Trotz der Namensähnlichkeit ist er nicht mit Muskateller verwandt.
Der Melon ergibt in der Muscadet-Region tänzerisch-beschwingte, knackige Weine mit angenehm wenig Alkohol, frischer Spritzigkeit, lebhaften Zitrusnoten und mineralischen Akzenten. Oft wird er «sur lies», also auf den Feinhefen, ausgebaut, was ihm eine verblüffende Komplexität verleiht. In der Regel trinkt man einen Muscadet jung, einzelne Spitzenweine können aber bis zu zehn Jahre vorteilhaft reifen. Ein Wein mit Starqualitäten also, der bei uns leider schwer zu finden ist.
Ein Tausendsassa
Die leichte Salzigkeit im Abgang prädestiniert den Muscadet als Begleiter von Meerestieren; nirgends sind sie frischer als am Atlantik. Zu Austern ist er der Knaller schlechthin, auch andere Muscheln, Krustentiere und Fische begleitet er mit französischer Eleganz. Selbst für den Apéro ist er erste Wahl, schon wegen seines geringen Alkoholgehalts. Serviert man dazu noch die beliebten Fisch-Rillettes (Brotaufstrich aus eingemachtem Fisch, z. B. Makrelen oder Sardinen), ist die Glückseligkeit vollkommen.
Doch damit nicht genug: Probieren Sie einen Muscadet zu Spargeln – Sie werden entzückt sein! Auch zu Zwiebelkuchen oder Gemüse aus dem Backofen, garniert mit einem überbackenen Chèvre (Ziegenkäse), passt er hervorragend. Selbst Geflügel oder Käse, ja sogar Kalbfleisch kommen in seiner Begleitung bestens zur Geltung. Er ist schlicht und einfach ein vielfältiger Gute-Laune-Wein!