Experten schlagen Alarm
Wird es der Sorte Merlot im Tessin zu heiss?

Nach der Reblauskatastrophe war Merlot vor 120 Jahren die Rettung für die Tessiner Weinwirtschaft. Heute hat die aus Bordeaux stammende Sorte mit steigenden Temperaturen zu kämpfen.
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Rebberge in Bellinzona.
Foto: Shutterstock

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • 80 Prozent der Tessiner Rebfläche sind mit Merlot bepflanzt
  • Doch steigende Temperaturen und Wassermangel machen der Sorte zu schaffen
  • Mit der Züchtung neuer Klone soll das Problem gelöst werden
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Ursula GeigerRedaktorin Wein

Von den 1115 Hektar Reben im Tessin (Stand 2025) sind knapp 80 Prozent mit Merlot bestockt. Das war nicht immer so. Vor der Mehltau- und Reblauskrise betrug die Rebfläche im Tessin 8000 Hektar und in den Parzellen stand ein bunter Mix einheimischer Rebsorten. Merlot war nicht darunter.

Nach der Krise suchte man Sorten, die mit dem Klima und den Bodenverhältnissen im Tessin zurechtkamen. Die Merlot-Stöcke aus Bordeaux erwiesen sich im Versuch als vielversprechend und 1906 wurde aus ihren Trauben der erste Wein gekeltert. Innert vierzig Jahren war Merlot im Tessin etabliert.

Hitze setzt Merlot zu

Was 120 Jahre lang ein Erfolgsgarant war, gerät heute unter Druck. Grund dafür seien die seit 1999 konstant ansteigende Temperaturen im Tessin sowie weniger Regen im Sommer, sagt Rebenforscher José Vouillamoz.

«Merlot ist eine frühe Sorte, in heissen Sommern reifen die Trauben zu schnell. Der Zuckergehalt schiesst in die Höhe und die Säure sinkt. Aber die Gerbstoffe können mit diesem Tempo nicht mithalten und reifen weniger gut aus. Kommt dann noch Wassermangel dazu, können die Trauben bitter werden», erklärt Vouillamoz das Dilemma. 

Klonen Forschung

Wenn Merlot in zwanzig bis dreissig Jahren für das Klima im Tessin nicht mehr geeignet ist, was dann? Vouillamoz plädiert für mehr Klonen-Forschung. Klone werden nach ihrer Anpassungsfähigkeit an Böden und Klima ausgewählt und vermehrt.

Agroscope, die landwirtschaftliche Forschungsanstalt des Bundes, hat bereits fünf neue Klone auf den Weg gebracht, die mit den steigenden Temperaturen besser zurechtkommen als bisherige Klone.

Bordeaux-Blends

Einen anderen Lösungsansatz hat Paolo Basso. Für den Sommelier liegt die Zukunft der Tessiner Weine im klassischen Bordeaux-Blend aus Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Merlot.

Alle drei Sorten sind eng miteinander verwandt und «Trauben aus einer Familie zu assemblieren, ist immer positiv», meint Basso, der im Tessin selbst Wein produziert. Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc brächten mehr Säure und Struktur, während Merlot den Wein weicher mache.

«Sottobosco», einer der ersten Bordeaux-Blends im Tessin, wurde in den 1990ern von Meinrad Casimir Perler (1937–2025) lanciert, der 1981 seiner Karriere in der Finanzwelt den Rücken kehrte, das Bauerngut Tenimento dell'Ör in Arzo kaufte und wieder auf Vordermann brachte. Perler arbeitete mit den klassischen Bordeauxsorten und baute die Weine im Barrique aus.

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