Darum gehts
- Die weisse Humagne, auch Humagne blanc oder Humagne blanche genannt, ist eine der ältesten Walliser Rebsorten
- Der aus ihr gekelterte Wein wird auch Wöchnerinnen- oder Hebammenwein genannt, weil er als stärkend galt und den Frauen im Wochenbett gereicht wurde
- Die Humagne ergibt rare, sehr elegante und komplexe Weissweine
Die weisse Humagne ist eine der ältesten Rebsorten der Schweiz. Zum ersten Mal erwähnt wurde sie als «Humagny» im Jahr 1313 im berühmten Register von Anniviers. Das allein macht sie schon zu einer Besonderheit. Sie wird ausschliesslich im Wallis angebaut, heute auf knapp 26 Hektar.
Zusammen mit der Rèze oder Resi war sie im Mittelalter und bis weit in die Neuzeit hinein eine der am meisten kultivierten Sorten am Oberlauf der Rhone, doch dann wurde sie durch pflegeleichtere und produktivere Sorten ersetzt, vor allem durch Fendant. Um ein Haar wäre sie ausgestorben.
Ein perfekter Gastronomiewein …
Die Humagne, auch Humagne blanc oder Humagne blanche genannt, darf nicht verwechselt werden mit der Humagne rouge, mit der sie nicht im entferntesten verwandt ist. Die weisse Humagne ergibt exzellente, knochentrockene Weine voller Finesse und Eleganz. In der Nase bezaubert sie mit Anklängen von Lindenblüten und Harz, im Gaumen weist sie eine feine Säure- und Tanninstruktur auf.
Mit zunehmendem Alter wird sie immer tiefgründiger und komplexer. Das macht sie zu einem idealen Essensbegleiter. Und zum Wein für besondere Gelegenheiten wie Geburtstage, Hochzeiten oder Taufen. Sie passt zu edlen Vorspeisen ebenso gut wie zu Süsswasserfischen, weissem Fleisch oder Käse.
… und ein Heiltrank für geschwächte Wöchnerinnen
Dreimal mehr Eisen als andere Weine soll die Humagne enthalten, davon war man in früheren Zeiten überzeugt. Deshalb hielt man sie für prädestiniert, Wöchnerinnen (und vielleicht auch deren Hebammen) zu stärken. Die Humagne lindere Schmerzen, stärke den gesamten Körper und gebe neues Blut, hiess es. Die Frauen im Wochenbett tranken die Humagne oft vermischt mit Gewürzen und Heilkräutern oder als Brotsuppe. Bis zu einem Liter pro Tag, so lautete die grosszügige Empfehlung.
Das mit dem Eisen entpuppte sich bei späteren Untersuchungen als reines Gerücht. Doch im Wallis ist es nach wie vor Brauch, einer jungen Mutter nach der Geburt ihres Kindes eine Flasche Humagne zu schenken. Bisweilen trinkt allerdings der frischgebackene Vater den Wein, der ihm nach den Strapazen der Geburt frische Lebenskräfte einhaucht. Reinste Medizin!