Darum gehts
- Die im Wein enthaltenen Mineralstoffe haben keinen Geschmack
- Trotzdem wird «mineralisch» im Weinjargon oft verwendet
- Der Begriff beschreibt oft Weine, die säurebetont und straff sind
Wenn die Aromatik über Frucht, Gewürz, Blüten und Röstnoten hinausgeht und da etwas ist, das sich nicht genau einordnen lässt, dann hat der Wein ein «Bodengfährtle». Man begibt sich auf die Fährte nach dem Boden, auf dem die Trauben gewachsen sind. Daher der Name.
Eine liebevolle Beschreibung, die heute durch den inflationär verwendeten Begriff «mineralisch» ersetzt wurde. Steht «mineralisch» in der Weinbeschreibung, wissen Weintrinkerinnen und Weintrinker nichts damit anzufangen. Bei Experten, die alles wissenschaftlich sezieren, schnellt hingegen der Puls in die Höhe.
Wissenschaftlich schwer belegbar
Wissenschaftliche Beweisführungen zur Mineralität im Wein haben einen gemeinsamen Nenner: Im Wein enthaltene Mineralstoffe wie Kalium, Magnesium oder Kalzium sind nicht schmeckbar. Man kann an vielen Steinen lecken, der einzige, der wirklich Geschmack hat, ist der Salzstein.
Die Feuerstein-Note entpuppt sich als leichte Reduktion, die charmant nach Zündhölzli riecht. Die schmeckbare Salzigkeit in Weissweinen stammt aus einem Nebenprodukt der alkoholischen Gärung. Oder allenfalls aus den feinen Salztröpfchen der Meeresbrise, die auf den Trauben zu Salzkristallen werden und in die Wachsschicht der Beeren aufgenommen werden.
Magie des Ortes
Sicher kann Wein nach nassem Asphalt duften, nachdem ein Sommerregen Abkühlung gebracht hat. Petrichor heisst der Begriff dafür. Doch wer möchte das in einer Weinbeschreibung lesen?
Böden prägen Weine anders. Ihre Struktur beeinflusst die Wasserspeicherkapazität, den Raum für die Rebwurzeln und ob sie sich leicht erwärmen. Das hat Einfluss auf Traubenreife und Aromatik.
Wenn Winzerinnen und Winzer Trauben aus speziellen Lagen separat keltern, ausbauen und abfüllen hat das mehr mit der Magie des Ortes und sorgfältigem Handwerk zu tun als mit der Mineralität.