Das Glas Wein nach der Sitzung
Apéro — Schweizer Lebensgefühl und gesellschaftlicher Kitt

Der Apéro ist nicht wegzudenken aus unserem Alltag. In der Westschweiz, wo der grosse Teil des Schweizer Weins angebaut wird, erst recht nicht. Der Apéro ist nämlich ein nicht zu unterschätzendes gesellschaftliches Schmiermittel.
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Ein Apéro ist immer geselliges Beisammensein, ein Glas Wein, Häppchen… einfach ein gutes Lebensgefühl!
Foto: Getty Images

Darum gehts

  • Wir Schweizer haben den Apéro zwar nicht erfunden, aber perfektioniert.
  • Zum Apéro gehören zwingend feine Häppchen.
  • Der Apéro bringt Menschen in geselliger Runde zusammen.


Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Eva ZwahlenRedaktorin Wein

Gehen wir noch zum Apéro? Ob unter Kollegen nach Arbeitsschluss, unter Freundinnen zum Auftakt eines fröhlichen Abends oder unter Politikern nach einer Sitzung – der gemeinsame Apéro gehört in der Schweiz einfach dazu.

Ein kostbarer Moment der Entspannung, des Zusammenseins, der angeregten Gespräche. Viel mehr als nur ein Glas Wein!

Apéro ist nicht gleich Apéro

Unter Aperitif versteht man nicht überall dasselbe. In Frankreich und Italien wird zum Apéro eher ein Pastis oder ein Wermut geschlürft.

In der Schweiz dagegen steht Weisswein, mit Vorliebe aus Chasselas oder Riesling-Sylvaner gekeltert, an erster Stelle. Ebenfalls beliebt ist Schaumwein, etwa Prosecco, Cava oder ein einheimischer Schäumer.

Apéro ohne Häppchen? Non, merci!

Was unbedingt zu einem waschechten Schweizer Apéro gehört, sind ausgesuchte Häppchen. Nicht nur profane Nüssli oder Chips, sondern knuspriges Blätterteiggebäck, Gemüsestängeli mit Dipp oder Minisandwiches.

In der Westschweiz gibt es keinen anständigen Apéro ohne Käse (Etivaz, Gruyère, Tomme) oder Fleischpastetchen, im Wallis wird garantiert feines Trockenfleisch aufgetischt, im Tessin Bruschetta und Salami. Es gibt ganze Bücher zur Kunst der Zubereitung von Apérohäppchen. Je reichhaltiger so ein Apéro riche wird, desto eher ersetzt er eine Mahlzeit. 

Der Apéro als Politikum

Doch das Allerwichtigste ist und bleibt immer das gesellige Zusammensein, das Reden über Gott und die Welt, über alle Sprachgrenzen und politischen Gräben hinweg.

Gross war die Aufregung kürzlich im Waadtländer Kantonsparlament, als ein junger Grossrat der Grünen (grün hinter den Ohren, wie da sicherlich der eine oder die andere Ratskollegin murrte) Unerhörtes forderte: eine Promillegrenze von 0,5 im Rat. Und das in der Waadt, wo der Apéro heilig ist!

Gewiss: Von betrunkenen Politikern möchte sich niemand vertreten lassen. Doch vielleicht sollten politische Gegner häufiger dem guten alten Brauch des gemeinsamen Apéros frönen. Das würde zumindest für einen angenehmeren Umgangston sorgen. Und verhärtete Fronten aufweichen… In diesem Sinn: Santé!

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