Darum gehts
- Gericht spricht Familie fast eine Milliarde Dollar wegen Geburtsfehler zu
- Unerfahrene Krankenschwestern verabreichten gefährliche Dosen eines wehenfördernden Medikaments
- Starbucks muss 50 Millionen Dollar für Verbrennungen durch heissen Tee zahlen
Das Urteil sorgt selbst in den USA für Schlagzeilen: Ein Richter im US-Bundesstaat Utah hat einer Familie fast eine Milliarde Dollar zugesprochen. Zahlen muss das ein Spital, dessen Personal bei der Geburt eines kleinen Mädchens versagte. Das Baby kam behindert zur Welt.
Konkret geht es um Anyssa Zancanella, Danniel McMicheal und ihre inzwischen 5 Jahre alte Tochter Azaylee. Die Kleine kam am 14. Oktober 2019 zur Welt. Vor der Geburt bekam Anyssa Zancanella von unerfahrenen Krankenschwestern gefährliche Dosen eines wehenfördernden Medikaments. Der Arzt, der das eigentlich hätte machen sollen, schlief im Nebenzimmer. So heisst es in der Klage der Familie, die 2021 eingereicht wurde.
«Der gefährlichste Ort der Welt für ihre Geburt»
Erst Tage später kam die kleine Azaylee auf die Welt – und zwar per Kaiserschnitt. Das Medikament hätte das Mami also gar nicht gebraucht. Statt zu helfen, sorgte es dafür, dass das Mädchen mit Behinderungen auf die Welt kam. Durch das Medikament wurde das Gehirn beschädigt. Sie kann nicht richtig sprechen und entwickelt sich viel, viel langsamer als andere Kinder in ihrem Alter. Experten gehen davon aus, dass sie nie wirklich arbeiten können und auf Pflege angewiesen sein wird.
Der Richter Patrick Corum fand im Prozess klare Worte, wie die «New York Post» berichtet. «Dies war buchstäblich der gefährlichste Ort der Welt für ihre Geburt.» Und: Zancanella «wäre besser dran gewesen, dieses Baby auf der Toilette einer Tankstelle oder in einer Hütte irgendwo in Afrika zur Welt zu bringen als in diesem Spital.»
Darum das harte Urteil. Das Spital muss 951 Millionen Dollar (761 Millionen Franken) Schadenersatz zahlen. Ob die Familie das Geld auch wirklich bekommt, ist fraglich. Denn: Das Spital steckt in finanziellen Schwierigkeiten und musste Insolvenz anmelden.
Die Schmerzensgeld-Dimensionen sind in den USA überhaupt eine ganz andere. Kein Vergleich mit der Schweiz. Eine Übersicht über weitere Fälle.
50 Millionen Dollar wegen heissen Kaffees
Im Februar 2020 zog sich ein Lieferfahrer in Kalifornien schwere Verbrennungen zu, nachdem ein Tee der amerikanischen Kaffeekette Starbucks in seinen Schoss gekippt war. Nach einer Hauttransplantation und diversen weiteren Eingriffen im Intimbereich verklagte der Mann den Konzern auf Schadenersatz – der Starbucks-Angestellte im Drive-in habe das Getränk nicht fest genug in das Tablett zum Mitnehmen geklemmt.
Mitte März entschied ein Geschworenengericht in Los Angeles County zugunsten des Geschädigten. Nun muss Starbucks ganze 50 Millionen Dollar (44 Millionen Franken) blechen. Es ist nicht der einzige Fall dieser Art.
1992 zog sich Stella Liebeck, eine damals 79-jährige Rentnerin, Verbrennungen dritten Grades zu, nachdem sie einen Kaffee der Fast-Food-Kette McDonald's über ihre Beine verschüttet hatte. Weil man ihr nicht gesagt habe, dass der Kaffee heiss sei, verklagte die Amerikanerin den Konzern – und sahnte fast 3 Millionen Dollar (2,6 Millionen Franken) ab.
13 Millionen Dollar, da «Red Bull (keine) Flügel» verleiht
Der Fall, bei dem ein US-Amerikaner den österreichischen Energy-Drink-Hersteller Red Bull vor Gericht zog, sorgte bereits 2014 für Schlagzeilen. Der Mann gab an, das Getränk seit 2002 regelmässig zu konsumieren – Flügel habe er aber keine bekommen.
In der Anklageschrift liess der enttäuschte Red-Bull-Fan seinem Frust freien Lauf: «Alle bei Red Bull unter Vertrag stehenden Athleten erzählen in Werbespots, sie seien dank Red Bull besser geworden. Sie, die Vorbilder einer Generation, unterstützen damit diese Lüge.» Er selbst habe nämlich keine Leistungsverbesserung bemerkt. Dabvon sei er aber ausgegangen. Enttäuscht darüber zog er vor Gericht. Mit Erfolg: Der berühmte Werbeslogan kostete das österreichische Unternehmen schlussendlich 13 Millionen Dollar (11,4 Millionen Franken).
5 Millionen wegen Mikrowellen-Maccaroni
Nach nur dreieinhalb Minuten in der Mikrowelle sollen die Käse-Maccaroni von der Firma Kraft Heinz fertig sein – so wird das auf jeden Fall angegeben. Für eine US-Amerikanerin war aber klar: Diese Zubereitungszeit stimmt so nicht. Die Hersteller würden die Zeit, die es Konsumenten und Konsumentinnen koste, die Packung zu öffnen, das Wasser einzufüllen und umzurühren, bevor man überhaupt das Ganze in die Mikrowelle tun könne, nicht berücksichtigen. Die Schadenersatzklage auf 5 Millionen Dollar (4,4 Millionen Franken) wegen Täuschung wurde jedoch 2023 von einem Gericht in Miami abgelehnt.
7,5 Millionen für Wassermelonen-Stolperer
2017 wollte ein Mann im US-Bundesstaat Alabama eine Wassermelone beim US-Supermarkt-Riesen Walmart kaufen. Bei dem Unterfangen blieb der Amerikaner mit seinem Fuss in einer Palette hängen und stürzte. Folglich brach er sich den Hüftknochen, woraufhin er Walmart verklagte – man hätte eine Plane auf die Palette legen müssen. Ein Geschworenengericht gab ihm recht, woraufhin der Konzern 7,5 Millionen Dollar (6,6 Millionen Franken) Schadenersatz zahlen musste.