Monterey Car Week 2026: Zwischen Luxuskarossen und Rostlauben
Amerikas ganz normaler Autowahnsinn

Die Monterey Car Week ist Fantreff, Oldtimerevent, Automesse und millionenschwerer Laufsteg in einem. Neben Rekord-Auktionen und spektakulären Weltpremieren werden auf der kalifornischen Halbinsel während einer Woche auch heruntergekommene Schrottkisten abgefeiert.
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Jeden August kommen auf der kalifornischen Monterey-Halbinsel rund um die Milliardärsenklave Pebble Beach Autoliebhaber jeglicher Couleurs zusammen, ...
Foto: zVg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Monterey Car Week 2026 verwandelt die USA eine Woche zum Mekka für Autofans
  • Auktionen mit rund 1000 Fahrzeugen bringen in drei Tagen über 600 Millionen Franken ein
  • Hier die neusten Hypersportwagen, dort die schrottigsten Rostlauben am Concours d'Lemons
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Andreas EngelRedaktor Auto & Mobilität

Jedes Jahr im August wird Amerika zum Land der unbegrenzten Auto-Möglichkeiten. Während einer Woche kommen auf der kalifornischen Monterey-Halbinsel rund um die Milliardärsenklave Pebble Beach Autoliebhaber jeglicher Couleur zusammen, um zwischen glänzenden Oldtimern, leistungsstarken Boliden und den wohl skurrilsten Vehikeln des Planeten zu schwelgen. 

Bei der 2026er-Ausgabe der Monterey Car Week sorgten die angesetzten Rekord-Versteigerungen schon im Vorfeld für Schlagzeilen. Weltbekannte Auktionshäuser brachten während dreier Tage mehr als 1000 Fahrzeuge unter den Hammer – vom Klassiker bis zum Hypercar. Die zahlungskräftige Bieterschaft gab bei den Versteigerungen umgerechnet mehr als 600 Millionen Franken aus – im Schnitt also rund 600'000 Franken pro Fahrzeug. 

Hammerpreis für Königs-Cobra

Modelle der Sportwagenschmiede Ferrari waren dabei besonders begehrt: Von den 12 teuersten versteigerten Fahrzeugen stammen allein neun aus Maranello (I). Wobei weder der F50 von Erstbesitzer und Box-Legende Mike Tyson (9,8 Millionen Franken) noch der nur vier Mal gebaute 250 P aus dem Jahre 1963 (15,12 Millionen Franken) den Höchstbetrag erzielten, sondern der erst im Mai enthüllte Stromer-Erstling Luce.

Für den von vielen Fans als hässlichster Ferrari aller Zeiten verspotteten Elektro-Sportler mit der Chassis-Nummer 0 zahlte Neo-Besitzer und Milliardär Herbert Wertheim (85) unfassbare 32,3 Millionen Franken! Die Krone unter den Auktions-Königen setzte sich allerdings eine amerikanische Sportwagen-Ikone auf: Ein Shelby Cobra Daytona Coupe, das mehr als 20 Jahre Shelby-Cobra-Schöpfer Carroll Shelby (1923–2012) himself gehörte, kam für fast 35 Millionen Franken unter den Hammer!

Luxus und Leistung in Hülle und Fülle

Doch nicht nur in den Auktionshäusern sass das Geld dieses Jahr so locker wie eh und je. Auf dem perfekt getrimmten Rasen des Quail Country Club feierte die Elite der Autowelt beim Event «The Quail» einmal mehr eine Hypercar-Party der Superlative. Selbst die europäischen Luxusmarken liessen sich trotz aktuell schwieriger Marktbedingungen und teils essenzieller Zukunftsängste nicht lumpen und boten der zahlungskräftigen Besucherschaft – allein der Eintritt zum zweitägigen Event kostet fast 2000 Dollar – spektakuläre Neuheiten in Hülle und Fülle.

Hier der schnellste und stärkste Serien-Lamborghini Revuelto SV mit sagenhaften 1065 PS für vergleichsweise günstige 600'000 Franken, dort Aston Martins stärkster Frontmotor-Sportwagen Valen mit nicht weniger beeindruckenden 850 PS, der streng limitiert auf 150 Stück mit 1,7 Millionen Franken zu Buche schlägt.

Audis inoffizieller R8-Nachfolger Nuvolari mit 1001 PS starkem V8-Hybridantrieb oder BMWs ebenfalls Amerika-Premiere feiernde neue Luxusmarke Alpina mit ihrem edlen Concept Coupé verkommen neben Luxusboliden wie dem Bodo Cabrio des deutschen Edeltuners Brabus (1000 PS, Stückpreis 1,2 Millionen Franken) fast zur Randnotiz im Spektakel-Reigen. 

Flacher, schneller, greller

Denn da wären ja auch noch die höchst exklusiven Einzelstücke, welche die sich mit Champagnerkelchen zuprostende Klientel im Scheinwerferlicht begutachten durfte. Etwa eine Weiterentwicklung des wegen seiner grossen Heckflosse Moby Dick getauften Porsche 935, den die Zuffenhausener «Sonderwunsch»-Abteilung aus einem 911 GT2 RS zum Flachbau RS transformierte – dem Vernehmen nach für einen hohen siebenstelligen Betrag. Oder den für einen US-Kunden entworfenen retro-futuristischen CZ26 auf Basis des SF90 Stradale, den Ferrari etwas abseits des Spektakels in der Casa Ferrari vor handverlesenem Publikum präsentierte. 

Doch auch McLarens aus dem Zeitgeist gefallener Sportwagentraum 6GT mit V8-Verbrenner und Handschaltgetriebe oder Cadillacs über 800 PS starke Hypercar-Studie V-One als zukünftiger Gegner von Mercedes-AMG One oder Aston Martin Valkyrie (hier gehts zur unglaublichen Geschichte) verblassten im Glanz des grossen Stars: dem Bugatti Destrier. Das dritte Modell der französischen Traumschmiede, das dem auf Einzelstücke spezialisierten «Solitaire»-Programm entspringt, darf nochmals den sagenumwobenen W16-Motor im Nacken des Piloten tragen, der den Destrier mit seinen bis zu 1600 PS locker über die 400-km/h-Marke katapultiert. Auch der voraussichtlich achtstellige Preis dieses Fiebertraums in Sportwagengestalt stellt die elitäre Konkurrenz unter der kalifornischen Sonne in den Schatten.

In Rost we trust

So ernsthaft auf dem weiten Grün von The Quail über die komplett abgehobenen Spielzeuge der elitären Kundschaft gefachsimpelt wird, bei denen schon eine Sonderlackierung das Preisschild eines gewöhnlichen Familienautos trägt, so «abgespaced» gehts einen Tag später im 20 Kilometer nördlich gelegenen Seaside zu – sozusagen das schmuddelige Vorzimmer der piekfeinen Milliardärsenklave von Pebble Beach. Hier kommt die Auto-Community traditionellerweise zum Concours d'Lemons zusammen, bei dem nicht edelrestaurierte Oldtimer wie tags darauf am Concours d'Elegance inspiziert und abgefeiert werden, sondern die übelsten und abgerocktesten Rostlauben samt ihren skurrilen Besitzern. 

Ein Grossteil der ausgestellten Vehikel an diesem Trash-Treffen stammen – passend zum Namen – aus dem amerikanischen Rust Belt rund um das mittlerweile glanzlose US-Auto-Epizentrum Detroit. Fords rosten hier Stossstange an Stossstange mit übel zugerichteten Modellen von Chrysler, Jeep und Chevrolet vor sich hin. Einst majestätische Strassenkreuzer von Cadillac ziehen als umgebaute Leichenwagen oder mit Schaukelpferdchen auf dem Dach die bemitleidenswerten Blicke der amüsierten Besucherinnen auf sich. 

Autoliebe rostet nicht

Selbst Sportwagen wie ein zum Dakar-Renner umgemodelter Porsche 928 werden nicht verschont, um den die nicht weniger kurios wirkenden Besitzer in Dinosaurierkostümen herumtanzen. Hier dystopisch verunstaltete Wüstenrenner mit Ansaugstutzen so gross wie Schornsteine, dort ein Trabant mit zwei Hundedamen am Steuer und ein altes Mercedes-Cabrio im Hippie-Look, das mit seiner gepflegten Erscheinung bunt leuchtend aus der Masse der unzähligen Rostlauben heraussticht.

Ob Schrottkiste oder Millionenbolide, vermüllter Park- oder gepflegter Golfplatz, Champagner oder Dosenbier – gerade diese Gegensätze machen die Monterey Car Week zum wohl ungewöhnlichsten Auto-Event der Welt und Amerika einmal im Jahr zum Land der unbegrenzten Auto-Möglichkeiten.

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