Darum gehts
- BMW präsentiert am Comer See die Studie «Vision BMW Alpina» mit V8-Turbo-Benziner
- Neues Luxusmodell soll Maybach Konkurrenz machen und Alpina-Markenkern stärken
- Preisziel: 250'000 Franken mit Fokus auf exklusive Versionen von 7er und X7
Passend zum traumhaften Panorama zeigt BMW am Comer See in Norditalien ein Traum von einem Auto: den «Vision BMW Alpina». Gigantische 5,20 Meter lang, elegant und ein Traum für alle Autofans, die dem eingestellten BMW 8er hinterhertrauern. Viel Eleganz, jeder nur erdenkliche Luxus und dann noch ein klares Bekenntnis zu seinem Antrieb: kein Elektromodell, sondern ein leistungsstarker V8-Turbo. Applaus am Comer See.
Konkurrenz zu Maybach
Hinter dem Luxus-Schlitten steckt ein echtes Beziehungsdrama. BMW kaufte 2022 die Namensrechte von Edeltuner Alpina. Doch die Gründerfamilie Bovensiepen grätschte den Münchnern vergangenes Jahr frech dazwischen und baute auf eigene Faust den Bovensiepen Zagato, ein 611 PS starker Gran Turismo.
Jetzt schlägt BMW mit dem Markenneustart von Alpina zurück. Von BMW entwickelt und von Alpina in Buchloe (D), rund 70 Kilometer westlich von München gelegen, umfangreich veredelt, setzten Modelle wie B3, D5, XB7, B12 oder D3 in Sachen Dynamik, Exklusivität und Langstreckeneigenschaften bisher Massstäbe. Edler, exklusiver und deutlich schneller als vergleichbare BMW-Versionen – das wollte der Münchner Autobauer gern in den eigenen Reihen halten und nicht ganz nebenbei auch Maybach als edlen Mercedes-Ableger kontern, dessen Modelle speziell in China grossen Erfolg haben.
Alpina oberhalb von BMW
Alpina ist jetzt eine offizielle Submarke unter dem Dach der BMW-Gruppe wie Mini, Rolls-Royce, BMW Motorrad oder die M GmbH. Den ersten Markenauftritt feierte BMW nunmehr auf dem Concorso d’Eleganza. Der «Vision BMW Alpina» als Star des Abends ist zwar noch eine Studie. Doch der famos gezeichnete Gran Turismo weckt bereits Begehrlichkeiten bei den bestens betuchten Besuchern der Como Car Week, weil diese Art von Fahrzeug aktuell im BMW-Portfolio schmerzlich fehlt.
In den vergangenen Jahren begeisterten am Comer See jeweils Kleinserienmodelle des BMW 8ers, der mittlerweile ausgelaufen ist. Die nur 50 beziehungsweise 70 Mal gebauten Speedtop und Skytop waren trotz Preisen von 500'000 Franken im Nu vergriffen. Alpina soll klar oberhalb von BMW positioniert werden: Die Autos haben bisher in erster Linie das Image der Selbstfahrerlimousine und werden schon durch die Hauptmärkte in den USA, Deutschland und Japan kaum als Chauffeurmodelle genutzt. Das dürfte sich durch die Neuausrichtung Richtung China ändern.
Was wird aus den Kult-Modellen?
Was das Modellportfolio angeht, hält sich Alpinas neuer CEO Oliver Viellechner zurück. Doch wer sich die Markenausrichtung und eine Preiszielgrösse von 250'000 Franken anschaut, dürfte keinen Zweifel daran haben, dass es zunächst insbesondere um besonders exklusive Versionen von BMW 7er und X7 gehen dürfte. Offen bleibt, wie sich das neue Alpina-Portfolio mittelfristig einsortieren soll.
Bisher gab es mit den veredelten BMW-Fahrzeugen der 3er- und 4er-Reihe sowie von X3 und X4 auch betont kleine Modelle – hoch motorisiert und mehr als 100'000 Franken teuer. Im Markenkern standen jedoch eher grössere Fahrzeuge wie B5, B7, B8 und XB7. Reine Elektromodelle dürften erst einmal aussen vor bleiben.
Die grosse Frage bleibt: Kann sich Alpina im eigenen Haus überhaupt gegen die Luxus-Brüder von BMW durchsetzen? Was wird etwa aus einem begehrten Kilometerfresser wie dem Alpina B5, der zwar nicht die Sportwagengene des aktuellen BMW M5 besass, bisher jedoch ähnliche Kunden ansprach? Die Münchner werden wohl bald Antworten liefern.