Darum gehts
- China-Autos erreichen 2026 in der Schweiz 10,3 Prozent Marktanteil
- BYD führt mit 3114 Neuzulassungen vor MG (2632) und Tesla (1022)
- Nur 44,9 Prozent der chinesischen Autos sind elektrisch, Rest Hybride oder Benziner
«Wir haben Respekt, aber keine Angst vor den Chinesen!» Diese Aussage aus einem aktuellen Interview im SonntagsBlick stammt von Amag-CEO Helmut Ruhl. Stolz verweist er dort aufs Vorjahresergebnis. Da schaffte die Amag mit ihren Marken Audi, Seat/Cupra, Skoda und VW einen Marktanteil von 32,1 Prozent – das zweitbeste Ergebnis der Firmengeschichte.
Doch auch die Chinesen geben in der Schweiz mächtig Gas. Das zeigen die von Auto-Consultant Guido Biffiger exklusiv für SonntagsBlick zusammengestellten Neuwagen-Immatrikulationszahlen 2026 inklusive Direktimporte. Wir stellen fest: Chinesische Anbieter wie BYD, MG oder Leapmotor erreichen bei uns im ersten Halbjahr 2026 einen Marktanteil von bereits 6,5 Prozent. Und die in China produzierten, bei uns aber als europäisch wahrgenommenen Fahrzeuge von Volvo, Polestar oder Smart kommen auf weitere 3,8 Prozent. Das heisst: Nach den ersten sechs Monaten in diesem Jahr übertreffen in China für die Schweiz gebaute Autos mit 10,3 Prozent erstmals die wichtige Schwelle von 10 Prozent Marktanteil. Und das in nicht einmal ganz zwei Jahren!
Das zeigt: Der Vormarsch der Chinesen geht deutlich schneller als noch vor bald 60 Jahren bei den Japanern oder vor 35 Jahren bei den Südkoreanern. Und klar ist: Die China-Autos bleiben. Natürlich wird es Konsolidierungsrunden geben – und viele der schier unzähligen China-Marken werden auf der Strecke bleiben. Aber die grossen Marken wie BYD oder Geely sind nicht in unser Land gekommen, um es bald wieder zu verlassen.
BYD hat bei uns die Nase vorn
Die derzeit erfolgreichste China-Marke in der Schweiz ist neu BYD. Kämpft der China-Riese in der Heimat zurzeit zwar mit massiven Absatzproblemen, läuft das Geschäft bei uns wie geschmiert. Mit 3114 Neuzulassungen in den ersten sechs Monaten 2026 löst BYD den bisherigen China-Leader MG (2632 Zulassungen) ab. Interessant dabei: BYD mischt auch im Mietwagengeschäft tüchtig mit. Wer kürzlich in Italien in den Ferien war, kann das sicher bestätigen. Auch bei uns war im ersten Halbjahr 2026 fast jeder fünfte neu zugelassene BYD (19,7 Prozent) ein Mietwagen. Eine schlaue Taktik, um die neue Marke schnell bekannt zu machen.
Was Auto-Consultant Guido Biffiger beim genaueren Studium seiner Zahlen ebenfalls auffällt: Viele globale Hersteller bieten ihre in China gefertigten Modelle bei uns in der Schweiz an. So stammen zum Beispiel alle für die Schweiz bestimmten Volvo EX30 und EX30 Cross Country nicht etwa aus Brüssel, sondern aus chinesischer Produktion. Auch die für unseren Markt bestimmten Fahrzeuge von Xpeng werden nicht bei Steyr in Österreich gefertigt, sondern in China. Und mehr als 1000 Tesla Model Y sowie knapp 700 Model 3 kamen im ersten Semester 2026 direkt aus China – nicht etwa aus der deutschen Tesla-Produktion in Grünheide oder den USA. Ein Grund: Das Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und China vereinfacht den Import.
Nur knapp die Hälfte elektrisch
Und mit einem weiteren Vorurteil räumt Statistik-Spezialist Biffiger auf: Obwohl die Modelle der chinesischen Marken bei uns hauptsächlich als Elektroautos wahrgenommen werden, liegt deren Marktanteil in Tat und Wahrheit mit 44,9 Prozent nicht mal bei der Hälfte. Je rund ein Viertel machen Plug-in-Hybride (27,7 Prozent) und Vollhybride (22,6 Prozent) aus. Der Rest sind Benziner und Modelle mit sogenannten Range-Extendern.
Die Top 3 aus China in unserem Land: Der BYD Seal U führt mit 1227 Neuzulassungen vor dem Volvo EX30/EX30 Cross Country (1127 Stück) und dem Tesla Model Y (1022 Stück). Im Gegensatz zum Seal U oder Volvo EX30 gelangen vom Model Y zusätzlich auch Modelle aus europäischer und amerikanischer Produktion in unser Land.
Warum kaufen Schweizer Chinesen?
Der Slogan «Geiz ist geil» funktioniert offenbar auch bei Schweizer Autokäufern und erklärt ein Stück weit das schnelle Wachstum chinesischer Marken in unserem Markt. Denn eine kürzlich vom Versicherer Axa in Auftrag gegebene Umfrage zeigt, dass drei Viertel aller Befragten beim nächsten Autokauf vor allem auf den Preis schauen werden. Und gerade dort punkten chinesische Anbieter.
Kein Wunder, können sich bereits 43 Prozent der potenziellen Schweizer Elektroauto-Käufer vorstellen, einen Stromer aus China zu kaufen. Das sind 6 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Das zeigt, dass der Eroberungsfeldzug der Chinesen in unserem Land wohl nicht so schnell abgeschlossen sein wird.