Zwangsrekrutierung von bis zu 400’000 Soldaten
Verdeckte Mobilisierung – Putin rüstet für die nächste Phase des Kriegs

Russlands Präsident Wladimir Putin plant, bis zu 400’000 Soldaten für den Ukraine-Krieg zu rekrutieren. Der Schritt soll nach den Duma-Wahlen im September erfolgen. Statt auf offizielle Einberufungswellen scheint er auf Zwangsrekrutierung zu setzen.
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Kreml-Chef Putin plant offenbar nach den Duma-Wahlen im September eine massive Mobilisierung von bis zu 400'000 Soldaten.
Foto: AFP

Darum gehts

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  • Putin plant eine verdeckte Mobilisierung von bis zu 400’000 Soldaten ab 20. September
  • Moskau bestreitet die Pläne, setzt aber seit Juni auf Zwangsrekrutierungen
  • Moskau feuerte 550 Raketen und Drohnen in 28 Stunden ab – 38 Tote bei Kiew-Angriff
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Sandra MarschnerRedaktorin News-Desk

Kreml-Chef Wladimir Putin (73) steuert den Angriffskrieg auf die Ukraine offenbar auf eine neue Phase der Eskalation hin. Laut einem Bericht der US-Denkfabrik «Institute for the Study of War» (ISW) plant der russische Präsident demnach, weitere 300’000 bis 400’000 neue Soldaten an die Front in der Ukraine zu entsenden.

Diese massive Mobilisierung soll jedoch verdeckt ablaufen – ohne offizielle Einberufungswelle. Stattdessen will Putin offenbar auf Regionalregierungen und Zwangsrekrutierungen setzen, um die Truppenstärke zu erhöhen, berichtet das ISW unter Berufung auf eine Analyse des «Economist». Begonnen werden soll mit der grossangelegten Mobilisierung nach den Wahlen zur Staatsduma – der landesweiten Parlamentswahl – vom 18. bis 20. September. 

Festnahmen und Zwangsrekrutierungen

Nach aussen hin bestreitet Moskau weiterhin jegliche Mobilisierungspläne. Dmitri Medwedew, der stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrates, betonte am Freitag noch: «Das russische Militär verfügt über genügend Zeitsoldaten, um in der Ukraine zu kämpfen.» Ähnlich argumentierte Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja bereits eine Woche zuvor und erklärte, es werde keine grossangelegte Mobilisierung geben.

Doch hinter den Kulissen scheint die Realität eine andere. Schon am 11. August warnte der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski (48) in seiner abendlichen Videobotschaft in Berufung auf Geheimdienstinformationen eindringlich vor Putins Mobilisierungsplänen. «Nach den sogenannten Wahlen plant er bis Ende des Jahres eine weitere schnelle Mobilisierung von mehreren Hunderttausend Russen, plus ebenso viele im nächsten Jahr. Dies kommt zu den Rekrutierungen hinzu, die sie im Rahmen der Vertragsverpflichtung durchzuführen versuchen», sagte Selenski. 

Wie das ISW in Bezug auf Quellen aus der Oblast Pensa berichtet, laufen verdeckte Mobilisierungsmechanismen bereits mindestens seit Juni. Demnach würden russische Männer festgenommen und dazu gezwungen, Dienstverträge mit dem Verteidigungsministerium zu unterzeichnen. 

Dauerbombardement als neue russische Taktik

Darüber hinaus zeichnet sich im Angriffskrieg Russlands eine weitere neue Taktik ab. Die Angriffe auf die Ukraine haben sich in Form eines Dauerbombardements deutlich intensiviert. Von Freitag auf Samstag feuerte Moskau innert 28 Stunden 550 Raketen, Kampfdrohnen und Täuschdrohnen von verschiedenen Standorten in die Ukraine. Bei einem Angriff auf ein Munitionslager bei Kiew starben 38 Personen. Ein solches Dauerbombardement ist in der russischen Angriffstaktik neu. Auch Angriffe nach Tagesanbruch häufen sich zunehmend.

Das ISW beobachtet in der neuen Taktik drei russische Ziele. Zum einen soll die wegen fehlenden Nachschubs von Abwehrsystemen eingeschränkte ukrainische Luftabwehr zusätzlich geschwächt werden. Des Weiteren legt ein Beschuss auch zur Tageszeit gezielt die ukrainische Wirtschaft lahm. Und nicht zuletzt liefert ein Dauerbeschuss wichtige Erkenntnisse für die russische Armee, wo sich ukrainische Abwehrstellungen genau befinden. Damit wird der Weg für weitere präzise Angriffe geebnet. 

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