Darum gehts
- Italien besitzt rund 500 alte Rebsorten, die noch (oder wieder) vinifiziert werden
- Eine davon ist die rote Rarität Ruchè aus der Provinz Asti
- Der aus ihr gekelterte Wein betört mit blumigen Aromen
Es gibt eine Weinwelt jenseits von Chardonnay und Cabernet Sauvignon. Womit nichts gegen die beiden beliebten Varietäten gesagt sein soll. In einer auch kulinarisch immer gleichförmigeren Zeit ist es allerdings erfrischend, Weine zu probieren, die kaum jemand kennt und die eine Geschichte zu erzählen haben. Und die oft anders schmecken als gängige Sorten.
In Sachen autochthone (= einheimische) Rebsorten ist Italien unangefochtener Weltmeister. Immerhin wird auf dem Stiefel seit mehr als 3000 Jahren Weinbau betrieben. Über 500 aus Italien stammende Sorten, von A wie Aglianico bis Z wie Zibibbo, werden heute noch vinifiziert. Einige von ihnen wie Sangiovese, Nebbiolo oder Barbera haben es zu weltweitem Ruhm und Ansehen gebracht, andere verblüffen gar Kenner.
Von Don Giacomo gerettet
Eine der unbekannteren Sorten ist Ruchè, eine alte Rotwein-Varietät aus dem Piemont. Vermutlich liegt ihr Geburtsort in der Region Castagnole Monferrato, in der Provinz Asti. Dass sie aus dem Burgund eingewandert sein könnte, wie da und dort zu lesen ist, hält der Schweizer Ampelograf José Vouillamoz für sehr unwahrscheinlich. Gegen einen Burgunder Ursprung spreche nicht zuletzt, dass sie fast ausschliesslich rund um Castagnole Monferrato kultiviert werde.
Um ein Haar wäre der Ruchè ausgestorben. Was Don Giacomo Cauda glücklicherweise zu verhindern wusste. Als der Geistliche in den 1970er-Jahren nach Castagnole Monferrato kam, entdeckte er, dass zu seiner neuen Pfarrei auch ein Rebberg gehörte, bestockt mit der geheimnisvollen Sorte Ruchè… Das war der Anfang der Renaissance dieser Rarität, die seit 2010 eine eigene DOCG (kontrollierte und garantierte Herkunftsbezeichnung) besitzt. Meistens wird sie reinsortig ausgebaut, darf aber mit maximal 10% Barbera oder Brachetto verschnitten werden.
Blumig und würzig zugleich
Wer an einem reinsortigen Ruchè schnuppert, ist geflasht: Intensive florale Noten, die an Veilchen und einen Riesenstrauss Rosen denken lassen, begleitet von fruchtigen Akzenten (Sauerkirschen, Waldbeeren, Aprikosen) und würzigen, pfeffrigen Anklängen, umschmeicheln die Nase. Im Gaumen gefällt er mit molliger Fülle, getragen von weichen Tanninen und geprägt von charaktervoller Aromatik.
Naturgemäss passt dieser Wein am besten zu den köstlichen Spezialitäten der Piemonteser Küche, etwa zu mit Fleisch gefüllten Agnolotti oder zu einem währschaften Brasato. Ruchè-Retter Don Giacomo beschrieb «seinen» Wein so: «Er hat einen perfekten Körper und eine harmonische Balance aus einzigartigen Geschmacks- und Duftnoten. Massvoll genossen, öffnet er Geist und Seele.» Wenn das kein Versprechen ist…