Darum gehts
- Restaurantbesucher klagen über ungezogenes Verhalten von Kindern und nachlässige Eltern
- Fünfjähriger zerstörte 2025 Teile einer Baustelle nahe dem Lokal
- Edellokale und Gäste fordern teils ein Kinderverbot, Vorschlag: Benimmparcours für Eltern
Einfache Antwort: Nein, nicht die Kinder nerven. Sondern Eltern, die nicht fähig sind, den Raum zu lesen, und ihre Brut wüten lassen wie Piraten.
Wie kürzlich in unserem Lieblingsrestaurant. Familiengeführt, einfaches Essen, unkomplizierte Atmosphäre. Kompliziert wird es, wenn dieser «Sidian» mit seinen Laissez-faire-Eltern wieder mal da ist. Keine Ahnung, was der zum Zmorge bekommt. Aufführen tut er sich jedenfalls, als hätte er sich zwei Liter Energydrink reingepfiffen.
Schwierig. Für alle Beteiligten. Ausser für die Eltern. Sie gehören zur Spezies urban, progressiv und pseudotolerant. Solche, die gerne anderen erklären, wie die Welt zu funktionieren hat. Aber mit ziemlich weltfremden Fantasien. Den öffentlichen Raum sehen sie gerne als Erweiterung ihrer Wohnstube.
Fünfjähriger zerlegt Baustelle
Die Gäste des Restaurants mit Tischen im Freien haben diesen Fünfjährigen und seine kleine Schwester schon oft erlebt. Als letztes Jahr die Strasse saniert wurde, hat er die halbe Baustelle zerlegt. Absperrungslatten heruntergerissen und Warnlampen in die Grube geworfen. Zirkusreif.
Der Vater – und das ist typisch – bleibt sitzen und ruft phlegmatisch vom Tisch aus, damit es ja alle mitbekommen: «Du, das find i jetzt aber nid so guet. Weisch, dr Baustelle-Maa bruucht die Lampe no. Wötsch nid lieber zu uns cho?» Der Zappelphilipp hat vermutlich nur Kauderwelsch gehört. Und folgt natürlich kein bisschen.
Jetzt ist die Strasse verkehrsberuhigt. Die Tische stehen quasi auf der Fahrbahn. Heisst für die Progressiv-Eltern: Jetzt breiten wir uns erst recht aus. Die Kinder liegen bäuchlings auf dem blanken Asphalt und schauen Trickfilme auf Mamas Handy. Die Freundin des Elternpaars schreckt auf, als ein SUV heranrollt. «Du, i finds nid guet, i hol d Kinder do wäg, bevor sie überfahre wärde!» Die SUV-Lenkerin sieht die Kleinen im letzten Moment, bremst abrupt und schüttelt heftig den Kopf.
Fangis zwischen Tischen, Essen auf dem Boden
So geht es heiter weiter. Die Kinder spielen Fangis zwischen den Tischen, werfen Essen auf den Boden, kreischen, fallen um und heulen in Sirenenlautstärke. Einziger Einwurf der Mutter: «Du, i finds nid optimal, die Lüt wänd villicht in Rueh ässe. Ihr söttet scho luege, dass dir d Privatsphäre vo de Erwachsene respektiere tüend.»
Sie selbst sieht sich logischerweise als ultrasorgsame Supermama. Damit wir auch alle davon überzeugt sind, inszeniert sie den nächsten Akt: Zähneputzen. Sie schreitet zur Kleinen, die sich einen freien Tisch gekapert hat, und schrubbt ihr die Zähne trotz heftiger und lautstarker Gegenwehr. «Du, i finds nid guet …»
Ab und zu fordern Edellokale oder deren pikierte Gäste ein Kinderverbot im Restaurant. Das ist Unsinn. Besser wäre ein spielerischer Test beim Eingang. So ein kleiner Benimmparcours für Eltern. «Du, das fänd i no guet!»