Darum gehts
- Ein Startup entwickelt Alcolase, ein Nahrungsergänzungsmittel gegen Alkoholunverträglichkeit.
- 540 Millionen Menschen, vor allem in Ostasien, haben genetisch bedingt Schwierigkeiten mit dem Abbau von Alkohol im Körper
- Das Nahrungsergänzungsmittel soll in Singapur und Südkorea auf den Markt kommen
Trinken wir Wein, dann baut ein Enzym in unserem Körper Alkohol zu Acetaldehyd um. Anschliessend wird Acetaldehyd – das übrigens auch natürlich in reifen Früchten vorkommt – durch das Enzym ALDH2 schnell in Essigsäure umgebaut. Essigsäure hat keine nachteilige Wirkung auf unseren Körper und unser Wohlbefinden.
Wer zu viel trinkt und am nächsten Tag durch einen Kater ausser Gefecht gesetzt ist, leidet unter den Folgen zu grosser Mengen Acetaldehyd im Körper, die das Enzym ALDH2 mit dem Umbau des Stoffes überfordern.
Genetisch bedingter Enzymmangel
Nicht alle Menschen verfügen über ALDH2, erklärt Mikkel Precht, Mitgründer und heutiger CEO des Startups, auf die schriftliche Anfrage von Blick: «Ein ALDH2-Mangel ist ein genetisch bedingter Enzymmangel, von dem etwa 540 Millionen Menschen betroffen sind, vorwiegend solche mit ostasiatischer Abstammung. Trinkt jemand mit diesem Mangel Alkohol, baut sein Körper Acetaldehyd, ein giftiges Nebenprodukt des Alkoholstoffwechsels, nur langsam ab. Diese Anreicherung verursacht die mit Alkoholunverträglichkeit verbundenen Symptome wie Hautrötungen, Übelkeit und Unwohlsein, und Acetaldehyd selbst ist als krebserregender Stoff der Gruppe 1 eingestuft.»
Und genau hier setzt die Arbeit des 2020 gegründeten Unternehmens «Alcolase» an. Die Idee hatten die Gründer während der Corona-Zeit in einem Studentenwohnheim. Das Know-how in Biochemie war da. Begegnungen mit Menschen, die unter dem Enzymmangel leiden, bestärkten die drei in ihrem Entschluss, in diesem Bereich zu forschen, und ein Nahrungsergänzungsmittel auf den Markt zu bringen, das den Abbau von Acetaldehyd möglich macht.
Nahrungsergänzungsmittel für den moderaten Konsum
«Viele dieser Menschen trinken trotzdem Alkohol, sei es bei einem Geschäftsessen in Seoul oder einem Familientreffen in Singapur. Die Entscheidung zu trinken, liegt bei ihnen. Für jene, die sich dagegen entscheiden, ist das wachsende Angebot an alkoholfreien Alternativen eine gute Sache. Für diejenigen, die bereits trinken, gab es bisher kein Produkt, das auf ihre Situation zugeschnitten ist», erläutert Precht die Motivation der drei Gründer.
Alcolase enthält das ALDH2-Enzym und wird, wie viele andere Nahrungsergänzungsmittel auch, in Liposomen eingekapselt. Vor dem Genuss von Alkohol eingenommen, bauen die Enzyme Alkohol innerhalb dieser Liposomen im Magen ab.
Keine Kater-Prophylaxe
Schlaumeier, die jetzt meinen, mit Alcolase liessen sich Hangovers nach feuchtfröhlichen Feiern vorbeugen, erteilt Mikkel Precht eine klare Absage: Alcolase werde ausschliesslich für den moderaten Konsum konzipiert. Wer zu viel trinkt, wird weiterhin mit einem Kater bestraft und schadet seiner Gesundheit.
Das Konzept überzeugte auch Investoren, die das Startup mit 1,37 Millionen Franken finanzieren. 540 Millionen Menschen den Zugang zu moderatem Alkoholkonsum ohne «Nebenwirkungen» zu ermöglichen, ist ein cleveres Geschäftsmodell und dürfte auch die Weinindustrie interessieren. Alcolase soll zuerst in Südkorea und Singapur auf den Markt kommen.