Darum gehts
- Franciacorta ist Italiens prestigeträchtigster Schaumwein
- Erfunden wurde er 1961
- Die Schweiz importiert die grössten Mengen
Was den Franzosen der Champagner, das ist den Italienern der Franciacorta. Das kleine Anbaugebiet beim Lago d'Iseo unweit von Brescia geniesst seit 1995 den DOCG-Status.
Heisst ein Wein Franciacorta, so ist er per Definition ein flaschenvergorener Schaumwein. Die Schweiz importierte im vergangenen Jahr 550’000 Flaschen, so viel wie nie zuvor, das entspricht mehr als einem Fünftel aller Exporte.
Aus der Not geboren
Die Erfindung dieses Weins ist eine einzige Erfolgsgeschichte, und wer sie liest, meint, einem Märchen zu folgen. Zwei Figuren treffen aufeinander: Guido Berlucchi, Gutsherr mit einem kleinen Rebberg, und Franco Ziliani, ein junger Önologe, der meint, aus Berlucchis Trauben könne man mehr machen als einen harmlosen Landwein, der bereits nach wenigen Monaten oxidiert ist. Aber was denn?
Die beiden reisen nach Frankreich, dorthin, wo die besten Weine wachsen: ins Burgund, ins Bordelais und in die Champagne. Von nichts sind sie so begeistert wie vom Champagner. Da Franco Ziliani in Alba studiert hat, sind ihm die technischen Kniffe bei der Spumantisierung nicht unbekannt.
Aus den Pinot-nero-Trauben von Berlucchis Weinberg füllen sie 1961 die ersten 3000 Flaschen ab. Drei Jahre später werden sie als Pinot di Franciacorta angeboten. Peu à peu steigert sich die Produktion, und heute stellt das Unternehmen Berlucchi allein von seinem wichtigsten Produkt, der Cuvée Impériale, jährlich mehrere Millionen Flaschen her.
Boom ohne Ende
Der wachsende Erfolg ruft Nachahmer auf den Plan. Ab Mitte der 1970er-Jahre beginnen immer mehr Weingüter, einen Teil ihrer Trauben zu versekten. In den 1980er-Jahren tauchen Industrielle auf, kaufen Güter, investieren in Kellereien, legen Rebberge an. Heute stehen 3600 Hektar in Produktion, 79 Prozent sind mit Chardonnay bestockt, 18 Prozent mit Pinot noir, der Rest entfällt auf Pinot blanc und Erbamat, fast alles wird von 120 Kellereien versektet.
Erbamat als zusätzliche Würze
Der Grossteil der Produktion entfällt auf den Franciacorta Brut, bei dieser Abfüllung beträgt die minimale Hefelagerung 18 Monate. Weiter gibt es die Kategorien Satèn mit längerer Hefelagerung und weniger Kohlensäure, Rosé, Millésimato und Riserva.
Wiederentdeckt wurde die Sorte Erbamat; es gibt davon erst wenige Bestände, sodass in Zürich nur zwei Franciacorta mit einem kleinen Anteil dieser weissen Varietät verkostet werden konnten, die Cuvée Franciacorta 45° von Mosnel und die von Castello Bonomi, Brut Nature Cuvée 1564, Jahrgang 2018.
Erbamat trägt in beiden Abfüllungen zu Frische und Knackigkeit bei, die fortgeschrittene Schaumweinliebhaber suchen und schätzen.