Darum gehts
- Herkunftsbezeichnungen samt Produktionsregeln schützen vor Fälschungen im Weinbusiness
- Allerdings stiftet die steigende Zahl an Bezeichnungen oft mehr Verwirrung als Durchblick
- Doch amüsant sind die Lagennamen allemal, besonders in Deutschland
Jedes Weinland hat seine eigenen Bezeichnungsregeln. Grob unterschieden wird zwischen dem romanischen System mit den kontrollierten und geschützten Herkunftsbezeichnungen (AOC, DO, DOC, DAC) und der «Qualität im Glas» (Qualitätswein, Kabinett, Spätlese, etc.), die sich nach dem Zuckergehalt der Trauben zum Zeitpunkt der Lese richtet.
In Deutschland zum Beispiel ist es eine Kombination aus beidem: Kröver Nacktarsch Riesling Spätlese. Dazu kommt noch die Regionen-Bezeichnung: Prädikatswein Mosel. Das Prädikat ist in diesem Fall «Spätlese».
Herkunftsgebiet
In Italien gibt es über 300 DOC-Gebiete, in Österreich sind es 18 DACs (Districtus Austriae Controllatus), Deutschland kennt 13 Anbaugebiete und in der Schweiz tummeln sich auf 14'500 Hektar Rebfläche 62 AOCs (Appellation d'Origine Contrôlée) und sechs Regionen für Landwein.
Die Regeln in den kontrollierten und geschützten Herkunftsgebieten bestimmen unter anderem, welche Sorten zugelassen sind, ob oder wann die Reben bewässert werden dürfen, wie hoch der Zuckergehalt der Traube bei der Lese sein muss und wann der fertige Wein frühestens in den Verkauf kommen darf.
Rebberg-Lagen
In Deutschland gibt es über 2'600 Lagen, die in Verbindung mit dem Ortsnamen genannt werden. Die berühmte Mosellage «Nacktarsch» wird immer in Verbindung mit dem Weinort Kröv genannt. Das gilt auch für die «Zeller Schwarze Katz», ebenfalls an der Mosel.
Die Bezeichnungen von Rebbergen orientieren sich an Flurnamen, die aus dem Volksmund stammen. Meist stecken amüsante Geschichten dahinter, die bei Weinproben gerne erzählt werden.
In Italien werden Lagenbezeichnungen immer populärer. 86 Einzellagen oder UGA (Unità geografica Aggiuntiva) dürfen ab dem Jahrgang 2024 in Südtirol auf den Etiketten genannt werden. MGA (Menzioni Geografiche Aggiuntive) heissen die Einzellagen im Piemont. Für Barolo sind es über 160, für Barbaresco um die sechzig.
In Frankreich sind es die «Lieu-dits», die eine bestimmte Parzelle bezeichnen. Zu diesem Zweck kann auch «Climat», «Côte», «Clos» oder «Cru» auf dem Etikett stehen.
Mönche, Wissenschaftler, Steuerbehörden und gekrönte Häupter
Manche Rebberge werden besser bewertet als andere. Das ist abhängig vom Gelände, von der Sonneneinstrahlung, vom Klima, von den Weinbergsböden oder von der historischen Wertschätzung. Die ersten, die ihre Lagen bewerteten, waren die Mönche im Burgund. Sie dokumentierten die Besonderheiten ihrer Rebberge und deren Weine.
Ein paar Hundert Jahre später ging der Naturwissenschaftler Jules Lavalle im Burgund systematisch vor und an der Mosel klassifizierten die Preussen im frühen 19. Jahrhundert die Lagen zwecks Steuerberechnung. Im Médoc (Bordeaux) erhielten die Châteaus und deren Rebberge ihre Klassifizierung auf Anregung von Napoleon III anlässlich der Weltausstellung in Paris im Jahr 1855. Diese Klassifizierung wurde seither nicht mehr angetastet.
Grand Cru aka grosses Gewächs
Grand Cru heisst übersetzt grosses Gewächs. Seit 2003 kennzeichnet dieser Begriff die Spitzenlagen des «VDP.Die Prädikatsweingüter» in Deutschland. Der Vereinigung sind 199 Produzenten angeschlossen. Ein Riesling Grosses Gewächs ist demnach die höchste Qualitätsstufe für einen trockenen Wein und stammt aus einer klassifizierten Lage.
Ist der Wein mit Restzucker ausgebaut, greifen immer noch die Prädikate Spätlese bis Trockenbeerenauslese. Mittlerweile sind die Bezeichnungen in der Weinwelt so komplex, dass sich Literatur zum Thema oder eine Lagen-App definitiv lohnt — oder man geniesst das Glas Wein und macht sich keinen Kopf über den Bezeichnungsdschungel.