«Zu aufgelöst»
US-Arzt erklärt tödlichen OP-Fehler mit Chaos im Saal

Ärzte machen fatale Fehler: Neben dem Skandal am USZ gab es etwa einen Chirurg in den USA, der bei einer OP die Leber mit der Milz vertauschte. Der Patient starb, der Arzt plädiert auf unschuldig. 5 weitere Beispiele.
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Der Arzt verwechselte bei einer Operation 2024 die Leber mit der Milz. Sein Patient verstarb noch auf dem OP-Tisch.
Foto: Walton County

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Chirurg in Florida entfernte 2024 versehentlich die Leber statt die Milz
  • Patient starb auf dem OP-Tisch, Witwe reichte Zivilklage ein
  • Dem Arzt drohen 15 Jahre Haft und 8000 CHF Geldstrafe
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Wiebke KöhneRedaktorin Newsdesk

Es war ein Standard-Eingriff, doch die Operation endete für William Bryan (†70) aus dem US-Bundesstaat Florida im Jahr 2024 mit dem Tod. Er verblutete noch auf dem OP-Tisch. Chirurg Thomas S.* (44) sollte eine Milz entfernen – und schnitt stattdessen die Leber raus.

Die Witwe von Bryan ist bis heute fassungslos und reichte bereits im vergangenen Jahr eine Zivilklage gegen Thomas S. ein. Daneben hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen fahrlässiger Tötung gegen ihn erhoben. 

Zu aufgelöst, um Organ zu erkennen

Thomas S. plädiert auf nicht schuldig. Wie NBC vergangene Woche berichtete, brachte der Chirurg während einer achtstündigen Vernehmung ein skurriles Argument zu seiner Entlastung vor. Der Patient habe während des Eingriffs geblutet «wie ein verstopftes, überlaufendes Waschbecken».

Im Zuge der chaotischen Operation habe er versehentlich die Leber entfernt. Auch dafür hatte Thomas S. eine Erklärung. Er rechnete aufgrund der Erkrankung des Patienten mit einer stark vergrösserten Milz — unter all diesen «schwierigen Umständen» könne eine Verwechslung vorkommen. 

Wollte er seinen Fehler vertuschen?

Die krasse Ausrede des Docs: Er sei «zu aufgelöst» gewesen, um den Unterschied zu erkennen. Die Staatsanwaltschaft glaubt ihm kein Wort. Ihr Verdacht: Der Chirurg wollte den Pfusch im Bericht vertuschen.

Das Verfahren dauert noch an. Im Falle einer Verurteilung drohen dem Chirurgen laut Guardian, neben einer Geldstrafe von umgerechnet 8000 Franken, eine Haftstrafe von bis zu 15 Jahren. Es ist nicht das erste Mal, das ein Ärzte-Pfusch für Aufsehen sorgt. 

Skandal am Zürcher Unispital

Zwischen 2014 und 2020 kam es am Universitätsspital Zürich laut einer externen Untersuchung zu 70 Todesfällen, die statistisch vermeidbar gewesen wären. Die Missstände, die nun aufgedeckt werden, stellen den damaligen Direktor der Herzchirurgie Francesco Maisano (60) ins Zentrum des Skandals.

Unter anderem sollen 43 Patientinnen und Patienten ein Implantat zur Behandlung von undichten Herzklappen erhalten haben, dessen Mangelhaftigkeit Maisano bekannt war. Zudem zeigte der Untersuchungsbericht, dass die Behandlung mit Implantaten in diesen Fällen unangebracht war. Besonders empörend: Maisano besass Aktien des Unternehmens Valtech, das die Implantate herstellte. 

Francesco Maisano war bekannt, dass die Implantate für Komplikationen anfällig waren.

Dickdarm statt Blinddarm

Der Amerikaner George Piano musste sich im Dezember 2023 einer Blinddarmentfernung unterziehen. Die Ärzte im Spital entfernten ihm stattdessen ein Stück des Dickdarms — der entzündete Blinddarm befand sich weiterhin in seinem Körper. Piano überlebte nur knapp und reichte Klage gegen das Spital ein.

George Piano wurde statt des Blinddarms ein Teil seines Dickdarms entfernt.

Glassplitter eingenäht

Im Frühjahr 2019 verletzte sich Sandro Meier (damals 33) an einem Weinglas und suchte daraufhin das Spital Aarberg in Bern auf. Auf dem Notfall sei nur ein einziger, gestresster Assistenzarzt gewesen. «Er hat die Wunde schnell gereinigt und zugenäht», sagte Meier damals zu Blick. Jedoch hatte er vergessen, die Hand davor zu röntgen und daher versehentlich einen Glassplitter mit eingenäht. 

Das Röntgenbild beim Hautarzt zeigte, dass ein Glassplitter in die Hand eingenäht wurde.

Falsche Ärztin in Wettingen AG

Vorsicht vor falschen Ärzten! Nora Frischknecht aus Wolfhalden AR wäre Ende letzten Jahres fast an einem kosmetischen Eingriff gestorben. Für einen günstigen Preis wollte sie sich bei Kosmetikerin Fatma Y. (damals 35) den Po vergrössern lassen. Fatma Y., die sich jedoch nur als Ärztin ausgab, hatte nicht die nötigen Fachkenntnisse für die Behandlung. Das Resultat: Mikroabszesse im Po, stark erhöhte Entzündungswerte und Kreislaufprobleme.

Fatma Y. lockte mit Billigeingriffen Kunden an, dabei war sie gar keine echte Ärztin.

Der Eine-Milliarde-Dollar-Fehler

2025 wurde ein Spital in den USA von einem Gericht in Utah zu einer Schadensersatzzahlung von fast einer Milliarde Dollar verdonnert. Grund dafür war die medikamentöse Behandlung der schwangeren Anyssa Zancanella. Diese hätte das Medikament aus medizinischer Sicht nicht benötigt. Viel schlimmer: Ihre Tochter kam deswegen behindert zur Welt. Der Richter nannte das Spital im Urteil den «buchstäblich gefährlichsten Ort der Welt für ihre Geburt».

Dieser Familie wurde aufgrund eines Ärztefehlers fast eine Milliarde Dollar Schadenersatz zugesprochen.

Brustentfernung ohne medizinischen Grund

2018 sorgten vertauschte Laborproben dafür, dass eine Patientin jahrelang gegen vermeintlichen Brustkrebs kämpfte. Die damals 51-jährige Italienerin liess sich infolge der Behandlung die linke Brust entfernen. Erst als sie im April 2025 die Resultate einer DNA-Probe erhielt, flog der verheerende Fehler auf. 

Wegen vertauschter Laborproben dachte eine Patientin in Italien jahrelang, sie habe Brustkrebs.
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