Darum gehts
- Der Matcha-Hype im Westen führt zu Produktknappheit und steigenden Preisen in Japan
- Die japanischen Bauern kämpfen mit einer starken Nachfrage – mittlerweile ist der Verkauf pro Person begrenzt
- Matcha aus anderen Ländern ist oft minderwertig; der Begriff ist rechtlich nicht geschützt
Können wir uns jetzt mal wieder beruhigen? Dieser Matcha-Hype ufert ja komplett aus. Matcha-Latte, Matcha-Glace, Matcha-Bonbons, Matcha-Schoggi, Matcha-Tiramisu – was noch? Das Grünteepulver wird für alles Mögliche und vor allem Unmögliche verwendet – nur nicht wofür dieses aussergewöhnliche Produkt aus Japan eigentlich gewonnen wird: die stille, demütige, zeremonielle Zubereitung von Tee.
Ich sags, wie es ist: Mich nervt das. Nicht ein bisschen. Sondern so richtig. Ich finde diese Art von kulinarischer Aneignung respektlos.
Matcha ist aufwendige Handarbeit
Für hochwertigen Matcha bauen japanische Teebauern in aufwendiger Handarbeit besten Grüntee an, beschatten die Pflanzen mehrere Wochen, damit Farbe und Geschmack intensiver werden. Dann waschen und trocknen sie die Blätter sorgfältig, befreien sie von Stängeln und Adern und mahlen die zarten Blätter zu kostbarem Pulver in Steinmühlen.
Seit Hunderten von Jahren wird das Pulver mit einem Bambusbesen und heissem Wasser in kleinen Schalen aufgeschäumt und andächtig genossen. Massvoll und mit Achtsamkeit! Und dann kommen nervige Influencer und ihre halbschlauen Follower und ballern sich das Zeug eimerweise und übel gezuckert rein. Echt geschmacklos.
In Japan selbst sieht man den westlichen Hype mit gemischten Gefühlen. Einerseits freut man sich über das weltweite Interesse an der japanischen Kultur. Andererseits kommt es wegen des globalen Hysteriezirkus um das vermeintlich supergesunde Produkt zu einer enormen Knappheit und dadurch zu extremer Verteuerung.
Teeläden müssen den Kauf einschränken
Bereits sind die beliebtesten Sorten ausverkauft. Die Bauern in Japan kommen kaum nach mit der Produktion. Teeläden beschränken den Verkauf auf eine Dose pro Person und Tag, um Hamsterkäufe zu vermeiden.
Der westlichen Foodindustrie ist das natürlich völlig schnuppe. Sie weicht auf billigen Ersatz aus anderen Ländern aus, verarbeitet mindere Qualität – der Begriff Matcha ist leider nicht geschützt – und macht dafür limitierte Editionen, damit sie naiven Kunden noch mehr Kohle aus der Tasche ziehen kann. Mit unverschämt hoher Marge. Selber schuld, wer für so einen billigen Quatsch auch noch Schlange steht.
War ja bei der Dubai-Schoggi nicht anders. Der Trend brach ein. Auch wegen hygienischer Probleme, bedenklicher Schadstoffe – und weil aufflog, dass auch in absurd teuren Produkten nur billigste Zutaten verwendet wurden.
Ein kurzlebiger Trend
Heute rühren Hipster noch ehrfürchtig ihren Matcha Latte, morgen wissen sie nicht mal mehr, wie man das Wort schreibt. Hauptsache, das Getränk hatte die richtige Farbe für Instagram.
Nicht falsch verstehen: Natürlich darf man Matcha Latte trinken, Croissants mit allem füllen, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Das Problem ist die Haltung dahinter: Alles wird zur schnell konsumierbaren Pose. Herkunft? Egal. Handwerk? Nebensache. Hauptsache, es trendet.
Wenn jemand ein Rezept dagegen hat: bitte her damit.